1. Was macht guten Honig aus? 

Honig gehört in vielen Ländern der Erde seit Jahrhunderten zur Volksmedizin. Das weist darauf hin, dass Honig gesundheitsfördernde Bestandteile enthält, die schon sehr früh von unseren Vorfahren erkannt worden sind, ohne dass man aber genau wusste, um welche Substanzen es sich wirklich handelte. Vor dem Hintergrund der heutigen analytischen Möglichkeiten kann man versuchen, diese Bestandteile zu identifizieren. Es sind Enzymsysteme, sogenannte Inhibine, die desinfizierende, antimikrobielle Wirkungen entfalten. Dabei spielen die Zuckersysteme mit ihren osmotischen Wirkungen eine wichtige Rolle. Honig wirkt sich auch sehr positiv auf unseren Energiehaushalt und das Lebensgefühl aus. Honig enthält zudem wichtige Spurenelemente, er ist aber kein Vitaminspender - das wäre der Blütenpollen, ein anderes hoch interessantes Bienenprodukt. 

2. Welche Faktoren beeinflussen die Qualität des Honigs? 

Honig gilt als ein Lebensmittel, das bei optimaler Lagerung als nahezu unbegrenzt haltbar angesehen wird. Man kennt mittlerweile die Faktoren, die einen negativen Einfluss auf die Qualität haben. Honig ist hygroskopisch, er versucht, aus der Umgebungsluft Feuchtigkeit aufzunehmen, verdünnt sich praktisch selbstständig und beginnt dann zu gären. Ein dichtschließendes Gefäß verhindert dies. Honiginhaltsstoffe reagieren außerdem empfindlich auf Licht, deshalb ist die Lagerung im Dunkeln wichtig. Ein entscheidender Einflussfaktor ist Wärme, die über die Temperatur im Bienenstock (max. 36 °C) hinausgeht. Dann werden die gesundheitlich relevanten Enzymsysteme zerstört. Zusammenfassend kann man also dem Honigfreund empfehlen: Honiggläser trocken, kühl und dunkel lagern. Der Kühlschrank wäre somit ein optimaler Lagerort.

3. Welche Rückstände sind im Honig zu finden und woher kommen sie? Was sind vertretbare Werte? 

Honig hat schon immer als eines der saubersten Lebensmittel gegolten. Das liegt daran, dass die Bienenvölker den Honig ja als Wintervorrat sehen und entsprechend bearbeiten. Je sauberer der Honig ist, umso gefahrloser kann auch eine lange Winterzeit gesund überstanden werden. Dementsprechend haben Bienenvölker im Laufe der vergangenen Jahrtausende effektive Reinigungsmechanismen entwickelt, die sogar beim Großteil der modernen Pflanzenschutzmittel funktionieren. Will man Pflanzenschutzmittel-Rückstände im Honig nachweisen, dann wird man sich bei vielen Honigsorten „die Zähne ausbeißen“, das heißt selbst mit den heutigen extrem niedrigen analytischen Nachweisgrenzen keine messbaren Rückstandsgehalte finden. Es gibt allerdings Ausnahmen! Das sind zum Beispiel der Rapshonig oder Honige aus Intensiv-Obstkulturen, bei denen Blütenspritzmaßnahmen durchgeführt werden müssen, gegen Schadorganismen, die versuchen über die Blüten in die Wirtspflanze einzudringen. Dort kann es zu messbaren Rückstandswerten im Spurenbereich kommen.

In der EU haben wir mittlerweile einheitliche Höchstwerte für derartige Rückstände in Lebensmitteln. Die Messwerte in unseren einheimsichen Honigen liegen in der Regel deutlich unter den gesetzlich festgelegten Höchstmengen. Aufgrund der geringen Verzehrmenge von Honig pro Tag können solche Nachweise auch als irrelevant angesehen werden. Das gilt mittlerweile auch für die Bekämpfungsmittel der Imker, die gegen eine eingeschleppte Milbe (Varroamilbe) eingesetzt werden müssen. Hier hat sich ein dramatischer Wandel vollzogen. Imker nehmen heute quasi Honiginhaltsstoffe (organische Säuren) für diese Bekämpfungsmaßnahmen. Andere Substanzgruppen, wie die klassischen Akarizide, die es auch im Pflanzenschutz gibt, sind dagegen stark in den Hintergrund gedrängt worden. 

4. Was hat sich in den letzten Jahrzehnten bei Bienenhaltung und Honiggewinnung verändert? 

In den letzten beiden Jahrzehnten ist eigentlich nicht mehr viel Entscheidendes passiert. Davor allerdings schon. Bienenvölker werden heute in modernen Bienenkästen aus unbehandeltem Holz, sogenannten Magazinbeuten, gehalten. Der Zeitaufwand pro Bienenvolk und damit auch die Störung der Völker hat sich deutlich verkürzt. Die Bienenvölker stehen im Freien und nicht mehr in dunklen Bienenhäusern. Die Werkzeuge sind mittlerweile aus Edelstahl, das gilt auch für die Honigschleudern und Siebe. Auch bei der Langzeitlagerung legt man inzwischen großen Wert auf lebensmittelechte Lagergefäße. 

5. Wie sieht die zukünftige Bienenhaltung aus? 

Da driften die unterschiedlichen Sichtweisen weit auseinander. Wichtig ist, dass es den Bienenvölkern gut geht. Eine auf das Notwendige reduzierte Betreuung ist wichtig, man darf die Bienenvölker aber nicht ganz sich selbst überlassen, sonst gehen sie früher oder später ein. Das heißt den Bienenvölkern eine Heimat zu bieten, so wie man es mit Vogelnistkästen machen kann, funktioniert bei Honigbienen nicht. Ein Mindestmaß an imkerlichen Kenntnissen und ein instinktives Gefühl für die aktuelle Versorgungssituation sind absolut notwendig. 

6. Was halten Sie vom Imkern auf den Dächern der Städte? 

Das kommt sicher auf den Einzelfall an. Wie hoch und wie windig ist es und vor allem, wie heiß wird es dort. Wenn es keine anderen Möglichkeiten gibt, kann man sicher auch ein Dach entsprechend gestalten. Auch hier ist imkerliche Erfahrung kein Fehler. Wenn als Alternative nur ein dunkler und kalter Hinterhof zur Verfügung steht, ist das Dach deutlich besser. Dachimkerei muss sicher teilweise auch als Effekthascherei angesehen werden. Die Bienen müssen von den Dächern, vielleicht sogar von Hochhäusern runter in die Vegetation der Gärten fliegen und wieder zurück. Dann kann man ihnen doch entgegenkommen und sie gleich unten aufstellen. 

7. Welche drei Hauptursachen sehen Sie für das Honigbienensterben? 

Der Begriff Bienensterben wurde nie sachlich definiert. Neben den Honigbienen gibt es bei uns noch über 550, vielen Menschen meist unbekannte, andere Bienenarten. Allen ist gemeinsam, dass sie von Frühjahr bis Herbst auf blühende Pflanzen angewiesen sind. Hier gibt es die großen Probleme. Es sind die Versorgungslücken die mittlerweile den hochspezialisierten Bienenarten, die ja häufig nur wenige Wochen im Jahr auftreten, Schwierigkeiten bereiten. Heute fehlen beispielsweise die bunt blühenden artenreichen Heuwiesen. 
Honigbienen haben als einzige Bienenart einen Betreuer, den Imker. Dementsprechend ist diese Bienenart die am wenigsten gefährdete, obwohl die Bevölkerung und die politischen Entscheidungsträger es anders vermittelt bekommen haben. Unsere Honigbiene ist gefährdet, wenn ihnen der Imker nicht hilft. Sie wäre, ohne dessen Hilfe, als eine der ersten Bienenarten bereits vor vielen Jahrzehnten ausgestorben - im Übrigen vor der Erfindung der chemischen Pflanzenschutzmittel und der Einschleppung verschiedener Bienenkrankheiten und Parasiten. 

8. Welche Produkte verdanken wir den Honigbienen noch? 

Es gibt das Bienenwachs, ein Stoffwechselprodukt der Honigbienen. Das entsteht, wenn Bienen Pollen und Nektar verarbeiten. Bienenwachs ist wichtig zur Herstellung vieler pharmazeutischer Produkte aber auch zum Beispiel für die Bienenwachskerzen, die besonders in der Weihnachtszeit sehr beliebt sind.
Dann sind Blütenpollen aufgrund ihres hohen Vitamin und Aminosäuren, also Eiweißgehalte, hoch interessant. Sämtliche essentiellen Aminosäuren und ein Großteil der Vitamine, die der Mensch über die Nahrung zu sich nehmen muss sind darin enthalten.
Als letztes bedeutendes Bienenprodukt kann das Propolis angesehen werden. Die Bienen sammeln dafür die harzigen Überzüge von Baumknospen und übertragen die desinfizierenden Eigenschaften auf sämtliche Oberflächen im Bienenstock. Man vermutet, dass unter anderem darauf die Tatsache beruht, dass 40.000 Bienen freiwillig dicht gedrängt im Bienenstock leben können, ohne krank zu werden. Propolistinkturen gehören ebenfalls zur Volksmedizin und eine Vielzahl von Berichten erläutern die Eigenschaften dieses Bienenprodukts. Eher ein Schattendasein führt das Gelee Royal, der Königinnenfuttersaft, der dazu führt, dass die Bienenkönigin vier Jahre lang leben kann. Eine Arbeitsbiene lebt im Sommer dagegen nur etwa vier Wochen. Gelee Royal kann als ein Vitamin und Aminosäurekonzentrat angesehen werden.  

9. Welchen Einfluss haben Pflanzenschutzmittel auf Honig und auf die Honigbienen selbst? 

Ein Großteil unserer einheimischen Honigsorten ist frei von messbaren Pflanzenschutzmittel-Rückständen, weil die Nektar- oder Honigtau-Quellen damit nicht behandelt werden und es damit gar keine Exposition gibt. Ich denke da zum Beispiel an den Kastanienhonig, den Robinien- oder Lindenhonig oder die dunklen Wald- oder Tannenhonige. Die Bäume, die die Bienen befliegen, werden nicht mit Pflanzenschutzmitteln behandelt. Dies gilt auch für andere Honigsorten, wie den Löwenzahn- oder Heidehonig. Weder die sammelnden Bienen noch der entstehende Honig werden mit Wirkstoffen konfrontiert. Nur dort, wo Pflanzenschutzmittel in blühenden Kulturen zum Einsatz kommen, haben die Blütenbesucher Kontakt damit und sammeln ggf. auch Wirkstoff-belasteten Nektar ein. Deshalb dürfen in solchen Fällen nur bienenungefährlich eingestufte Pflanzenschutzmittel eingesetzt werden. Diese Präparate wurden vor ihrer Zulassung für die landwirtschaftliche Praxis in umfangreichen Studien getestet. Wenn sich der Landwirt an die Gebrauchsanweisung hält, wird den Bienen nichts passieren. Allerdings tragen sie zum Beispiel wirkstoffbelasteten Nektar aus Raps- oder Obstblüten nach Hause. Erstaunlicherweise können Bienen bei der Honigbereitung den Wirkstoffgehalt vieler Substanzen drastisch reduzieren. Das heißt die Wirkstoffkonzentration, die Bienen im Nektar von behandelten Blüten vorfinden ist wesentlich höher als der später im geernteten Honig auftretende Wert. Wirkstoffe wandern aus dem Sammelgut in das Körpergewebe der Bienen ein und werden so dem Nektar entzogen. Bei der Lagerung in den Zellen der Honigwaben wandern zusätzlich Wirkstoffe in das Bienenwachs, so dass der Wirkstoffgehalt im entstehenden Honig weiter reduziert wird. Allerdings spielen hier der chemische Charakter der Wirkstoffe und die in einer Kultur eingesetzte Wirkstoffmenge eine große Rolle. Pflanzenschutzmittel, die für Blütenanwendungen zugelassen sind werden also den Bienen nicht schaden, sondern können die Qualität und das Image des entsprechenden Honigs gefährden – im Spurenbereich, also im Bereich von wenigen Mikrogramm Wirkstoff pro Kilogramm Honig.
Anders sieht es aus, wenn versehentlich ein bienengefährlicher Wirkstoff zum Einsatz gekommen ist. Dann werden die Sammlerinnen geschädigt und der Nektarstrom in das Bienenvolk kommt zum Erliegen. Damit kommt auch kein zusätzlicher Wirkstoff mehr ins Bienenvolk. Bei einer starken Schädigung des Volkes kann kein Honig produziert oder geerntet werden. Deshalb ist die Suche nach bienengefährlich eingestuften Pflanzenschutzmitteln in unseren einheimischen Honigen in der Regel ergebnislos.

10. Warum sind Bienen so wichtig für uns Menschen?

Alle Bienenarten, insgesamt sollen es bei uns etwa 550 Arten sein, sind Vegetarier. Sie ernähren sich von Nektar und Blütenstaub und zwar von den Pflanzen, die Blütenbesucher anlocken, um bestäubt zu werden. Dabei haben sie die Pflanzenwelt untereinander aufgeteilt, so dass nicht jede Bienenart auch jede Pflanze besucht. Alle Bienenarten sichern damit die Fortpflanzung dieser Kräuter, Stauden, Sträucher und Bäume. Da sich darunter auch wichtige Kulturpflanzen befinden, die wir Menschen für unsere Ernährung brauchen, sind wir quasi abhängig von der Bestäubungsleistung der Bienen. Aber nicht nur wir, sondern auch viele Wildtiere, die von Früchten, Beeren oder anderen Pflanzenteilen leben. Und dann nehmen diese Bienen noch eine weitere Funktion ein. Sie werden von anderen gefressen und sind damit wichtiger Teil der Nahrungskette. Ein Honigbienenvolk verliert während der Vegetationszeit etwa 1000 bis 1500 Bienen pro Tag. Sie werden ersetzt durch schlüpfende Jungbienen. Das ist von der Natur so geplant. Die Bienen haben ein sogenanntes Hygieneverhalten, das heißt sie wollen nicht im Bienenstock sterben, sondern wissen instinktiv, wenn ihre Lebensuhr abgelaufen ist. Dann fliegen sie vom Bienenstock weg und werden irgendwo von Spinnen, Vögeln Fröschen oder größeren Insekten gefressen. Hochgerechnet sind es etwa 150 Tonnen Bienenfleisch, die die einheimische Imkerei der Natur nach dem Gießkannenprinzip zur Verfügung stellt. Allein aus diesem Grund, sollte man den einheimischen Honig vom Imker den Importhonigen vorziehen.

#beebetter-Jury

Dr. Klaus Wallner

Warum Dr. Klaus Wallner der Bienenschutz am Herzen liegt, weshalb er die Initiative #beebetter unterstützt und was er tut, um Bienen zu helfen, erfahren Sie in seiner Vorstellung als Mitglied der beebetter-Jury.