Warum unterstützen Sie #beebetter?

Die Wissenschaft beschäftigt sich schon lange mit den gravierenden Veränderungen unserer Umwelt und hat frühzeitig auf das teils dramatische Artensterben hingewiesen. Nun hat das Thema endlich auch die Öffentlichkeit erreicht. So ist das „Bienen-/Insektensterben“ sogar im normalen täglichen Leben angekommen und das ist auch gut so! Die Wissenschaft kann und muss Fakten erarbeiten und die Gesellschaft auf bestehende Probleme sachlich und fachlich fundiert hinweisen. Veränderungen gelingen aber wesentlich nur dann, wenn sich die Gesellschaft als Ganzes der Problemlösung annimmt. Hier wird #beebetter wichtige Impulse liefern und eine Vielzahl von MitstreiterInnen motivieren können.

Was ist Ihr Fachgebiet?

Ich bin Wissenschaftler im Bereich der Bienenkunde. Dabei sind mir Honigbienen und Wildbienen gleichsam wichtige Betätigungsfelder. Wir haben mit dem LAVES Institut für Bienenkunde nationale und international geschätzte Kompetenz in so vielen Themenfeldern sowohl zu den Honig- als auch zu den Wildbienen.

Warum liegt Ihnen der (Wild-)Bienenschutz so am Herzen?

Honigbienen aber insbesondere Wildbienen sind sehr gute Indikatorarten, die uns stellvertretend für eine Vielzahl anderer Arten (Tiere und Pflanzen) eine gute Abbildung des Erhaltungszustandes unserer Umwelt, in der wir leben, bieten. Seltene Wildbienen kommen beispielsweise nur noch dort vor, wo deren natürlichen Lebensansprüche erfüllt werden. Das sind aber inzwischen seltene Refugien, in denen oftmals auch seltene Pflanzen und Schmetterlinge vorhanden sind. Wir haben eine gesellschaftliche Verantwortung diese zu erhalten und entsprechend zu pflegen.

In welcher der fünf Kategorien erwarten Sie besonders spannende Projekte und Aktionen?

Da will ich mich noch nicht festlegen. Veränderungen sind nur durch verschiedene Projekte und Aktionen zu erwarten. So bin ich fest davon überzeugt, dass die Auswahl der überzeugendsten und spannenden Projekte unabhängig von den Kategorien letztlich schwer fallen wird.

Kennen Sie bereits spannende Bienenschutz-Projekte?

Ja, da gibt es einige, die mir spontan einfallen. Ich will jedoch dem Wettbewerb nicht vorgreifen. Dennoch ist es mir sehr wichtig, dass die Aktionen oder Projekte grundsätzlich nachhaltig angelegt und ausgelegt sein sollten. Denn kurzfristiger, reiner Aktionismus wird den Bienen nicht helfen.

Was erhoffen Sie sich von der Initiative #beebetter?

#beebetter sehe ich einerseits als guten Motivator laufende Projekte und Aktionen für ihr Engagement auszuloben und zum Weitermachen anzustacheln. Andererseits kann #beebetter womöglich bei gesellschaftlichen Gruppierungen, denen es bislang noch nicht bewusst ist, einen Beitrag zum Artenschutz zu leisten, einen Anschub zum Mitmachen geben.

Wie kann man Ihrer Meinung nach Wildbienen am besten helfen?

Wir müssen in erster Linie insgesamt unser Konsumverhalten hinterfragen. In unserem persönlichen Umfeld sollte man einfach mehr Wildwuchs zulassen. Denn wer einen Garten hat, kann dadurch den Insekten am besten helfen. Leider sieht man aber vielerorts reine Stein- und Betonwüsten, die eigentlich blühende Paradiese für eine Vielzahl von Insekten und die sympathischen Wildbienen sein könnten.

Was muss sich Ihrer Meinung nach ändern, damit es Bienen in Zukunft besser geht?

Hier denke ich als Bienenwissenschaftler primär an die inzwischen wirklich seltenen, vom Aussterben bedrohten Wildbienenarten. Hier muss unbedingt ein gesetzlich anderer Schutzstatus in der Bundesartenschutz-Verordnung eingeführt werden, als es die Wildbienen bislang haben. Sie sind generell leider nur in die Kategorie „besonders geschützt“ eingeordnet. Damit haben sie den gleichen Schutzstatus wie eine Hausmaus oder eine Hausratte. Sie müssten aber aufgrund ihrer besonderen Bestäubungsleistung und Seltenheit wegen in die Kategorie „streng geschützt“ aufgenommen werden. Dann müsste man deren Schutz genauso berücksichtigen, wie wir dies richtigerweise zum Beispiel für den Weißstorch betreiben.

Was tun Sie, um Bienen zu helfen?

Das Bieneninstitut Celle betreibt Forschung und schafft Grundlagen, die wir für den verlässlichen Schutz der Honig und Wildbienen grundsätzlich benötigen. Wir initiieren Projekte zum konkreten Schutz der Wildbienen und zum Zusammenführen verschiedener Akteure – beispielhaft die Landwirte und Imker. Ich selber versuche u.a. durch Vorträge die Menschen für die so sympathischen Wild- und Honigbienen zu begeistern.

Wenn ich eine (Wild-)Biene wäre, dann wäre ich ...

... gerne eine Mooshummel, Bombus muscorum. Das ist eine Wildbiene, die stellvertretend für viele bedrohte andere Insekten stehen kann. Diese Hummeln sind nachweislich inzwischen so selten, dass sie vielerorts vor dem Aussterben stehen. Die Mooshummeln sind ausgesprochen schön anzusehen. Sie können daher auf den ersten Blick wohl für jeden sympathisch sein – so wie für mich auch. Wir haben eine große Verantwortung für den Erhalt dieser seltenen Wildbienen. Wir wissen nämlich, dass jeder Verlust einer Art quasi einen Dominoeffekt bei andern Arten auslöst.