Die Forderung der Volksbegehren Artenschutz - "Rettet die Bienen"

Die Volksbegehren Artenschutz - "Rettet die Bienen" wurde am 14. August. 2019 vom Innenministerium Baden-Württembergs zugelassen. Das oberste Ziel der Initiative ist es, die Artenvielfalt zu erhalten und zu fördern. So soll dem Bienensterben der Kampf angesagt werden. 
Laut der Akteure hinter dem Volksbegehren müssten, um das zu erreichen, folgende Maßnahmen umgesetzt werden: Zum einen ein striktes Verbot für den Einsatz von Pestiziden und Bioziden in Schutzgebieten. Zum anderen die Ausdehnung der ökologisch bewirtschafteten Fläche. Ein Staffelplan sieht die Umsetzung der Gesamtfläche auf 25% bis 2025 und 50% bis 2035 vor. Zusätzlich soll es einen gesetzlichen Schutz von Streuobstwiesen geben sowie eine Reduzierung der Pflanzenschutzmittel um 50% bis 2025.

„Wir wollen die größte ökologische Katastrophe unserer Zeit in Baden-Württemberg bekämpfen und unseren Kindern ein lebenswertes Ländle hinterlassen.“ - David Gerstmeier & Tobias Miltenberger, Initiatoren Volksbegehren

Die Sorgen der Weinbauern der Region Ortenau

Weinbauern der Region Ortenau beklagen sich über die geforderten Maßnahmen, denn sie empfinden die Vorgaben der Initiative  als enteignungsgleiche Eingriffe. Sollten die Maßnahmen gesetzlich angeordnet werden, könnten viele Bauern, die Ackerfläche in Naturschutzgebiets bewirten, diese nicht mehr bespritzen. Dies gilt ebenso für Landwirte, die Bioprodukte anbauen. Das hieße, dass hier auch zugelassene Mittel wie Schwefel, Kupfer und Chrysabrgeneb-Extrakt wegfallen würden. Doch gerade beim Anbau von Bioprodukten müsse fünf bis sechs Mal häufiger gespritzt werden, da die natürlichen Mittel nicht so aggressiv wie chemische Dünger wirkten. Viele Winzer erklären zudem, dass sie ohnehin aus Kostengründen nur die nötigsten Pflanzenschutzmittel nutzen würden.

Im Falle der verpflichtenden Umsetzung der Vorgaben sorgen sie sich um ihre Existenz. Denn in absehbarer Zukunft würde es keine Anbaumöglichkeiten mehr in der Ortenau geben, da der Großteil der Ackerflächen im Naturschutzgebiet liegen. Auch aus wirtschaftlicher Sicht sei es nicht sinnvoll, vermehrt ökologische Produkte anzubauen, da es keine entsprechende Nachfrage auf dem Absatzmarkt gäbe, so die Bauern der Region Ortenau. So drohen viele Winzer nun, ihren Betrieb einzustellen, wenn sie künftig nicht mehr mit Pflanzenschutzmitteln arbeiten dürften. 

Passen Artenschutz und Weinanbau zusammen?

Wie bei fast allem im Leben, ist es für eine positive Veränderung sinnvoll und notwendig, Kompromisse zu schließen. Laut der Initiative "Mehr als nur Bienen retten", hinter der junge und engagierte Winzer stehen, wird die Artenvielfalt in der Kulturlandschaft bereits durch vielseitige Maßnahmen gefördert. Die Winzer wollen zeigen, dass es möglich ist, sich für den Bienenschutz einzusetzen und gleichzeitig die Wirtschaftlichkeit ihres Ackerlandes im Auge zu behalten. So z.B. durch moderne Obstanbau-Methoden anstelle von von Monokulturen, durch das Anlegen von Streifen mit heimischen Wildkräutern und Blühpflanzen sowie durch das Aufstellen von Nistplätzen. 

Der Faktencheck des Landesbauernverbandes (lbv) Baden-Württemberg

Um das Risiko des Bienensterbens zu minimieren, fordert das freie Institut für ökologische Bienenhaltung "proBiene" folgende Punkte:

  • 50% Ökolandbau bis zum Jahr 2035 und ökologische Bewirtschaftung auf 100% der Staatsflächen
  • Verbot von Pestiziden in Schutzgebieten und Halbierung des Pestizideinsatzes bis 2025
  • 50% weniger Pflanzenschutzmittel bis 2025
  • Schutz der Streuobstwiesen

Diese konkreten Bedenken haben die Landwirte zu den einzelnen geforderten Maßnahmen:

  • Es würden mehr Biolebensmittel zur Verfügung stehen, als Nachfrage vorhanden ist. Zudem würden die Preise der Bioprodukte angehoben werden, damit ein Biolandwirte von seinen Verkäufen leben kann
  • In Naturschutzgebieten wären weder Landwirtschaft noch Weinbau und Obstbau möglich, da die schützenswerte Kulturlandschaft verschwinden würde
  • Durch die Verringerung von Pflanzenschutzmitteln, gäbe es Ernteverluste, sodass Ernährungsengpässe durch andere Länder ausgeglichen werden müssten
  • Bauern würden keine Förderung für Streuobstwiesen erhalten, wodurch diese dann nicht mehr gepflegt werden könnten

Der Kompromiss zwischen Landesregierung und Landschaftsverbänden

Nach vielen Gesprächen ist eines klar: Eine vielfältige Landwirtschaft sorgt für eine vielfältige Natur. Ein gemeinsam erstelltes Leitbild für die Landwirtschaft soll den ökologischen Anbau fördern und den Einsatz von Pestiziden minimieren. Folgende Maßnahmen wurden hierfür gemeinsam festgelegt: 

  1. 40 bis 50% weniger chemisch-synthetische Pestizide bis 2030
  2. Ausbau der Öko-Landwirtschaft auf 30 bis 40% der Flächen bis 2030
  3. Verbot aller Pestizide in Naturschutzgebieten
  4. Schutz der Streuobstbestände
  5. Ausbau des Biotopverbundes auf 15% der Landesfläche
  6. Verbot von Pestiziden für Privatgärtner
  7. 62 Millionen Euro zusätzlich vom Land in den nächsten zwei Jahren für den Artenschutz