Warum unterstützen Sie #beebetter?

Weil es wichtig ist, auf allen Ebenen der Bevölkerung die Zusammenhänge zwischen Pflanzenwelt und Tierwelt zu veranschaulichen. Weil es wichtig ist, Interesse zu wecken für die spannende Welt der Insekten. Ein schöner Einstieg dafür können die unterschiedlichen Bienenarten sein, die man im Garten beobachten und denen man dort auch helfen kann.

Was ist Ihr Fachgebiet?

Mein Fachgebiet dreht sich um die Frage, welche Einflussfaktoren die Qualität unserer Bienenprodukte, hier in erster Linie Honig, negativ beeinflussen können. Es geht dabei unter anderem um die Konfrontation von Bienen mit Pflanzenschutzmitteln, um den Wirkstofftransport mit Nektar und Pollen in das Bienenvolk sowie um Möglichkeiten dies zu reduzieren bzw. zu verhindern. Darüber hinaus interessieren mich Wirkungen von Pflanzenschutzmittel auf das Verhalten von Bienen und die Frage, wie sich die Änderung der landwirtschaftlichen, aber auch der kommunalen und privaten Nutzung von Grünlandflächen auf die Nahrungskette auswirkt. Wir analysieren Hunderte von Honig und Bienenwachsproben und versuchen die Ergebnisse in Form von Vorträgen und Schulungen an Imker, aber auch an Landwirte weiter zu geben. Ein weiterer Schwerpunkt ist die Beratung der Imker bezüglich sämtlicher imkerlicher Fragen.

Warum liegt Ihnen der (Wild-)Bienenschutz so am Herzen?

Alle Bienenarten nehmen über ihre Bestäubungstätigkeit eine Schlüsselrolle für das Überleben von Pflanzenarten und anderen Tierarten ein. Aufgrund des relativ guten Bekanntheitsgrades in der "Normalbevölkerung" kann die Honigbiene den Weg öffnen, sich auch den anderen Bienenarten zuzuwenden. Alle Bienenarten nehmen eine extrem wichtige Rolle in der Nahrungskette ein.

In welcher Kategorien erwarten Sie spannende Bienenschutz-Projekte?

Ich denke, wir haben sehr gute Chancen in allen Kategorien gute Vorschläge zu bekommen. Das Feld der Möglichkeiten ist wirklich groß. Wichtig ist sicherlich der Bereich Landwirtschaft, da diese auf etwa 50% der Landesfläche maßgeblich für die Gestaltung verantwortlich ist.

Kennen Sie bereits spannende Bienenschutz-Projekte?

Es gibt mittlerweile eine Vielzahl von Aktivitäten die sich um die Verbesserung der Biodiversität bemühen. So zum Beispiel auch das Landesprogramm Baden-Württemberg.

Was erhoffen Sie sich von der Initiative #beebetter?

Dass es gelingt, auf allen Ebenen den Blickwinkel auf die Zusammenhänge in der Natur zu öffnen. Dass es gelingt, die Möglichkeiten des Einzelnen im Hinblick auf die Gestalltung von Landschaften aufzuzeigen. Dass es gelingt, die Verantwortung des Einzelnen z.B. beim Lebensmittelkauf und die Konsequenzen, die sich dadurch für die Lebensmittelproduktion ergeben, klarer zu machen - zum Beispiel zu erklären, warum die die "Geiz ist geil-Mentalität" im Bereich der Nahrungsproduktion eine Katastrophe ist.

Wie kann man Wildbienen am besten helfen?

In dem man Habitate schafft, in denen die Distanzen zwischen Nistplatz und Futterquelle erreichbar beieinander liegen, in dem die Pfanzenartenvielfalt von blühenden Kräutern, Stauden, Sträuchern und Bäumen überall massiv erhöht wird.

Was muss sich ändern, damit es Bienen in Zukunft besser ergeht?

Über die ganze Saison muss ein gutes Blütenangebot und große Artenvielfalt verfügbar sein. Wir haben die bunt blühenden Heuwiesen verloren und damit genau das, was eine hervorragende Basis für die Artenvielfalt bei Bienen gesichert hat. Wir haben über Flurbereinigung und den Verlust der kleinbäuerlichen Familienbetriebe auch Anbaudiversität verloren, ebenso Gräben, Böschungen und Ackerrandstreifen. Dafür muss Ersatz geschaffen werden.

Was tun Sie, um (Wild-)Bienen zu helfen?

Ich bin einerseits Imker und kümmere mich damit um eine der Bienenarten, die als eine der ersten bei uns schon ausgestorben wäre. Ich habe aber auch viele Nisthilfen für Solitärbienen entwickelt und selbst hergestellt. Außerdem versuche ich im Garten, aber auch im Außenbereich Bienenpflanzen zu verbreiten. Ich nutze alle Möglichkeiten im Freundeskreis, um auf die Zusammenhänge der Wildbienen und ihre Spezialisierung auf bestimmte Pflanzen hinzuweisen und klar zu machen, dass das Verbot von drei Neonicotioiden bei weitem das Problem nicht löst.

Wenn ich eine (Wild-)Biene wäre, dann wäre ich…

... eine Mauerbiene, da ich heute immer noch mit die besten Überlebenschancen aller (Wild)bienenarten hätte.