Warum unterstützen Sie #beebetter?

Die Initiative #beebetter versucht viele aktuelle Bienenschutz-Projekte zusammenzuführen, um ihnen noch mehr Aufmerksamkeit zu schenken und es für alle übersichtlicher zu machen. Das finde ich gut.

Was ist Ihr Fachgebiet?

Studiert habe ich Soziologie und Biologie und später noch Geographie. Schwerpunkte waren unter anderem Bodenkunde und Geobotanik, was mir nach dem Studium einen Job in der Landwirtschaft ermöglichte. Der Fledermaus- und Vogelschutz sind seit ewigen Zeiten meine Leidenschaft. Beruflich durfte ich viel Vernetzungsarbeit im Naturschutz voranbringen. Seit Gründung unserer Stiftung für Mensch und Umwelt im Jahr 2010 habe ich zusammen mit meiner Frau Corinna Hölzer mich mit der faszinierenden Welt der Honig- und Wildbienen auseinandergesetzt. Irre spannend! Die Vermittlung von Arten- und Naturschutzthemen an die breite Bevölkerung gehört seit langem zum Kerngeschäft. Hierbei treibe ich unter anderem das Umgestalten von öden Rasenflächen in Blühoasen im Rahmen eines BfN-Stiftungsprojekt Treffpunkt Vielfalt voran. Die Idee ist, auch im Wohnungsbau bienenfreundlich zu wirken. Die Zusammenarbeit mit Landschaftsarchitekten und Baufirmen macht dabei sehr viel Spaß.

 

Warum liegt Ihnen der (Wild-) Bienenschutz so am Herzen?

Mir ist der Schutz der Bienen deshalb so wichtig, weil wir diese Insekten brauchen! Sie sorgen als Bestäuber dafür, dass sich Wildpflanzen und unsere Nutzpflanzen auf den Feldern vermehren können. Dabei ist Biene nicht gleich Honigbiene! Die Honigbienen sind als Nutztiere auch sehr wichtig, v.a. für die Bestäubung der großen Monokulturen, die wir leider heutzutage haben. Sie brauchen gute Imker, die ihr Handwerk verstehen.

Von den 584 Wildbienenarten sind schon fast 40 Arten ausgestorben. Hier finden sich viele Spezialisten, wie die Glockenblumen-Sägehornbiene, die brauchen nunmal Glockenblumen. Gibt es die Pflanzen nicht, gibt es die Biene nicht. Und umgekehrt. Diese ökologischen Zusammenhänge sind ausgesprochen interessant.

In welcher der fünf Kategorien erwarten Sie besonders spannende Bienenschutz-Projekte?

Ich hoffe, dass jede #beebetter-Kategorie für sich überzeugende und spannende Bienenschutzprojekte und Bienenaktionen hervorbringt. Einen Favoriten habe ich nicht. Jeder und jede kann etwas tun und so ist der Wettbewerb ja auch angelegt. Das finde ich gut.

Kennen Sie bereits spannende Bienenschutz-Projekte oder überzeugende Bienenschützer?

Ja, im Rahmen unseres eigenen Vernetzungsprojekts Deutschland summt! haben wir viele Dutzend spannende Bienenschutzprojekte und engagierte Bienenschützer kennengelernt. Geradezu unglaublich, wie viele Menschen sich im Laufe der letzten Jahre für die Insekten begeistern konnten. Wichtig ist mir aber bei aller Freude, dass dabei nicht „Aktionismus“ herauskommt. Wie sagt man: Das Gegenteil von gut gemacht ist gut gemeint?! Hier kann #beebetter helfen, Aufklärungsarbeit in großem Stil voran zu bringen.

Was erhoffen Sie sich von der Initiative #beebetter?

Dass die Initiative #beebetter keine „Eintagsfliege“ wird. Ich erhoffe mir, dass sie mindestens drei Jahre sehr intensiv die unterschiedlichen Bienen- /Insektenschutz-Initiativen aufzeigt und diese über ihre Medienkanäle bekannt macht. Ich würde mir wünschen, dass gut recherchiert wird und gute fachliche Tipps an die breite Bevölkerung herangetragen werden, und zwar in einer einfach zu begreifenden Art und Weise. Eine Herausforderung, die Burda aber sicher gelingen wird.

Wie kann man Ihrer Meinung nach Wildbienen am besten helfen?

Naheliegend ist natürlich, Blühinseln anzulegen und Strukturen in die Gärten zu bekommen, die Totholz und Steine sowie Wasserstellen einbeziehen. Politik kann helfen, indem die Landwirte unter Bedingungen arbeiten können, die Rücksicht auf Insekten nimmt. Jeder einzelne von uns kann über seinen Lebensstil den Bienen und anderen Insekten, damit verbunden den Igeln, Vögeln, Amphibien usw. helfen:

  • Bio-Produkte kaufen: Bio-Lebensmittel aus der Region, Öko-Kleidung und Bio-Kosmetika mit Siegeln, Öko-Reinigungsmittel, Möbel und Baustoffe mit Biofarben etc. schaden der Umwelt und Natur weniger als konventionelle Produkte
  • Den individuellen CO2-Fußabdruck verringern: Mobilität neu denken und auf Fahrten mit Pkw verzichten. Zukünftig mit dem Fahrrad, ÖPNV und mit dem Zug sowie zu Fuß fortbewegen
  • Lebendige Demokratie leben: Demonstrationen gegen die Zerstörung unserer Natur und unseres Klimas wahrnehmen und wo immer möglich, andere ermutigen, den Pfad mitzugehen. Die kleine Greta geht uns voran…

um nur einige Beispiele zu nennen.

Was muss sich Ihrer Meinung nach ändern, damit es Bienen in Zukunft besser geht?

Es hilft nichts, wir müssen einen radikalen Systemwechsel einleiten, der erkennbar wegführt von dem Mantra des „Wachstums“. Ein „weiter so“ kann es leider nicht mehr geben. Das bedeutet aber nicht, dass wir auf vieles verzichten müssen, wir müssen aber umdenken und vieles einfach anders organisieren als bisher. Die Ziele und Maßnahmen zum Schutz der Umwelt müssen politisch und wirtschaftlich oberste Priori­tät haben. Darunter fallen auch Bienenschutzmaßnahmen auf lokaler und regionaler Ebene.

Was tun Sie, um (Wild-)Bienen zu helfen?

Ich lege mit unserem Team Naturgärten an. Wir führen Wildbienenrallyes durch, gemeinsame Pflanzaktionen und viele andere Maßnahmen, die Spaß machen und andere anstiften, in den Wildbienenschutz einzusteigen. Wir essen nur Bioessen im Büro, ich habe kein Auto sondern eine Bahncard 100 und generell versuche ich nach den o.g. Prinzipien zu leben. Das reicht natürlich alles nicht. Aber ich bemühe mich redlich.

Wenn ich eine (Wild-)Biene wäre, dann wäre ich ...

…sehr froh, dass die Menschen mich endlich als „klein aber oho!“ einschätzen. Dass die Leute aufhören, Insekten zu töten, sondern uns liebgewinnen. Wir haben das nämlich verdient!