Warum unterstützen Sie #beebetter? 

Dem Thema „Insektensterben“ wurde von den Medien in letzter Zeit hohe Aufmerksamkeit geschenkt. Das ist eine sehr positive Entwicklung. Damit das Thema dauerhaft die nötige öffentliche Aufmerksamkeit bekommt, braucht es allerdings Kampagnen wie #beebetter, die sich besonders dem Schutz der Wildbienen widmet. 

Was ist Ihr Fachgebiet? 

Als Mitarbeiter der Heinz Sielmann Stiftung, die sich für den Erhalt der Artenvielfalt einsetzt und Menschen für die Natur begeistern möchte, bin ich unter anderem für die Umsetzung von Wildbienenprojekten zuständig. Ziel dieser Projekte ist es, Kindern und Erwachsenen die Welt der Wildbienen näher zu bringen und sie für deren Schutz zu sensibilisieren. Außerdem habe ich mehrere Jahre in einer Imkerei gearbeitet und bin weiterhin begeisterter Hobbyimker. 

Warum liegt Ihnen der (Wild-)Bienenschutz am Herzen? 

Die Honigbiene hat einen besonders guten Ruf und wird von vielen Menschen aufgrund des Fleißes, den man ihr nachsagt, und dem Honig, den sie produziert, geschätzt. Die über 560 Wildbienenarten, die in Deutschland beheimatet sind, werden dabei gerne übersehen. Sowohl Honig- als auch Wildbienen sind als Bestäuber elementarer Bestandteil unserer Nahrungsketten und für die Funktion unserer Ökosysteme unersetzlich. Außerdem handelt es sich um faszinierende Kreaturen, die eine unheimliche Fülle an Überlebensstrategien entwickelt haben und deren Schutz jedem von uns etwas angehen sollte.

Aus welchen Bereichen erwarten Sie besonders spannende Bienenschutz-Projekte? 

Ich hoffe, dass in allen Kategorien interessante Projekte umgesetzt werden, die zum Mitmachen und Nachahmen animieren. Da man bereits mit recht einfachen Mitteln auf dem heimischen Balkon oder im eigenen Garten etwas Gutes für Wildbienen tun kann und sich diese Erkenntnis auch langsam in der Bevölkerung durchsetzt, bin ich besonders gespannt, welche Projekte aus dem privaten Bereich ins Leben gerufen werden.  

Kennen Sie bereits spannende Bienenschutz-Projekte oder überzeugende Bienenschützer? 

Da die Heinz Sielmann Stiftung ein eigenes Förderwesen zur Unterstützung von Naturschutzprojekten betreibt und aufgrund ihrer eigenen Wildbienen-Initiativen gut vernetzt ist, sind mir eine Vielzahl von Projekten und Personen, die sich dem Bienenschutz widmen, bekannt. Besonders schätze ich die Expertise von Dr. Paul Westrich, der sein Wissen über die Website „Faszination Wildbienen“ teilt sowie die Arbeit von Norbert Voigt für das Umweltbildungsprojekt „BienenReich Schleswig-Holstein“. 

Was erhoffen Sie sich von der Initiative #beebetter? 

Von #beebetter erhoffe ich mir, dass das Thema Wildbienenschutz weiter an Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit gewinnt und somit mehr Menschen dazu anregt, darüber nachzudenken, was man durch sein eigenes Konsumverhalten und die Gestaltung seines eigenen Balkons bzw. Gartens beitragen kann. Gleiches gilt natürlich auch für Unternehmen und öffentliche Einrichtungen, die anhand ihrer Beschaffungsrichtlinien und der Gestaltung ihrer Außengelände mit gutem Beispiel vorangehen können. 

Wie kann man Ihrer Meinung nach Wildbienen am besten helfen? 

Wildbienen benötigen vor allem geeignete Nistgelegenheiten, das entsprechende Baumaterial für ihre Brutzellen und ein ausreichendes Angebot an einheimischen Blütenpflanzen. Da viele Wildbienenarten recht ortstreu sind und sich ihr Bewegungsradius auf wenige Hundert Meter beschränkt, ist es zudem wichtig ein enges Netz an Standorten mit geeigneten Strukturen in der Landschaft vorzuhalten.  

Was muss sich ändern, damit es Bienen in Zukunft besser ergeht? 

Um Wildbienen dauerhaft und nachhaltig zu schützen, reicht es natürlich nicht aus hier und da eine Nisthilfe aufzustellen. Das kann nur ein kleiner Mosaikstein im großen Ganzen sein. Entscheidend ist vor allem ein Umdenken in der Landwirtschaft, weg von einer industriellen hin zu einer ökologischen Bewirtschaftung, die ohne den Einsatz von Pestiziden auskommt. Hier muss, meiner Meinung nach, die Politik die richtigen Anreize setzen und auch der Verbraucher durch sein Konsumverhalten bereit sein diesen Weg mitzugehen. 

Was tun Sie, um (Wild-)Bienen zu helfen? 

Im Zuge der Wildbienenprojekte, die ich für die Heinz Sielmann Stiftung betreue, versuche ich Kinder und Erwachsene für das Thema zu begeistern und führe mit ihnen vor allem praktische Maßnahmen durch, um zu zeigen, was man alles für den Schutz von Wildbienen tun kann. Auf diese Weise wurden zum Beispiel 2019 über 400 Schüler an 17 Veranstaltungen im Projekt „Wildbienen in Schulwäldern“ über die Lebensweise der Wildbienen aufgeklärt und hatten anschließend die Gelegenheit selbstständig Nisthilfen zu bauen sowie Blühstreifen, Rohböden und Totholzhaufen anzulegen. 

Außerdem trage ich durch meine Stiftungsarbeit zum Erhalt von großflächigen, naturnahen Lebensräumen, wie Heiden, Inlandsdünen, Feuchtwiesen oder Trockenrasen, bei, die auch für Wildbienen von besonderer Bedeutung sind. 

Persönlich habe ich auf meinem Balkon eine einfache Nisthilfe aufgestellt und unterschiedliche Kräuter angepflanzt (Schnittlauch, Bohnenkraut, Thymian, Rosmarin und Salbei), die ich jedes Jahr zur Blüte kommen lasse. Außerdem bin ich Hobbyimker und pflege meine eigenen Bienenvölker in und um Berlin. 

Wenn ich eine Wildbiene wäre, dann wäre ich… 

… froh, wenn es noch viele weitere Initiativen wie #beebetter geben würde.