Veröffentlicht am 31.03.2022 um 14:18 Uhr

Text: Antje Sommerkamp

Wildbienen im Garten

Die fleißigen Verwandten der Honigbiene – unsere Wildbienen – bestäuben zahlreiche Kultur und Wildpflanzen – auch unser Obst und Gemüse im Garten. Dabei ist ihre Effizienz ungleich höher als bei anderen Insekten. Ohne die „wild“ lebenden Bienen würden unsere jährlichen Ernten viel geringer ausfallen. Doch ist in den vergangenen Jahrzehnten ein alarmierender Rückgang bei unseren ca. 560 heimischen Arten zu beobachten. Ursache ist die Zerstörung ihrer Lebensräume und damit das Fehlen von Nistmöglichkeiten und Nahrungsquellen. Weitreichende Schutzmaßnahmen sind dringend notwendig. Aber auch jeder Einzelne von uns kann die äußerst friedfertigen Nützlinge im eigenen Garten oder auf dem Balkon erfolgreich fördern, kennenlernen und beobachten.

Wildbienen ganz nah - Nisthilfen machen's möglich

Die richtigen Nisthilfen für Wildbienen

Sogenannte Insektenhotels erfreuen sich im Garten und auf Terrasse und Balkon immer größerer Beliebtheit. Sie sehen hübsch aus und unterstützen unsere nützlichen Bestäuber. Doch viele der im Baumarkt oder Discounter verkauften oder auch selbstgebauten Nisthilfen sind fehlerhaft gebaut und schaden mehr als sie nützen. Und was viele nicht wissen: Sie dienen den Wildbienen nicht als Wohnung, sondern als Kinderstube für ihre Larven. Nach der Eiablage entwickelt sich darin selbstständig die neue Wildbienen-Generation. 

Mehr als die Hälfte unserer heimischen Wildbienen sind Erdnister

Natürliche Nistplätze für Wildbienen werden immer knapper. Im naturnahen Garten können wir den verschiedenen Arten helfen, ihren Nachwuchs sicherzustellen. Mehr als die Hälfte unserer heimischen Wildbienen sind Erdnister wie die Sandbiene oder die Blattschneiderbiene, das heißt, sie legen ihre Eier in Bruthöhlen im Boden. Viele bevorzugen sandigen Untergrund. Halten Sie für sie unbewachsene sonnige Sandflächen in einer ungestörten Ecke im Garten bereit. Auch sandige Pflasterfugen werden angenommen.

Unser Tipp

Nisthilfen für Bodennister

Weil sie für ihren Nachwuchs unterirdische Hohlräume nutzen und ihre Eier im Erdboden ablegen, haben über die Hälfte unserer Wilbienen von den klassischen Nisthilfen leider nichts. Doch mit diesen drei Nisthilfen laden Sie auch die Erdnister unter den summenden Gartenbewohnern zu sich ein.

Die zweitgrößte Gruppe sind die Hohlraum-Nister wie etwa Mauerbienen. Sie nutzen hohle Pflanzenstängel, Spalten zwischen Steinen oder künstliche Nisthilfen wie Holzklötze mit Bohrlöchern, hohle Bambus- oder Schilfröhren oder Lochziegel zur Eiablage. Andere Arten nisten in morschem Holz oder besiedeln stehengebliebene markhaltige Stängel, zum Beispiel von Königskerze oder Brombeere. Der Wildbienen-Nachwuchs schlüpft meist erst im folgenden Frühjahr. Wenige erwachsene Tiere nutzen die Nisthilfen auch als Schlafplatz oder zur Überwinterung; für die meisten ist ihre Lebenszeit nach der Eiablage beendet. Nistende Wildbienen bleiben im Garten meistens völlig unbemerkt; die friedfertigen Nützlinge stören keineswegs. Wichtig: Die Nisthilfen müssen unbedingt das ganze Jahr draußen bleiben und müssen nicht gereinigt werden.

Die zweitgrößte Gruppe sind die Hohlraum-Nister wie etwa Mauerbienen

Die häufigsten Fehler bei Nisthilfen

Holzklötze mit Bohrlöchern

Falsch ist es, ins Stirnholz (also in Wuchsrichtung) zu bohren, denn so bilden sich Risse, in die Feuchtigkeit eindringt, was die Brut verschimmeln lässt. 
Richtig ist es, glattwandige Gänge (5–10 cm lang, Ø 2–9 mm) ins Längsholz zu bohren, also in die Rindenseite senkrecht zur Maserung.

Hohle Bambus- oder Schilfrohre

Die hohlen Röhren müssen waagerecht liegen und glatte Wände aufweisen. Sind die Eingänge von den Röhren splissig, können sich die Bienen beim Rein- und Rauskrabbeln die Flügel abreißen. Mit Schmirgelpapier lassen sich rissige Stellen glätten.

Beobachtungskästen, durch die man den Bau der Brutzellen und die Entwicklung der Larven miterleben kann, sind sehr beliebt. Richtig ist es, dazu Kästen aus Holz zu verwenden, in die keine Feuchtigkeit eindringen kann. Falsch ist es, Röhren aus Plexiglas oder Kunstglas zu nutzen, denn darin verschimmelt die Brut.

Ziegel

Falsch ist es, Lochziegel mit viel zu großen Hohlräumen aufzustellen. Sie werden nicht besiedelt, sondern können höchstens als Halterung für hohle Bambusröhren dienen. Richtig ist es, spezielle Lochziegel aus dem Fachhandel mit verschieden großen Hohlräumen als Nisthilfen zu verwenden.
Zapfen, Watte: Hier nisten keine Wildbienen!

Unser Tipp

Häufige Fehler beim Nisthilfenbau

Selbstgebaute Bienenhotels und Nisthilfen sollen Wildbienen als Kinderstube dienen. Doch damit Bienen die angebotenen Behausungen wirklich nutzen können und sich nicht verletzen, gilt es einiges zu beachten. Hier finden Sie die gängigsten Fehler beim Bau von Nisthilfen und erfahren, wie man sie vermeiden kann.

Gute Idee

Spärlich bewachsene Sandböden sind für Wildbienen, die ihre Nisthöhlen in den Boden bauen, ideal. Denkbar ist ein schmaler, 2–3 m langer Streifen entlang eines Beetes. Auch sandgefüllte Fugen zwischen Pflastersteinen oder ein von Bewuchs frei gehaltenes Hoch- oder Hügelbeet mit ungewaschenem Natursand mit feiner Körnung und etwas Erde wird zur Kinderstube. Staunässe und Wassermulden vermeiden
In morsches Holz wie aufgestapelte, trocken lagernde und mindestens 10 cm dicke Äste oder in abgestorbene morsche Baumstämme in sonniger Lage nagen manche Arten ihre Brutgänge. Beliebt ist Holz von Obstbäumen

unterschiedliche Wildbienen-Nester
Unser Tipp

Kinderstube der Wildbienen

Je nach Art brauchen Wildbienen unterschiedliche Nistplätze. Welche Ansprüche haben verschiedene Bienen an ihre Brutstätte und wo fühlen sie sich am wohlsten?

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