Projektbeschreibung

Das Projekt "Garten für alle" findet seit 2016 jedes Semester statt. Der circa 80 Quadratmeter kleine Garten ist, auch aufgrund der wechselnden Teilnehmer, einer stetigen Veränderung unterworfen, was ja vielleicht auch einen solchen Kleingarten ausmacht. Die Teilnehmer entscheiden zu Beginn eines jeden Semesters, welche Ideen sie im Garten umsetzen wollen. In diesem Sommersemester (März bis August) standen "blühende Beete", "Natur schützen und hegen" und "bienenfreundlicher Garten" im Fokus der Studierenden.

Es beteiligten sich 15 Studierende aus allen drei Fakultäten der Hochschule an dem Seminar, viele brachten wenige bis gar keine Garten-Erfahrungen mit. Einmal in der Woche trafen sich alle Teilnehmer zum gemeinsamen Gärtnern (selbstverständlich pestizidfrei) und diskutierten dabei auch über aktuelle Themen. Ein Gießplan sorgt dafür, dass die Pflanzen auch bei anhaltender Trockenheit nicht schlapp machen.

Stand der Dinge

Die Teilnehmer haben in diesem Semester die Kräuterspirale (aus ausrangierten lose gestapelten Backsteinen) neu bepflanzt und bei der Auswahl der Kräuter auch an die (Wild-)Bienen gedacht, so wächst dort neben dem Lavendel, u.a. auch Koriander, Thymian, Minze, Kamille und Salbei. Generell achten die Studierenden auf eine große Vielfalt im Garten, trotz der kleinen Fläche. Und wir lassen auch gerne ein paar Radieschen in die Saat schießen, um uns dann auch an den kleinen Blüten zu erfreuen. Gut die Häfte des Garten hat geblüht; neben Büschelschön, Ringelblumen, Stockrosen, Löwenmaul und Allium, fanden sich auch Klatschmohn, Inkarant-Klee und Wildblumen, deren Namen uns bisher noch unbekannt sind. Im Gemüsegarten gediehen Möhren, Zucchini, Kürbis, Kartoffeln, Erbsen, Fenchel und Tomaten. Als Zwischendünger dient blauer Lein.

Die Studierenden haben zudem kleine Nisthilfen gebaut (Bambusstäbe in Tassen), diese finden sich am Apfelbaum und am Hochbeet. An geschützter Stelle befindet sich eine Nisthilfe mit Regenschutz, die aus einem alten Holzstamm gefertigt wurde. In unserem Garten finden sich auch Obstbäume, Beerensträucher und eine Wasserschale, sowie Backsteinhaufen, die Tieren als Unterschlupf dienen.

Dank dieser Aktivitäten konnten die Studierenden bereits etliche Bienen und Hummeln im Garten beobachten und auch einige Schmetterlinge wurden schon gesichtet. Im Vergleich zu den Vorjahren hat sich durch die gezielte Anpflanzung von bienenfreundlichen Blumen und Kräutern die Anzahl der Wild-Bienen deutlich erhöht. Und das Summen und Brummen klingt wirklich herrlich.

Die bisher gewonnenen Erkenntnisse möchten die Studierenden weitergeben, daher sammelten sie fleißig das Saatgut der Ringelblumen, Stockrosen, etc., stellten Saatbomben her und zogen auf den eigenen Balkonen und Fensterbänken Planzen groß. Saatgut und Saatbomben, sowie selbst gezogene Pflanzen wurden Anfang Juli im Rahmen der Jahresausstellung, zusammen mit Informationen zum bienenfreundlichen Gärtnern an Interessierte weitergegeben.

Weitere Vorhaben

Auch im Wintersemester geht die Arbeit im Garten für alle weiter, diesmal unter dem Motto "Time for plan bee". Dabei entstehen u.a. Nisthilfen für Wildbienen, die auch auf dem Campus der Hochschule aufgestellt werden. Zudem haben wurde eine Aktion gestartet, die jedem Abschlussjahrgang das Pflanzen eines Obstbaumes auf dem Campus ermöglicht.

Sabrina Lampe - So geht's weiter

Sabrina Lampe, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Studiengang Architektur und Mitverantwortliche für das Gartenprojekt, erzählt uns, was der #beebetter-Gewinn für das Projekt bedeutet und wie es mit dem Garten für alle weitergeht.

Als Gewinner der Kategorie "Jugend und Bildung" erhalten die Fidis ein zweckgebundenes Preisgeld in Höhe von 1.000 Euro und einen Bienenkoffer im Wert von über 700 €. Steht bereits fest, wofür das Preisgeld verwendet werden soll? 

Wir werden das Preisgeld in jedem Fall zweckgebunden, für den Schutz der Wildbienen verwenden. Einen detaillierten Finanzierungsplan haben wir noch nicht aufgestellt. Wir haben, um ehrlich zu sein, gar nicht mit einem Preis gerechnet und sind daher noch mitten in den Planungen.

Können Sie etwas mit dem Bienenkoffer anfangen?

Der Koffer ist großartig und bietet eine ganze Reihe interessanter Materialien, die für die Auseinandersetzung mit dem Thema sehr hilfreich sind. Dabei bieten die Materialien einerseits die Möglichkeit, sich auf kreative-spielerische Art Wissen zu erschließen, dank der Arbeitsblätter und den vielen Methodenkarten aber auch gute Möglichkeiten, das Erlernte zu festigen. Wirklich sehr spannend. Und wer glaubt, dass das Forscherequipment nur etwas für Kinder ist, der täuscht sich, der Koffer weckt auch den Forscherdrang der Erwachsenen.

Wir können uns gut vorstellen, dass unsere Studierenden zusammen mit den Kindern der Campus-Kita Wellenreiter, die sich auf unserem Hochschulcampus befindet, einen gemeinsamen Projekttag zum Thema WildBienen durchführen. Dabei wird der Bienenkoffer eine große Hilfe sein.

Welche neuen Ideen, Vorhaben oder Pläne gibt es derzeit für Ihre Initiative?

In unserem „Garten für alle“ summte und brummte es diesen Sommer schon ordentlich, unser nächstes Ziel ist es aber, unseren Garten und auch das Gelände drumherum für Wild- und Honigbienen noch attraktiver zu gestalten, den Insekten mehr Nist- und Brutmöglichkeiten zu bieten und auch im Winter ein Nahrungsangebot zu gewährleisten. Dafür werden wir noch mehr bienen-/insektenfreundliche Pflanzen, Stauden sowie blühende Bäume und Sträucher anpflanzen.

Auf dem Campus der Hochschule Wismar findet man in erster Linie gepflegte Grünflächen, die Insekten weder Nahrung noch Nistmöglichkeiten bieten. Auch hier wollen wir uns für mehr Artenvielfalt einsetzen, Rasenflächen in Wildblumenwiesen umwandeln und uns dafür stark machen, dass blühende Bäume, vorrangig Streuobstbäume, angepflanzt werden.

Welche Projekte und Ideen sollen als nächstes umgesetzt werden?

Wir nutzen die Wintermonate, um verschiedenste Insektenhotels zu bauen, die nicht nur im „Garten für alle“ einen Platz finden sollen. Die Kinder der Campus-Kita Wellenreiter, würden sich über ein Insektenhotel freuen und auch auf dem Campus selbst wollen wir einige aufstellen. Zusammen mit den teilnehmenden Studierenden und den Kita-Kindern werden wir einen Projekttag zum Thema WildBienen veranstalten und mithilfe des Bienenkoffers auch bei den Kleinsten das Verständnis für Bienen fördern.
Bei einem Bio-Imker wollen wir uns über die wesensgemäße Bienenhaltung informieren und mehr über die ökologischen Gesichtspunkte des Imkerns erfahren, um selbst noch mehr über das Thema zu erfahren.

Was hat sich seit Ihrer Bewerbung bei #beebetter alles getan, was hat sich seither vielleicht verändert? 

Es fand eine noch stärkere Auseinandersetzung und intensivere Beschäftigung mit dem Thema statt.

Die #beebetter-Webseite und der Facebook-Kanal bieten wirklich hilfreiche Tipps und geben jede Menge Anregungen. Die Projekte und Initiativen der anderen #beebetter-Award-Preisträger sind eine große Inspiration und Motivation für uns. 

Wie haben die Menschen aus Ihrem Umfeld auf den #beebetter-Award reagiert?

Wir selbst waren unglaublich überrascht von der Platzierung und der Auszeichnung, unser Umfeld hat sehr begeistert reagiert. Es gab viele Interessierte, die nun ganz genau wissen wollten, wie wir den WildBienen helfen.

Konnten Sie weitere Mitstreiter für Ihre Sache und für den Bienenschutz gewinnen?

Es ist wirklich ganz spannend, was sich da in den letzten Wochen ergeben hat. Einige sind neugierig geworden und aus dieser Neugierde entwickelte sich ganz schnell eine Begeisterung und der Wunsch, selbst aktiv zu werden, mitzumachen und etwas zur Artenvielfalt, Biodiversität und dem Schutz von WildBienen beizutragen. Bei den Jugendlichen merkt man ganz schnell, dass keine große Überzeugungsarbeit notwendig ist, für die ist es fast eine Selbstverständlichkeit, ökologisch und nachhaltig zu gärtnern, bei der Auswahl der Pflanzen und des Saatguts auf regionale Sorten in Bioqualität zurückzugreifen, Saatgut zu sammeln, Insektenhotels aufzustellen. Es ist großartig zu sehen, wie der Kreis der Aktiven immer größer wird.   

Haben Sie die #beebetter-Auszeichnung im kleinen Rahmen ordentlich gefeiert?

Ein ganz klein wenig, aber viel wichtiger war es uns, zu überlegen, wie es weitergehen kann, wie wir unsere Ideen weiterentwickeln und nach außen tragen können.

Konnten Sie durch #beebetter bereits neue Kontakte mit anderen Bienenhelfern knüpfen?

Ja, tatsächlich. Es haben sich Gespräche und Kontakte zu Bienenfreunden aufgetan, die wiederum Kontakt zu Imkern haben und gemeinsam spinnen wir bereits neue Ideen.

Haben sich dadurch Ideen für mögliche Kooperationen oder neue Bienenprojekte ergeben?

Durchaus, diese sind aber noch nicht zu Ende durchdacht. Aber es bahnen sich Zusammenarbeiten an, die in den nächsten Tagen oder Wochen konkretisiert werden. Es gab bereits erste Gespräche mit Imkern, die sich gemeinsame Projekte sehr gut vorstellen können. Auch innerhalb der Hochschule haben sich neue Kontakte ergeben, auch hier gibt es viele Bienenfreunde, die ich erst durch unsere Platzierung beim #beebetter-Award kennengelernt habe.

Was erhoffen Sie sich für den "Garten für alle" und für den Bienenschutz in der Zukunft?

In erster Linie eine größere Aufmerksamkeit und ein größeres Bewusstsein für WildBienen und deren Schutz, mehr Engagement, mehr Mitstreiter und viele Nachahmer. Aber auch, dass die Menschen eigene Projekte initiieren und sich aktiv für den Bienenschutz einsetzen. Für unser „Garten für alle“-Projekt erhoffe ich mir, dass sich auch zukünftig junge Menschen für die Artenvielfalt stark machen und sich aktiv dafür einsetzen, dass es überall summt und brummt.   

Weitere Infos

Garten für alle an der HS Wismar

Die Hochschule Wismar arbeitet eng vernetzt mit Wissenschaftseinrichtungen und Wirtschaftspartnern in der Region und rund um den Globus. Das eröffnet Raum für neue Themenfelder, Blickwinkel und Kooperationen. Unter der Rubrik "Projekte" veröffentlicht Sabrina Lampe jedes Semester eine Zusammenfassung unserer Gartenaktivitäten.