Mit dem Frühling zeigen sich die ersten zarten Knospen sowie das erste Grün und die ersten blumigen Düfte ziehen durch die Luft. Nicht nur wir Menschen freuen uns über die Blüten, die Augen und Nase gleichermaßen betören, auch viele Tiere erwarten das Erwachen der Natur sehnsüchtig. Ganz besonders die Bienen. Sie fliegen trotz der noch etwas frischen Temperaturen aus ihrem Stock und bestäuben alles, was blüht: Obstbäume, Nutzpflanzen und Gemüsesorten.

Bienen als Bindeglied der Natur

Der Nutzen der Bienen geht weit über die Gewinnung von Honig hinaus. Möglicherweise trugen sie dazu bei, dass sich vor 100 Millionen Jahren insektenbestäubte Pflanzen gegenüber den Zapfenträgern (Koniferen) durchsetzten und sich zur artenreichsten aller Pflanzengruppen entwickelten. Man sagt im Allgemeinen, dass sich alle bunten und duftenden Gewächse durch Insekten und alle trockenen und unscheinbaren durch den Wind fortpflanzen. Bienen fungieren dabei als Bote zwischen den Blühern, deren Pollen der Wind eben nicht mit sich tragen kann. Sie brauchen die Bienen zur Vermehrung und diese freuen sich gleichzeitig über Nahrung. Denn die Pflanzen locken das sechsbeinige Insekt an, indem sie süßen Nektar produzieren. Die Biene trinkt diesen, fliegt weiter zur nächsten Blüte, nimmt dabei in ihrem Pelz Pollen mit und befruchtet so ganz nebenbei Blumen und Bäume auf der Suche nach Nahrung. Ein Kreislauf, in dem jeder jeden braucht. Doch Bienen dienen nicht nur der Pflanzenvielfalt: Ein Drittel aller Lebensmittel, die wir essen, gäbe es nicht ohne ihre Bestäubung.

Die Rolle der Bienen

Die meisten Getreidesorten wie Weizen, Reis und Mais werden zwar mithilfe des Windes befruchtet, aber knapp 80 Prozent der Nutzpflanzen gibt es nur durch die Mithilfe der Honig- und Wildbienen. Darüber hinaus wirken sie dabei mit, das ökologische System aufrechtzuerhalten. Könnten sich Wildgewächse nicht fortpflanzen, würden Nahrung und Wohnstätten für viele Tiere fehlen. Denn ohne Bienen keine Pflanzen, ohne Pflanzen keine Samen, ohne Samen weniger Kleinlebewesen, ohne diese weniger Vögel und so weiter. Zwar sind die pelzigen Flieger nicht die einzigen Bestäuber, auch Schmetterlinge, Käfer und Vögel helfen mit, aber vor allem in Europa kommt ihnen die wichtigste Rolle zu. Leider führt eine Landwirtschaft mit Monokulturen und dem Einsatz von Chemikalien zu einem vermehrten Bienensterben, das seit ein paar Jahren immer offensichtlicher wird. Erfreulicherweise kann aber jeder Gartenbesitzer zumindest für Wildbienen einen passenden Lebensraum schaffen: Mit bestimmten Sträuchern und Stauden, naturbelassenen Ecken oder Nistmöglichkeiten aus Holz und Zweigen lockt man die summenden Tiere aufs Grundstück. Und leistet so einen kleinen Beitrag zur wichtigen Rolle der Bienen im Naturkreislauf.

Bienentänze

Karl von Frisch, österreichischer Verhaltensforscher und Professor für Zoologie an der Universität München, bekam 1973 für die Entdeckung der Bienentänze, einer der „Bienensprachen“, den Nobelpreis verliehen. Mit zwei Tänzen teilen die Insekten ihren Artgenossen im Stock mit, in welcher Entfernung und Richtung die Nahrung liegt. Beim Rundtanz befindet sich die Futterstelle (ohne Richtungsangabe) im näheren Umkreis, bis 100 m entfernt. Beim komplizierteren Schwänzeltanz, der sich aus einer geraden Strecke und Halbkreisen zusammensetzt, ist die Nahrung weiter entfernt. Die Richtung der geraden Strecke entspricht der Richtung der Futterquelle. Der Winkel, den die gerade Strecke zur Senkrechten bildet, gibt den Winkel an, den die Flugrichtung mit dem Stand der Sonne bildet. Je schneller geschwänzelt wird, umso näher ist die Quelle. Das kleine Gehirn der Bienen ist sogar in der Lage, Entscheidungen zu treffen und Futterstellen nach Qualität zu bewerten.