Wie ist es Ihnen seit der Auszeichnung durch #beebetter ergangen?

Ich habe mich sehr über die Auszeichnung und die neuen Kontakte, die dadurch entstanden sind, gefreut. Es war sehr schade, dass die Preisverleihung nicht stattfinden konnte. Dennoch konnte ich mich mit vielen Leuten zumindest virtuell austauschen, die ich sonst nicht kennengelernt hätte. Das hat mich motiviert, weiterzumachen und war ein sehr positiver Ausgleich zur Arbeit. Im Krankenhaus, ich arbeite auf der Intensivstation, ging es im letzten Winter während des Lockdowns natürlich etwas drunter und drüber. Da war ich oft froh, mit meinen Pflanzen und der Balkonplanung für andere eine eine konstruktive Aufgabe zu haben, die mich ein wenig von der Pandemie abgelenkt hat.

Was hat sich bei Ihnen in den letzten Monaten verändert?

Mein Instagram-Account (@wasbluehtberlin) bekommt inzwischen deutlich mehr Aufmerksamkeit. Dementsprechend habe ich einige Anfragen für Artikel und Beiträge oder Anfragen zur Nutzung meiner Fotos erhalten. Das freut mich natürlich, da es mir sehr am Herzen liegt, dass mehr Leute ihre Balkons und Gärten mit bienenfreundlichen einheimischen Wildpflanzen bepflanzen. 

Seit der Auszeichnung mit dem #beebetter-Award wissen außerdem viele meiner Arbeitskollegen, dass ich mit Wildpflanzen experimentiere. Dadurch konnte ich dort schon gute Bekehrungsarbeit leisten, indem ich Pflanzen verschenkt, Balkone bepflanzt und etliche Tipps zur Balkongestaltung für Topfgärtner mit wenig Zeit gegeben habe. Einige Kollegen nennen mich sogar Bienenkönigin… 

Wofür haben Sie das Preisgeld in Höhe von 1000 Euro verwendet?

Ich habe das Preisgeld überwiegend für Freunde, Nachbarn und Kollegen eingesetzt, insbesondere für diejenigen, die etwas mehr Überzeugungsarbeit brauchten. Es ist jedoch noch etwas übrig und davon würde ich gerne eine weitere Fläche bepflanzen, wo genau steht allerdings noch nicht ganz fest. Meine aktuelle Überlegung ist es, im Herbst einen Teil unseres Krankenhausgeländes neu zu gestalten. Der Garten wird dort ohnehin gepflegt, daher hätte ich nach der Pflanzung kaum Mehrarbeit.

Welche neuen Ideen, Vorhaben und Pläne gibt es noch?

Ich habe mich im Frühjahr für einen Kleingarten beworben. Ich denke, dass der #beebetter-Gewinn 2020, insbesondere das Video, mir dabei geholfen hat, auf der Warteliste ein wenig nach oben zu rutschen. Auf jeden Fall drücke ich die Daumen, dass ich nächstes Jahr einen Garten bekomme. Den würde ich dann so umgestalten, dass auch dort eine kleine Stadtoase mit einheimischen Wildpflanzen und ein bisschen Obst und Gemüse entsteht. In dem Zusammenhang habe ich vor, mich auch im Verein zu engagieren, um die Idee vom bienenfreundlichen Gärtnern ohne Chemie voranzutreiben. 

Insgeheim hoffe ich außerdem nach wie vor, dass mein Balkon es irgendwann in Reinhard Witts Wildpflanzentopfbuch schaffen wird. Das wäre eine riesengroße Ehre, denn mit diesem Buch hat bei mir vor ein paar Jahren alles angefangen.

Konnten Sie weitere Mitstreiter und Mithelfer für Ihre Vorhaben gewinnen?In den vergangenen Monaten konnte ich einige Balkonflächen meiner Freunde, Nachbarn und Kollegen bienenfreundlich bepflanzen. Vor ein paar Jahren waren alle noch etwas skeptisch und sehr zurückhaltend, aber mittlerweile sind viele offener für die Idee, einige haben mir sogar ganz freie Hand bei der Wahl der Pflanzen gelassen. Das macht wirklich Spaß!

Ansonsten habe ich mich zunehmend mit Leuten zusammengetan, die ein ähnliches Vorhaben verfolgen wie ich. So ich beispielsweise häufig in Kontakt mit Katharina Heuberger (@wilder.meter), die in München ein ähnliches Projekt ins Leben gerufen hat wie ich. Außerdem hoffe ich auf eine Zusammenarbeit mit Birgit Schattling, die den jährlich stattfindenden Bio-Balkon-Kongress organisiert. Außerdem werde ich gelegentlich bei den Projekten und Veranstaltungen von bee4Us mitwirken. Dieser Verein hat sich zum Ziel gesetzt, Berlin zur Bienenhauptstadt Europas zu machen – was ich natürlich sehr gerne unterstütze.

Haben Sie die Auszeichnung mit dem #beebetter-Award noch kräftig gefeiert, sofern das möglich war?

Leider war es in der Zeit nach der Verleihung nicht möglich zu feiern. Aber ich habe mich trotzdem wahnsinnig gefreut und ich habe auch nicht zugelassen, dass die Pandemie die Freude überschattet. Natürlich hätte ich mich gefreut, die anderen #beebetter-Gewinner 2020 bei einer Preisverleihung vor Ort persönlich kennenzulernen, aber ich bin mir sicher, dass es dafür noch andere Gelegenheiten geben wird.

Hat das Bienen- und Insektensterben in diesem Jahr an Aufmerksamkeit gewonnen?

Ich möchte keineswegs behaupten, dass die Pandemie etwas Gutes war und ist, da sie für sehr viele Menschen viel Leid, Verlust und Trauer bedeutet hat. Dennoch sollte man immer versuchen, dem Negativen etwas Positives abzugewinnen. Ich denke, dass Corona einen positiven Effekt auf die Umwelt und die Natur hatte, nicht nur kurzfristig durch den Lockdown, sondern hoffentlich auch nachhaltig durch ein langfristiges Umdenken. Meiner Meinung nach hat die Pandemie uns gezwungen, alles zu entschleunigen und uns mit der Umwelt, dem Klima und unserer Auswirkung auf die Natur auseinanderzusetzen. Zudem ist es nicht mehr so selbstverständlich wie früher, dass man mal eben übers Wochenende irgendwohin fliegt. Das Reisen ist momentan etwas Besonderes und ich hoffe, dass das zumindest noch eine Weile anhält. Außerdem haben viele festgestellt, dass es zu Hause auch ganz schön sein kann, vor allem wenn man einen Balkon oder Garten hat, was wiederum mehr Aufmerksamkeit auf die Pflanzen und das Insektensterben mit sich gezogen hat.

Was würden Sie sich im Namen der Bienen wünschen?

Natürlich würde ich mir wünschen, dass der Einsatz von Pestiziden in der Landwirtschaft reduziert oder verboten wird. Bis das geschehen kann, wird jedoch noch viel Zeit vergehen und die allgemeine Bevölkerung müsste das durch die Bereitschaft unterstützen, höhere Preise für Lebensmittel zu zahlen. Deswegen wünschte ich mir kleinere und hoffentlich realistischere Ziele: Bei Neubauten sollte eine Dachbegrünung mit heimischen Pflanzen zur Pflicht werden. Ebenso sollte öffentliches Grün ebenfalls mit heimischen Pflanzen versehen werden und auch in neuen Anlagen sollte ein Mindestanteil gefordert werden. Dabei würde man an einigen Stellen sogar Kosten einsparen und Nutzen gewinne. Kirschlorbeeren beispielsweise sind um vieles teurer und um einiges weniger nützlich als zum Beispiel Alpenjohannisbeeren. Anstelle von Forsythien, die für Insekten völlig nutzlos sind, könnte man Kornelkirschen pflanzen, die sehen fast genauso und sind noch dazu eine wertvolle Futterpflanze für Bienen und andere Insekten. Leider gehören in den klassischen „ordentlichen“ Garten vermeintlich auch immer noch Thuja-Hecken und gefüllte Rosen. Ebenso wenig hat ein englischer Rasen in Zeiten des Klimawandels mit knochentrockenen Sommern nichts mehr in unseren Gärten zu suchen. Anstatt krampfhaft daran festzuhalten und täglich zu wässern, sollte man besser einen umweltfreundlichen Kräuterrasen oder eine relativ pflegeleichte Blumenwiese anlegen. In Sachen Gartengestaltung, Pflanzenauswahl und Stadtbegrünung braucht es also unbedingt noch ein allgemeines Umdenken. Das Projekt „Tausende Gärten - Tausende Arten“ ist ein großartiges Beispiel, das in die richtige Richtung geht und das zeigt, wie und dass es funktionieren kann.

Unser Tipp

#beebetter-Award

Dass man selbst mit wenig Platz viel bewirken kann, beweist Daniela Berg auf ihrem 8 m² großen Balkon in Berlin Mitte. Darauf erblühen zahlreiche heimische Wildpflanzen, die für Wildbienen und andere tierische Stadtbewohner ein üppiges Nahrungsangebot darstellen. Für den grünen Daumen und das Herz für Bienen hat sie erstmals den #beebetter-Sonderpreis für Engagement auf kleinstem Raum erhalten.

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