Veröffentlicht am 07.10.2022 um 15:46 Uhr

Das Projekt - kurz & knackig

Die Grüne Schule ist seit 1998 im Bereich Umweltbildung im Luisenpark und seit fünf Jahren auch im Herzogenriedpark aktiv. Ein Schwerpunkt der Einrichtung liegt in der Vermittlung von Wissen über Insekten. Menschen aller Altersstufen haben im Rahmen vielfältiger Veranstaltungen die Möglichkeit, ein besseres Verständnis für die Lebensweisen und Bedürfnisse dieser Tiergruppe zu gewinnen. In den letzten Jahren liegt ein bedeutender Fokus des Teams und seiner Tätigkeit darin, Biodiversitätsprojekte für Insekten, insbesondere für Wildbienen zu entwickeln und umzusetzen.

Die Wissensvermittlung in Bezug auf die Lebenswelt und die Bedeutung von Insekten geht Hand in Hand mit der gärtnerischen Gestaltung. Wildbienen dienen dabei als sympathische wie schützenswerte Vertreter ihrer Klasse. In den letzten Jahren hat das Team der Grünen Schule einige beeindruckende Bienenprojekte umgesetzt. Mit ausgewählten heimischen Pflanzen und Nisthilfen unterschiedlichster Couleur haben sich bereits mehrere Bereiche im Luisenpark in prächtig blühende Areale verwandelt. Diese dienen zum einen als anschauliche, inspirierende Bepflanzungs- und Gestaltungsbeispiele für Besucher und zum anderen als grünes, lebendiges Klassenzimmer. 

Beweggründe – das steckt dahinter

„Neben der Vermittlung von Wissen ist es uns auch ein tiefes Anliegen ein Gespür und Empathie für diese Tiere weiterzugeben, selbst aktiv etwas für den Insektenschutz zu tun sowie andere dafür zu sensibilisieren und dabei zu unterstützen“, sagt Ursula Jünger, Leiterin der Grünen Schule.

„Die Vernetzung in der Natur bedingt, dass der Rückgang der Insekten auch massiv Tiere zurückdrängt, die sich von Insekten ernähren, also Vögel, Fledermäuse, Amphibien, Reptilien, Spitzmäuse und so weiter. Es ist so wichtig, dieses Verständnis der ökologischen Verkettungen wieder zu vermitteln, weil wir und vor allem unsere Kinder sonst damit konfrontiert werden, dass Ökosysteme unwiederbringlich zerstört und ihre Bewohner ausgelöscht wurden. Unsere Unkenntnis lässt Tiere verschwinden, ohne dass die meisten Menschen etwas davon mitbekommen, weil sie diese schlichtweg nicht kennen. “Ziel ist es, so viel Menschen wie möglich mit Projekten und Veranstaltungen zu Insekten und Bienen zu erreichen. Und das nicht nur mit Wissen, sondern auch mit praktischem Know how und Emotionen. 

Bienenentdecker

Projektbeschreibung

Heilpflanzengarten

Hinter dem Gedanken einen Heilpflanzengarten zu erstellen, stand 2007 der Wunsch in einem geordneten Rahmen (wie man es von einer sehr gepflegten Parkanlage erwartet) einheimischen Wildpflanzen Raum zu geben, um Wildbienen und Insekten ökologische Nischen anzubieten. Auf rund 1.700 Quadratmetern gibt es im Heilpflanzengarten über 200 verschiedene, meist einheimische Stauden, ein- und zweijährigen Pflanzen sowie Blüh-Gehölze zu entdecken, die von Frühjahr bis Sommer eine Vielfalt von Blütenformen präsentieren. Damit die Anlage als Lehr- und Schaugarten dienen kann, hat jede Pflanzenart ein Etikett, was es Besuchern und Betrachtern ermöglicht, die Pflanzen näher kennen zu lernen. Dekorative Holzstehlen als Nisthilfen, Beetumrandungen und Mauern aus löchrigem Lavatuff bieten einladende Hohlräume für Wildbienen und andere Insekten. Die Fülle der verschiedenen Pflanzenarten bedingt eine Vielzahl von Wildbienenarten und anderen blütenbesuchenden Bestäubern.

Im Zuge erforderlicher infrastruktureller Umbaumaßnahmen, musste 2021 der höher gelegene Teil  des Heilpflanzengartens komplett neu angelegt werden – gut für die Wildbienen! Aus schattigen Randbereichen mit immergrünen blütenlosen Bodendeckern sind zwei sonnige Flächen entstanden. Nun wachsen dort bienenfreundliche Heilstauden und zweijährige Heilpflanzen wie Heilziest, Mädesüß, Staudenlein, Günsel, Königskerzen, Katzenminze, Thymianarten, Odermennig, Fingerhut, Wasserdost, Origanum und viele mehr. Eine Sandlinse in diesem Bereich soll bodennistende Bienen einladen. Als neues Highlight ist in einer der beiden Staudenanlagen ein über zwei Meter hoher Lebensraumturm für Wildbienen entstanden, der eigens so entworfen wurde, dass er sich in die Gartenarchitektur eingliedert. Im Souterrain bietet er zwischen Lesesteinen Raum für bodenbewohnende Insekten, enthält in den nächsten Etagen diverse Tothölzer und weiter oben verschiedene Formen von Nisthilfen für Wildbienen. Im Dach integriert ist eine Pflanzfläche mit diversen Sukkulenten. Regenwasser wird gesammelt und in eine Lehmgrube nach unten abgeleitet. „Bei den Wildbienen ist der Turm ein voller Erfolg und es war bereits in den Monaten März und April ein reges Treiben zu beobachten, begleitet von dem angenehm wohligen Summen und Brummen der Mauerbienen“, so Ursula Jünger.

 

 Lebensraumturm für Wildbienen mit vielen Nistmodulen

Projekt “Flowers for Future“

Auf einer Fläche von rund 100 Quadratmetern ist im Luisenpark ein blütenreiches Versuchs-, Beobachtungs- und Vorzeigeareal entstanden. Dem Projekt „Flowers for Future“ liegt ein Ansatz zugrunde, der viele Lösungen für Gärten und Gärtner bereithält, Insektenschutz-Maßnahmen umzusetzen. Unter Berücksichtigung der sich verändernden klimatischen Bedingungen und der begrenzten Zeit vieler Gartenbesitzer, hat die Grüne Schule eine attraktive Mischpflanzung zusammengestellt. Diese eignet sich sowohl für Gärten als auch für öffentliche Flächen und bietet bestäubenden Insekten von Februar bis November Nahrung. Die Mischpflanzung ist so angelegt, dass sie unter anderem auch als pflegeextensive Alternative für sonnige, trockene Flächen wie Schottergärten dienen kann.

„Durch die klimatischen Veränderungen, die wir gerade in den letzten Jahren in der Metropol-Region-Rhein Neckar extrem zu spüren bekommen haben, fallen zahlreiche einheimische Blühpflanzen in den Sommermonaten aus, die der Wasserknappheit nicht gewachsen sind“, sagt Ursula Jünger und fährt fort: „Auch die zeitliche Verschiebung der Blühperiode einheimischer Pflanzen nach vorne im Jahr, durch wärmere Winter und frühzeitiger Frühlingsbeginn, verursacht eine Lücke der Nahrungspflanzen, die Insekten ab Spätsommer zur Verfügung stehen.“

In der von der Grünen Schule entwickelten Mischung aus Steppen-Stauden, Geophyten, Kleingehölzen sowie ein- und zweijährigen Pflanzen entsteht eine bunte, vielfältige, pflegearme und insektenfreundliche Blüh-Oase für den Großteil eines Jahres.

„2022 haben wir auch für diese Fläche einen dekorativen Lebensraumturm für Wildbienen mit vielen Nistmodulen entwickelt, der nach dem Aufstellen innerhalb von wenigen Tagen besiedelt wurde. Mit der Kombination der Fläche „Flowers for Future“ und dem dekorativen Lebensraumturm, zeigen wir eine Möglichkeit, wie man auf kleinsten Flächen im urbanen Raum, wie z.B. Vorgärten oder Verkehrsinseln, umfangreich etwas für Wildbienen tun kann“, so die Leiterin der Grünen Schule. 

Garten für Insekten

Die Idee hinter dem 2020 entstandenen „Garten für Insekten“ war es, einen kleinen Beispiel-Garten in Vorgartengröße zu schaffen, der Insekten in vielerlei Hinsicht unterstützt. „In unseren Führungen zum Thema „insektenfreundliche Gärten“ zeigte sich, dass unsere Besucher sich kaum vorstellen konnten, wie ein solcher Garten konkret aussehen könnte, noch gab es Kenntnisse, welche Bedürfnisse Insekten haben, wo sie vorkommen, welche Materialen geeignet sind oder welche Blüten jenseits von Geranien, Petunien und Co. besucht werden könnten. Hinzu kamen Bedenken wie zu kleine Flächen, schmales Budget oder der schlechte Ruf eines faulen Gartenbesitzers“, so die Umweltpädagogin und Biologin. „Ein kleiner Naturgarten für Insekten mitten in einem Parkgelände, in dem täglich zahlreiche Besucher vorbeischauen und sich die ein oder andere Anregung mit nach Hause nehmen können, die sie auch auf kleinstem Gartenraum umsetzen können, schien uns die richtige Maßnahme dem Allem begegnen zu können.“

Zur Verfügung stand eine Fläche von 39 Quadratmetern, aber kein eingeplantes Budget. Also sammelte das Team der Grünen Schule Sandsteine aus benachbarten Baugruben, Baumschnitt, Laub und, auf Nachfrage, Lehmerde aus einem Bauaushub in der Nähe. Außerdem fertigten die Helfer mit dem grünen Daumen Nisthilfen aus verschiedenen Materialien und zogen einheimische Wildpflanzen aus Samen an. 

Neben einer Blütenvielfalt aus heimischen Pflanzen, die einer Vielzahl an Wildbienenarten als Nahrung dient. wurden bei der Gestaltung auch andere Lebensbedürfnisse berücksichtigt. Mit Strukturen wie Sandlinsen, Trockenmauern, Wasserstelle, Totholz- und Steinhaufen und diversen Nisthilfen entstanden Nischen, Überwinterungsmöglichkeiten und Nistmöglichkeiten – kurz: eine kleine Insektenoase.

In erstaunlich kurzer Zeit waren viele der angebotenen Nischen, nicht nur von Wildbienen genutzt. Neben Ackerhummeln, Erdhummeln, Löcherbienen, Holz- oder Hosenbienen flogen Grabwespen oder Schwebfliegen ein und aus. Blattschneiderbienen trugen eifrig Blattstückchen in die Tonnisthilfen und selbst die Bohrlöcher im Totholz, die beispielsweise geschlüpfte Riesenholzwespen hinterlassen haben, wurden schnell interessiert von Wildbienen begutachtet.

„Bereits während der Umgestaltungsphase wurden wir immer wieder von Neugierigen zu dieser Aktion befragt. So konnten wir schon viele Anregungen und Impulse zu alternativen Gartengestaltungen weitergeben oder zum Überdenken des eigenen Gartenkonzeptes ermutigen.“ Diese kleine Gartenoase mit „Insektenfindegarantie“ ist seither Teil des Führungsangebotes in den Sommermonaten und illustriert und untermauert das, was vorher schwer zu vermitteln war. Und besser noch, sie ermutigt Besucher zur Nachahmung.

Garten für Insekten

Nisthilfen für Wildbienen

Die Summe der Nisthilfen, die mittlerweile vom Team der Grünen Schule zum Teil auch in Kooperation mit der Imkerjugend oder mit Beteiligung von Schülern gefertigt wurden und in Luisenpark und Herzogenriedpark aufgestellt wurden, ist enorm. Das Angebot reicht von der Nisthilfe in der Konservendose bis zum großen Lebensraumturm für Insekten. „Wir experimentieren mit Sandgemischen für Sandlinsen sowie mit verschiedenen Tonarten, Lehm und Letten aus Baugruben, Bambusschnitt und Schilf, Baumschnitt von Laubbäumen, Markstängeln, Totholz mit Larvengängen, Tontöpfen oder Beton und recycelten Gegenständen für Nisthilfen.“ Die Wildbienen und ihr Verhalten sowie die unterschiedliche Haltbarkeit der Materialien bedingen eine stete Weiterentwicklung und Optimierung der Nisthilfen. 

Honigbienen im Park

Die Park eigenen Bienenvölker, betreut vom Mannheimer Imkerverein, erweitern die Möglichkeiten der Umweltbildung zum Thema Bienen. Sie erleichtern und veranschaulichen im direkten Vergleich die Vermittlung der Unterschiede zwischen Honigbiene und Wildbienen. „Frei nach dem Spruch „Liebe geht durch den Magen“ und gemäß dem Slogan „So schmeckt dein Park!“ trägt der Ertrag unserer Park-Honigbienen zur Sympathie für die Bienen und unsere unkonventionellen Bienenprojekte mit bei“, sagt Ursula Jünger. 

Honigbienen im Park

Tag der Insekten & andere Aktionen

Der „Tag der Insekten“ ermöglicht Menschen jeder Altersstufe auf ansprechende, spielerische, kreative, wissenschaftliche und aktive Art Insekten zu entdecken, hautnah zu erleben, untereinander in Kontakt zu treten und sich auszutauschen. Die Besucher werden an die spannenden Tiere herangeführt und können Insektenexperten mit ihren Fragen löchern, Tiere erforschen oder beobachten und vor allem lernen, diese besonderen Tiere zu verstehen und sie zu schützen. „Mit diesem Veranstaltungsformat haben wir etwas Besonderes für die gesamte Metropol-Region Rhein-Neckar geschaffen. Es ist eine Kommunikationsplattform für Experten und interessierten Laien gleichermaßen und konzentriert den Fokus auf das Thema Insekten.“ 

Weitere Pläne & Ziele

Das Team der Grünen Schule hat noch sehr viele Ideen, um den Luisenpark und den Herzogenriedpark in noch buntere Areale zu verwandeln, die Insekten eine Heimat bieten. „Je mehr wir dies als gut besuchte, für seine gepflegten Pflanzenflächen renommierte, Parkanlage tun, desto selbstverständlicher wird es, dass natürlich gestaltete Flächen zur Gartengestaltung gehören. Je kreativer wir sind und je attraktiver und vielseitiger die Umsetzung ist, desto mehr Nachahmer könnten unserem Beispiel folgen.“ 

Heilpflanzengarten

Projekte und Ziele, die in naher Zukunft angepackt werden sollen:

• Die Hügelanlage am „Garten für Insekten“ soll vollständig zum Insektenhügel werden

• Die Erweiterung des „Gartens für Insekten“ und der Bienenwiese auf dem Hügel neben dem Weiher zu einem kompletten „Hügel für Insekten“ - mit vielen natürlichen Strukturen, Wildstauden, und ergänzenden Steppenstauden sowie Obstgehölzen, die den ganzen Hügel von Frühling bis Herbst in ein weit sichtbares Blütenleuchten für Bienen verwandeln

• Weitere dekorative Nisthilfen an den Staudenbeeten des Parks

• Partielle Uferbepflanzung des Weihers am geplanten Insektenhügel mit Wasserlilien, Blutweiderich und Co.

• Ein begehbarer Bienenstock als Informations- und Aktionsstand zu Honigbienen

• Ein illustrierter Bienenpfad mit spannenden und ungewöhnlichen Einblicken in das Bienenleben

• Eine leicht verständliche Infotafel zum Lebenszyklus der Arbeiterinnen der Honigbienen ist bereits in Arbeit

• Schaffung ökologischer, bienenfreundlicher Blühinseln (statt Rasen) mit heimischen Pflanzen durch die Parkanlagen als ökologische Trittsteine, zur Vernetzung der einzelnen Blühflächen untereinander

• Institutionalisieren und Ausbauen „Des Tages der Insekten“ im Luisenpark

• Zur BUGA23 ist Grüne Schule Kooperationspartner und wird das Team der Grünen Schule im Bereich Campus zahlreiche pädagogische Angebote (Führungen, Workshops, Vorträge) zu Bienen und Insekten durchführen

• Das Projekt „Hektar für Nektar“ soll auf einer zusammenhängenden Fläche von 10 000 m² ein Meer von bienenfreundlichen Pflanzen zeigen.

•  Auch eine „Woche der Insekten“ soll es zur BUGA23 geben

Insektenhügel im Stadtpark
Unser Tipp

Grüne Schule Luisenpark

Im Luisenpark gibt es viele Möglichkeiten, Neues zu lernen und zu entdecken und die Freizeit sinnvoll zu gestalten! Allen Voran steht im Luisenpark die Umweltpädagogik, die Erwachsenen und Kindern Wissen zur biologischen Vielfalt auf der Erde vermittelt: Pflanze und Tier sind hier die Themen!

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