1. Ist die Artenvielfalt in der Stadt wirklich größer als in vielen ländlichen Regionen? Wenn ja, wie kommt das?

Die Artenvielfalt hat in den vergangenen zwei Jahrzehnten so dramatisch abgenommen, dass wir etwa ein Drittel der Häufigkeit aller Tiere in Deutschland verloren haben. Mit dem Verlust der Dichte und dem Aussterben vieler Arten haben wir auch einen anhaltenden Verlust an Lebensräumen zu beklagen. Die Folge ist, dass Großstädte für viele Tier- und Pflanzenarten "Orte der Glückseligkeit" sind. Hier existieren sie, weil ihre Lebensräume weniger gestört, zerschnitten, überflogen und vergiftet werden.

2. Finden Wild- und Honigbienen in der Stadt genug Nahrung?

Manche Bienenarten finden in den Städten ausreichend Nahrung, manche Arten aber auch nicht. Kommen ihre Futterpflanzen vor und haben sie ausreichend Nisträume, können sie in Städten fortbestehen. Verschwinden aber die Pflanzenarten oder ihre Lebensräume, dann werden auch die Bienenpopulationen zusammenbrechen.

3. Ist das Stadtimkern nur ein kurzlebiger Trend oder ein Konzept mit Zukunft?

Kurz dargestellt, ist die urbane Honigbienenhaltung, die zum aller größten Teil hobbymäßig betrieben wird, ein Trend. Dieser wird je nach medialer Aufmerksamkeit ein wenig zunehmen oder auch abnehmen können. Eine echte Perspektive erlangt die Honigbienenhaltung, wenn es gelingt, auf der einen Seite die Ausbildung zu professionalisieren und den Nutzen der Bestäuberinsekten insgesamt stärker zu wertschätzen.

4. Wo liegen die Unterschiede der Imkerei in der Stadt und auf dem Land?

Hobbyimker sind überwiegend darauf bedacht, eine kleine Anzahl von Honigbienen und Bienenbeuten (Häuser, in denen die Honigbienen gehalten werden) zu unterhalten. Ihr Bedarf an den von Honigbienen produzierten Produkten wie Honig, Blütenpollen, Bienenwachs, Propolis und Gelee Royal ist für den Privatbereich (Familie, Freunde, Bekannte) gedacht. Berufsimker leben vom Verkauf dieser Produkte und haben – wenn überhaupt – nur kleine berufliche Nebeneinkünfte.

Grundsätzliche Unterschiede in der Betriebsweise der Honigbienenhaltung zwischen sogenannten Land- und Stadtimker gibt es an und für sich nicht. Wenn es Unterschiede gibt, dann eher in der Größe der Imkerverbände (in der Stadt sind die Vereinsstrukturen zahlenmäßig größer), im Verkaufspreis der Honigbienenprodukte (in der Stadt sind diese deutlich teurer) und in der Alterszusammensetzung (in der Stadt sind eher etwas jüngere Mitglieder anzutreffen als auf dem Land).

5. Würden Sie Einsteigern einen Imkerkurs nahelegen?

Ich würde prinzipiell allen Neueinsteigerinnen und -einsteigern empfehlen, einen oder besser mehrere unterschiedliche Imkerkurse zu belegen, bevor sie selbständig mit dem Halten von Honigbienen beginnen. Es kann durchaus auch sinnvoll und reizvoll sein, eine Imkerpatin oder einen Imkerpaten in den ersten Jahren an seiner Seite zu haben.

6. Was gilt es bei der Stadtimkerei zu beachten?

Die Grundregeln der Honigbienenhaltung sind in der Stadt und auf dem Land gleich. Ein unbedingtes Muss ist die Einhaltung der „guten fachlichen Praxis der Honigbienenhaltung“. Dazu gehört

  • die Mitgliedschaft in einem Imkerverein, der Abschluss einer Haftpflichtversicherung der für eventuelle Schäden die durch die Honigbienen ausgehen, die Hobbyimkerin beziehungsweise den Hobbyimker versichert,
  • Anmeldung beim lokalen Veterinäramt (Standort, Anzahl der Honigbienenbeuten, Angabe zu Rasse und weiteres mehr),
  • die Einhaltung der gesundheitlichen Fürsorge der Honigbienen (Nutztierverordnung),
  • die jährliche und vorsorgliche Abgabe von Honigkranzproben zur Früherkennung von Krankheiten
  • die Führung einer sogenannten Bienenstockkarte auf der zeitlich geordnet die zuletzt getätigten Arbeiten aufgeführt sind,
  • der korrekte Umgang mit den eigenen Honigbienenschwärmen,
  • die Willfähigkeit sich fortwährend weiterzubilden und
  • die Bereitschaft positiv über seine Honigbienen und der vielen anderen Bestäuberarten in der Öffentlichkeit zu berichten.

7. Wie viele Völker kann man als Freizeitimker etwa halten und gut versorgen?

Die Anzahl der von einer Person gehaltenen Honigbienenvölker ist abhängig von der von ihr oder ihm für das Hobby zur Verfügung stehenden Zeit. Ich halte vier Honigbienenvölker und das reicht mir vollkommen aus, um den eigenen Honigbedarf (Pollen, Propolis und Gelee Royal ernte ich nicht) für mich privat, meine Familie, Freunde und Bekannte abzudecken. Des Weiteren zählen auch steuerliche Eckpunkte, die es zu berücksichtigen gilt. Weitere Informationen dazu finden Sie hier.

8. Braucht man eine Genehmigung, wenn man auf dem Dach oder auf dem Balkon einen Bienenstock aufstellen möchte?

Wenn Sie Honigbienen auf ihr Hausdach, ihren Balkon, oder ihre Loggia stellen wollen, brauchen Sie keine Genehmigung. Mit ihrem Eigentum können Sie immer noch frei verfügen. Ob allerdings Versicherungsträger eventuelle, aus dieser Beschäftigung der Honigbienenhaltung sich heraus ergebene Unfälle versichern werden, müsste mit den Versicherungen geklärt werden.

Um auf öffentlichen Gebäuden Honigbienenbeuten aufzustellen und dort entsprechend Honigbienen zu halten, bedarf es in jedem Falle einer ausführlichen Klärung. Hierzu müssten mit Sicherheit Besitzer, Pächter und Geschäftsführer sowie Juristen, Denkmalpflege, Sicherheitspersonal, Gärtner und Bewohner/Mieter gefragt werden.

9. Welche drei Dinge braucht die Stadtimkerin beziehungsweise der Stadtimker unbedingt?

Um einen regelmäßigen Einblick in die Honigbienenbeuten vornehmen zu können, braucht die Stadtimkerin beziehungsweise der Stadtimker Schutzkleidung, einen Stockmeißel, eine Sprühflasche mit Wasser und ein Gefäß.

10. Wie kann man auch den Wildbienen in der Stadt helfen?

Die Liste der Unterstützungen für Wildbienen und Bestäuberinsekten ist umfangreich. Hier sind die wichtigsten Tipps aufgeführt:

  • Fahrrad fahren anstatt E- und C-Mobilität
  • Bio- anstatt konventionelle Kost essen
  • Ökostromkunde werden
  • Biostoffe tragen (Ökolabel)
  • Eigene Dosen und Taschen zum Einkaufen verwenden und Verpackungen aller Art meiden
  • Wenn vorhanden, den eigenen Balkon oder Garten mit bienenfreundlichen Pflanzen bepflanzen: ungefüllte, einheimische und die Wildform der einheimischen (keine Hybriden); auf Torfboden verzichten
  • Wildbienennisthilfen aufstellen, aber nur dann, wenn Sie diese als Vorzeigegegenstand beziehungsweise zur Umweltbildung Ihre Familie, Freunden und Bekannten zeigen, um positiv auf ihr Tun hinzuweisen.
#beebetter-Jury

Cornelis Hemmer

Warum Cornelis Hemmer der Bienenschutz am Herzen liegt, weshalb er #beebetter unterstütz und was er sich von der Initiative erhofft, erfahren Sie hier.