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Artikel von Vanessa Engel

Wie ist es Ihnen und der Schule Schloss Hagerhof in den letzten Monaten ergangen?Leider waren wir Corona-bedingt sehr ausgebremst. Unsere Projektgruppe besteht ja aus Schülerinnen verschiedener Klassen und Jahrgängen, deren Zusammenbringen natürlich über lange Zeit nicht erlaubt war. Das haben alle sehr bedauert.

Was hat sich seit der Auszeichnung durch #beebetter bei Ihrem Projekt alles getan?

Trotz der Einschränkungen konnten wir uns ab Juni zu weiteren Arbeiten auf dem Gelände treffen. Eine der wichtigen Neuerung sind Wassersäcke für die jungen Obstbäume, nachdem uns in den letzten zwei sehr trockenen Jahren einige Apfelbäumchen eingegangen waren. Zudem konnten wir Xenia Scherz für eine Kooperation mit der Biologische Station im Rhein-Sieg-Kreis e.V. gewinnen. Sie coacht uns jetzt in Sachen artgerechter Pflege der Streuobstwiese. Mit ihrer Hilfe haben wir nun auch begonnen, weitere alte und bewährte Sorten durch Pfropfung auf geeignete Unterlagen auf unsere Wiese zu holen, angefangen beim Weißen Winterglockenapfel. Die Pflanzung Blüten und Früchte tragender, heimischer Sträucher entlang der Grundstücksgrenzen haben wir auf den Herbst verschoben, weil wir dann wurzelnackte Exemplare verwenden können, die erheblich billiger sind. Auf der Wiese der Bad Honnef-AG in Hohenhonnef, die von einem Rasen in eine einschürige Blumenwiese verwandelt wurde, gedeihen die eingebrachten wilden Arten prächtig – mehr als 50 Blumenarten konnten wir dort finden. Auch das von den Schülerinnen errichtete große Bienenhotel wurde prima angenommen, wie uns zahlreiche belegte Wohnröhren verraten. Mit zwei weiteren Stationen des Bienenwegs „Bad Honnef summt“ mit den Themen 'Totholz bringt Leben' und 'Fledermäuse' wurden nun neun der zwölf geplanten Stationen fertig gestellt. Die QR-Codes mit weitergehenden Informationen sind für zwei Stationen online gestellt worden: Leben im Insektenhotel und Die Streuobstwiese.

Wie haben Sie das Preisgeld letzten Endes eingesetzt bzw. wofür soll es noch verwendet werden?

Das Preisgeld wurde zunächst für die Wassersäcke der Apfelbäumchen verwendet, die dieses Jahr besonders reichlich geblüht haben und voller Bienen und anderer Insekten waren. Wir hoffen auf eine reiche Ernte im Herbst. Weiterhin soll ein Teil des Geldes in die Beschilderung der noch fehlenden Stationen des Bienenwegs fließen. Und dann planen wir noch, die umfangreiche Bepflanzung der Streuobstwiesenränder mit einheimischen Büschen durch das Preisgeld zu bestreiten.

Welche neuen Ideen, Vorhaben und Pläne gibt es zurzeit für Ihr Bienenprojekt?

Zurzeit ist eine neue Station des Bienenwegs angedacht. Sie wird im Reitersdorfer Park in Bad Honnef verwirklicht und soll neben einer Blumenwiese und einem Insektenhotel auch eine künstlerische Rankhilfe für Schlingpflanzen bekommen. Als weiteres Element sollen die Besucher auf heimische Büsche als Lebensraum für Insekten und Vögel aufmerksam gemacht werden. Bei der Planung und Realisierung wollen wir die Realschülerinnen der Klasse 9 im Rahmen ihres Technikunterrichts involvieren, während die Erprobungsstufe 5/6 die Nisthilfen baut. Für die Umwandlung des Rasens in eine artenreiche Blumenwiese zeigt sich unser Projektpartner Drachenfelsschule mit selbstgezogenen einheimischen Arten verantwortlich.

Konnten Sie in den vergangenen Monaten weitere Mitstreiter und Mithelfer für Ihr Projekt oder für Ihre Vorhaben gewinnen?

Glücklicherweise konnten wir den Verein 'Freunde des Reitersdorfer Parks' zur Verwirklichung der neuen Bienenweg-Station gewinnen. Er wird uns sowohl mit Manpower als auch finanziell unterstützen. Außerdem ist der LEO-Club von der Partie, eine Jugendorganisation des Lions-Club Bad Honnef.

Haben Sie die Auszeichnung mit dem #beebetter-Award noch kräftig gefeiert, sofern das aufgrund von Corona möglich war?

Leider konnten wir die Auszeichnung nur in bescheidenem Rahmen feiern, hoffen aber sie anlässlich unseres Schulfestes im Herbst nachzuholen.

Konnten Sie durch #beebetter noch weitere neue Kontakte mit anderen Bienenhelfern knüpfen?

Wir bemühen uns zurzeit darum, weitere Schulen von Bad Honnef in den Arbeitskreis einzuladen.

Glauben Sie, dass das Bienen- und Insektensterben in diesem Jahr an Aufmerksamkeit gewonnen hat?

Beim Rundgang durch die Stadt kann man beobachten, dass eine Polarisierung stattgefunden hat: Einerseits sieht man nun verstärkt prächtige Vorgärten mit Bienenhäuschen und zahlreichen Nektarangeboten, auf der anderen Seite aber breiten sich vor allem in reichen Neubaugebieten die Schottergärten aus. Hier gilt es, Aufklärungsarbeit zu leisten. Und die kann auch durch die schulpflichtigen Kinder geschehen.

Was würden Sie sich im Namen der Bienen wünschen?

Mit der eigentlichen Beibehaltung der alten Förderpolitik in der europäischen GAP, nach der der größte Teil der Agrarsubventionen nach wie vor über die Flächengröße vergeben wird, hat die EU die Chance für die nächsten sieben Jahre vertan, das Insektensterben wirksam einzudämmen. Ein wichtiges Instrument auf nationaler Ebene wäre, den EU-Rahmen von 30% für ökologische Auflagen der Subventionen voll auszuschöpfen. Aber auch da zeichnet sich ab, dass die jetzige Bundesregierung diesen Schritt hin zu mehr großflächigem Landschaftsschutz nicht gehen wird. Dabei kommt von nicht wenigen Landwirten mittlerweile das Signal, das Ökosystemleistungen wie Ackerrandstreifen oder Ähnlichem für sie durchaus vorstellbar sind, sollten sie denn auch entsprechend von der Gesellschaft honoriert werden. Da ist dann wieder der Verbraucher gefragt, dem der Schutz unserer Böden und die Biodiversität sowie die angemessene Entlohnung unserer Landwirte durchaus ein etwas höheres Preisniveau für Lebensmittel wert sein sollte. Hier gilt es, weiter Aufklärung zu betreiben und möglichst viele Menschen ins Boot zu holen. Der eigene Naturschutz im Garten ist zwar für die Selbstbefindlichkeit wichtig, die Rolle, die Bienenhäuschen und Sommerblumen für den Arterhalt von Wildbienen spielen, wird gemeinhin aber überschätzt. Letztlich profitieren meist die im Siedlungsbereich sowieso schon nicht seltenen Gattungen wie die Mauerbienen, während die große Gruppe der Spezialisten kaum etwas davon hat. Den größten Einfluss dieser Tätigkeiten sehe ich im pädagogischen Wirken. Bei Kindern und Jugendlichen, aber auch bei ihren Eltern, kann der unmittelbare Kontakt mit der Lebenswelt der Bienen einen Bezug zur Natur und speziell zu ihrer Gefährdung generieren. Das kann ihre Einstellungen, beispielsweise in Bezug auf wirksame politische Maßnahmen, entscheidend positiv beeinflussen. So kann ich nur hoffen, dass der Volksinitiative Artenvielfalt mit ihren acht Forderungen in NRW ein ebenso großer Erfolg beschieden sein wird wie ihrer Vorgängerin in Bayern. 

#beebetter-Award

Gewinner der Kategorie „Jugend & Bildung“ 2020

Auf Schloss Hagerhof wird nicht nur gepaukt, sondern auch angepackt. Zum Anwesen der Schule in im nordrhein-westfälischen Bad Honnef gehören eine Streuobstwiese und ein Schulgarten, wo neben Obst und Gemüse auch die Artenvielfalt gedeiht. Das Projekt „Bad Honnef summt!“ engagiert für den Bienenschutz. Dafür hat die Schule den #beebetter-Award 2020

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