1. Was macht die Efeu-Seidenbiene besonders?

Die Efeu-Seidenbiene wurde erst 1993 von Schmidt und Westrich als eigene Art identifiziert. Zuvor wurde sie für die sehr ähnlich aussehenden Heidekraut-Seidenbienen oder die Salz-Seidenbienen gehalten. 
Während die Bestände vieler anderer Wildbienenarten in den letzten Jahrzehnten aufgrund der intensivierten Landnutzung und Beanspruchung ihrer Lebensräume für den menschlichen Siedlungsbau zurückgegangen sind, scheint die Efeu-Seidenbiene von der Klimaerwärmung zu profitieren und hat sich in Deutschland, ausgehend vom Mittelrhein und der Oberrheinebene, in viele Regionen ausgebreitet. Inzwischen wurde sie zum Beispiel in Bayern, Hessen und Nordrhein-Westfalen nachgewiesen. Ihre Einstufung in die Gefährdungsklasse 3 der Roten Liste konnte daher inzwischen aufgehoben werden.

2. Wann fliegen Efeu-Seidenbienen?

Die Efeu-Seidenbiene ist die am spätesten fliegende Wildbienenart in Mitteleuropa. Die Männchen fliegen ab Ende August oder Anfang September, die Weibchen meist erst einige Tage später.

3. Kann man Efeu-Seidenbienen gezielt anlocken? Und haben Sie sich speziell diese Art ausgesucht?

Ich denke, es sind eher die Efeu-Seidenbienen, die sich unseren Garten als Standort ausgesucht haben, weil der sandige und an vielen Stellen nur locker bewachsene Boden in unseren Rabatten für sie gute Nistbedingungen geboten hat. Außerdem gibt es in der unmittelbaren Umgebung ein ausreichendes Nahrungsangebot mit vielen Efeu-Hecken.

4. Welche Pflanzen bestäubt die Efeu-Seidenbiene?

Die erwachsenen Tiere ernähren sich vom Nektar verschiedener Pflanzengattungen, unter anderem Doldengewächse und Korbblütler. In unserem Garten war dieses Jahr auch mein großer Bohnenkraut-Busch als „Tankstelle“ sehr gefragt. Als Larvennahrung wird bis zum Blütenbeginn des Efeus der Pollen verschiedener Spätblüher verwendet, danach aber fast ausschließlich der Pollen der Efeu-Blüten.

5. Was sollte man über die Ansiedlung von Wildbienen wissen?

Aus meiner Sicht kann man nur versuchen, unter Berücksichtigung der gegebenen Standortfaktoren (Klima, Lage, Bodenbeschaffenheit…) optimale Lebensbedingungen für Wildbienen im eigenen Garten oder auf dem eigenen Balkon zu schaffen und sich dann freuen, wenn nach und nach die Gäste eintreffen.

6. Warum helfen Sie Efeu-Seidenbienen?

In unserem naturnahen Garten ist von Anfang März bis Ende Oktober ein vielseitiges und reichliches Nahrungsangebot für Bienen und andere Insekten vorhanden. Wir freuen uns über jede neue Art, die unsere Einladung annimmt und bei uns zu Gast ist. Die Efeu-Seidenbienen scheinen das Angebot attraktiv gefunden zu haben und haben sich daher entschieden, sich bei uns häuslich niederzulassen.

7. Wie helfen Sie Wildbienen noch?

Wir haben einen naturnahen Garten, in dem von Anfang März bis Ende Oktober ein vielseitiges und reichliches Nahrungsangebot für Bienen und andere Insekten vorhanden ist. Statt eines eintönigen Rasens haben wir eine Wiese, auf der auch Blumen wachsen dürfen, und von der wir einige Stellen nur selten mähen. Außerdem haben wir in mehreren Ecken bienenfreundliche Blühmischungen angesäht. Daneben gibt es eine Vielzahl an alten Obstbäumen und Beerensträuchern. Zudem ist ein kleiner Teich als Wasserstelle vorhanden und es gibt mehrere Stellen, an denen Totholz zur Verfügung steht.

8. Warum setzten Sie sich gegen das Wildbienensterben ein?

Insekten im Allgemeinen leisten in praktisch allen Ökosystemen zu Land unersetzliche Dienste: sie helfen beim Abbau von Biomasse, bestäuben Pflanzen oder dienen anderen Lebewesen als Nahrung. Wenn Insekten als eine der Grundlagen der Nahrungskette verloren gehen, hat das Auswirkungen auf alle nachfolgenden Arten weiter hinten in der Nahrungskette. 
Wildbienen im Speziellen sind wichtige Bestäuber und leisten in Ergänzung zu den Honigbienen für den Menschen sehr wichtige Dienste bei der Bestäubung verschiedener Nahrungspflanzen. Mauerbienen etwa helfen fleißig bei der Bestäubung der Obstbäume und Beerensträucher in unserem Garten mit.

9. Durch welchen Beitrag kann, Ihrer Meinung nach, jeder Bienen schützen und retten?

Aus meiner Sicht ist der Fokus auf die Bienen - für die meisten gleichbedeutend mit „Honigbienen“ - etwas zu eng. Es geht insgesamt darum, die biologische Vielfalt zu fördern und zu erhalten. Die gezielte Förderung einer Art greift dabei zu kurz. Es gibt noch viele andere Insektenarten, die ums Überleben kämpfen und eine wichtige Rolle in ihrem jeweiligen Ökosystem spielen. 
Es sind oft schon Kleinigkeiten, die den Insekten helfen: Verbannung von Pestiziden und Herbiziden aus dem Privathaushalt, Förderung des Bio-Landbaus durch bevorzugten Einkauf biologisch erzeugter Lebensmittel, Liegenlassen von Totholz im Garten,Reduzierung der Lichtverschmutzung durch Abschalten der Außen/Gartenbeleuchtung ab 22 Uhr, Ansähen insektenfreundlicher Blühmischungen im Garten oder Balkon sowie die Bereitstellung einer Wasserstelle im Garten. 
Eine absolut katastrophale Entwicklung ist der Trend zur Hobbyimkerei durch Menschen, die absolut keine Ahnung von der Haltung der Honigbienen haben und sich ihr „do it yourself“-Bienenvolk übers Internet bestellen. Durch die fehlende Sachkenntnis besteht die große Gefahr, dass sich meldepflichtige Bienenkrankheiten unkontrolliert ausbreiten. Wer Honigbienen halten möchte, sollte sich unbedingt einem Imkerverein anschließen und sich zunächst umfassend schulen lassen.

10. In Ihrem Kinderbuch „Bienenstreik“, gehen Sie auf die Grundproblematik auf spielerische Weise ein. Was sind die Ursache des Bienensterbens?

Die wesentlichen Ursachen des Insektensterbens und damit auch des Bienensterbens sind inzwischen wissenschaftlich gut untersucht. Der Weltbiodiversitätsrat nennt unter anderem folgende Punkte

  • Der großflächige Einsatz von Pestiziden und Herbiziden in der industriellen Landwirtschaft, aber auch im Privatgarten oder bei der Pflege städtischer Grünanlagen dezimiert nicht nur die Schädlinge, sondern schadet auch den Nützlingen.
  • Es gibt immer weniger naturbelassene Ökosysteme als Rückzugsgebiete für Insekten, weil die Menschen neue Flächen für die landwirtschaftliche Nutzung oder die Erweiterung von Siedlungsgebieten beanspruchen. Die noch verfügbaren Rückzugsräume werden zudem immer kleiner und durch dazwischenliegende, vom Menschen genutzte, Flächen aus ihrem ursprünglichen räumlichen Zusammenhang gerissen und zerstückelt.
  • Viele Bestäuberinsekten sind auf ein sehr enges Spektrum an Nahrungspflanzen spezialisiert und auf diese angewiesen. Die intensive Landwirtschaft mit ihren großflächigen Monokulturen stellt für Insekten nur ein sehr einseitiges und zeitlich begrenztes Nahrungsangebot (z. B. Rapsblüte) bereit. Ein vielseitiges, ganzjähriges Nahrungsangebot über Wildblumen ist nur noch sehr eingeschränkt verfügbar.
  • Durch den Klimawandel ändern sich die örtlichen klimatischen Gegebenheiten so, dass manche Insektenarten in ihren bisherigen Ausbreitungsgebieten keine optimalen Lebensbedingungen mehr finden.
Unser Tipp

Kinderbuch "Bienenstreik"

Kinderbuchautorin Evelyn Back veranschaulicht in ihrem neuesten Werk "Bienenstreik" die Ursachen und Auswirkungen des Bienensterbens kindgerecht. Der Schutz heimischer Insekten ist ihr eine Herzensangelegenheit, weshalb sie auf Anfrage auch interaktive Lesungen an Kindergärten und Schulen hält.