Das Projekt - kurz & knackig

Konventionellen Vorstellungen und althergebrachten Regelungen für Schrebergärtner zum Trotz haben Ulrike Will und Joachim Wals ihre Gartenparzelle von Grund auf verwandelt. Inmitten einer Kleingartenanlage in Mönchengladbach haben sie ein kleines naturnahes Reich erschaffen, das nicht nur Blicke und staunende Besucher anzieht, sondern auch unzählige tierische Gartenbewohner. Auf rund 400 Quadratmetern haben die beiden Biogärtner Prinzipien der Permakultur und des Hortus-Gartens angewandt, um einen Nutzgarten für Mensch und Tier zu schaffen. Verschiedene Zonen, Gestaltungselemente und eine vielfältige Pflanzenauswahl machen die Parzelle zu einem "Kleingarten der Zukunft, in den die Wildbienen zurückgekehrt sind."

Als geschulte Fachberaterin für Kleingartenwesen erstellt Ulrike zukunftsfähige Konzepte für Vereine und Gartenanlagen, die nicht nur aus ordentlichen Blumenrabatten und akkuraten Grünflächen bestehen. Im Netz, bei Vorträgen oder Gartenführungen teilen sie und Joachim ihre Erfahrungen, um veraltete Kleingartenkrusten aufzubrechen – besser noch: sie zeigen, dass und wie man es anders machen und schaffen kann, Vielfalt und Artenreichtum gezielt zu integrieren. 

Beweggründe

Als Ulrike und Joachim vor vier Jahren in Rente gegangen sind, begann ein neuer Lebensabschnitt und damit auch die Suche nach einer sinnvollen Beschäftigung. „Ein neuer High-Tech-Fernseher oder ein Abo für eine Rätselzeitung? Nein danke! Wir packen lieber an und tun etwas Nützliches“, so die Hobbygärtnerin. In einem Kleingartenverein entdeckten sie eine freie Parzelle, bestehend aus einem Rasen und drei Thujen, und nahmen sich dieser an. Nach reichlich Überzeugungsarbeit und unter Berücksichtigung der Gartenordnung stellten sie das kleine Fleckchen Erde völlig auf den Kopf, oder wie Ulrike sagt: „Aus diesem „botanischem Unglück“ haben wir einen blühenden Garten geformt.“ Die Förderung von Insekten, insbesondere von Wildbienen, liegt den beiden besonders am Herzen. Daher finden sich in ihrem „Hortus Noctuarum“ unzählige Nistmöglichkeiten, reichlich Baumaterial für Kinderstuben und ein blütenreiches Nahrungsangebot.

„Wir können nicht einfach dabei zuschauen, wie die Biodiversität kaputt geht. Wir tragen eine große Verantwortung gegenüber der nächsten Generation.“

Projektbeschreibung

Gartengestaltung

Bei der Planung haben sich Ulrike und Joachim unter anderem vom Drei-Zonen-Konzept des Naturgärtners Markus Gastl inspirieren lassen. Diese Einteilung kombiniert Nutz- und Ziergarten und erschafft zugleich einen artenreichen, naturnahen Lebensraum für heimische Pflanzen und Tiere. So bilden heimische Sträucher und Hecken an den Grenzen eine „Pufferzone“, während es in der Mitte des Gartens eine „Hotspotzone“ gibt. Darin finden sich heimische Stauden sowie eine Vielzahl an Unterschlupf- und Nistmöglichkeiten für Tiere. Der dritte Bereich ist die „Ertragszone“, in der Obst, Gemüse und Kräuter gedeihen. 

Wohnstätten für Wildbienen

Neben pollen- und nektarreichen Blühpflanzen finden Wildbienen im „Hortus Noctuarum“ unzählige Verstecke. Diese kommen in mehrfacher Hinsicht auch anderen Nützlingen zugute: als Unterschlupf, Tränke, Wärmespender, Nisthilfe oder geschützte Überwinterungshöhle. Dazu zählen zum Beispiel Totholzhecken, Steinhaufen, Stapel aus Tondachziegeln und Pyramiden aus Lavasteinblöcken, ein Sandarium, ein Magerbeet mit Wildblumen und offenen Bodenstellen sowie oberirdische Nisthilfen. Auch hohlstielige Stauden, die nach der Blüte nicht zurückgeschnitten werden, und Gehölze dienen den Bienen als Winterquartier oder Kinderstube. Dieses Angebot bietet verschiedensten Arten ein Zuhause, zu den gern gesehenen Gästen gehören u.a. Löcherbienen, Rostrote Mauerbienen, Gehörnte Mauerbienen, Frühlingspelzbienen, Gelbbindige Furchenbienen, Schenkelbienen, Mörtelbienen, Schwarze Holzbienen und verschiedene Hummelarten. 

Aufklärungsarbeit

Überzeugungsarbeit auf Vereinsebene

Das „andere“ Gärtnern, das die Naturgärtner im Sinn hatten, wurde anfangs recht kritisch betrachtet, doch es traf zugleich auch auf Interesse. "Von unserem damaligen ersten Vorsitzenden wurde ich bei Fachberater-Seminaren des Landesverbandes angemeldet. Er hatte die Zeichen der Veränderungen in Gärten erkannt und wollte eine gut ausgebildete Fachberaterin an seiner Seite haben." Ein ganzheitliches neues Vereinskonzept für einen Zukunftsgarten, angepasst an die neuen klimatischen Veränderungen, sollten sie ihm erstellen und das haben sie. Nach anfänglicher Skepsis weckte das ungewöhnliche Vorhaben auch die Aufmerksamkeit der anderen Mitglieder und schließlich packten die Kleingärtner gemeinsam an, um Ulrike und Joachim bei ihren Bestrebungen zu helfen. 

Gartenbesuche & Aktionen

Der Garten von Ulrike und Joachim ist ein gut durchdachtes Paradies für Wildbienen auf kleinstem Raum. Interessierte Zaungäste finden hier eine Art „Besucher-Info-Garten“ mit einem einfachen, überzeugenden Konzept sowie vielen Anreizen und Anregungen zum Nachmachen. Im Vereinsheim fanden bereits kostenlose Samenbörsen sowie Pflanztauschaktionen statt und für 2021 waren einige Kinderaktionen angedacht. „In Zusammenarbeit mit dem Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) sammelten wir Info-Material, Broschüren, Saatgut sowie gehäkelte Bienen und planten ein Kinderfest in der Ferienzeit. Außerdem hatten wir vor, gemeinsam mit einem Kindergarten und Schulen kindgerechte Hochbeete zu bauen und zu bepflanzen. Leider machte uns Corona einen Strich durch diese Rechnungen, aber wir hoffen auf 2022.“

Netzwerken & Austauschen

Mit anderen Vorständen und Pächtern des Kleingartenwesens in Mönchengladbach fanden in den letzten Jahren mehrere Treffen statt. „Wir planten Vorträge und Schulungen, speziell zu den Themen Biodiversität, Sandarienbau, Modultechniken und Wildbienenförderung. Durch diese Kooperation sollte es eine Garten-Bildungs-Fahrradtour geben. Doch auch diese musste wegen Corona vorerst gecancelt werden.“

„Experten haben wir von der ersten Stunde an besucht und befragt. Und sie haben uns geholfen, so zum Beispiel Markus Gastl, der Erfinder des 3-Zonen-Gartens, Frank Schröder vom Ommertalhof sowie Landschaftsgärtnerinnen und Bienenexperten.“ Auch durch das große Hortus-Netzwerk sowie verschiedene Wildbienen- und Permakultur-Gruppen haben sich Kontakte zu Profis aus unterschiedlichen Fachbereichen ergeben. In diesen Gruppen gehen u.a. Spezialisten wie Dr. Schmid-Egger oder Werner David auf Fragen ein und geben hilfreiche Tipps. Der Landesverband Rheinland lässt die Fortbildung über Wildbienen zudem von dem Zoologen und #beebetter-Jurymitglied Volker Fockenberg ausrichten.

Aktionen & Vorträge

Nach Corona sind weitere Kleingruppenschulungen im Garten der #beebetter-Gewinner geplant, die Förderung der Artenvielfalt und Wildbienen soll dabei der Schwerpunkt sein. „Durch meine Ausbildung zur Fachberaterin für Kleingartenwesen durch den Landesverband Rheinland habe ich nicht nur die Kenntnisse über klassische Gartenarbeit erweitern können. Auch Themen wie „Städtisches Grün“, „Funktionen der Kleingärten in der Stadt“ sowie Öffentlichkeitsarbeit und viele pädagogische Möglichkeiten wurden mir in die Hand gelegt“, erzählt Ulrike.

Während der Coronazeit nutzte sie das Angebot von Online-Vorträgen über Wildbienen und Schmetterlinge. Regelmäßig besucht sie zudem Fortbildungsveranstaltungen des Landesverbands, Saatguttauschbörsen, kleine wie große Messen und Märkte.

Öffentlichkeitsarbeit

„In der örtlichen Bürgerzeitung klären wir in einer Serie über „Biodiversität im Kleingarten“ oder „kleinen Gärten“ auf. Durch Berichte in der regionalen Presse wurden Leser auf unseren Garten aufmerksam, besuchten uns spontan oder auf Absprache und nahmen Anregungen für den eigenen Garten mit. Und schließlich stand sogar das WDR-Fernsehteam vor dem Gartentor, um eine Live-Reportage aus unserem Garten auszustrahlen“, erzählt Ulrike. Der naturnahe Kleingarten ist überdies in verschiedenen Print- und Online-Medien aufgetaucht, so auch in der Zeitschrift „Gartenspaß“ aus dem Hause Burda. Sie selbst nutzen, zusätzlich zum direkten Austausch, auch Facebook als Medium der Aufklärungsarbeit und des Austauschs.

Weitere Pläne & Ziele

Ulrike und Joachim bezeichnen sich selbst als „Überzeugungstriebtäter“ und haben als solche noch eine Menge vor. In ihrem Garten planen sie, das Angebot an heimischen Pflanzen stetig zu verfeinern und häufiger mit der Kamera unterwegs zu sein, um Wildbienen dokumentieren und bestimmen lassen zu können. Die Öffentlichkeitsarbeit zum Thema „Biodiversität in Kleingartenanlagen“ wollen die Bienenhelfer weiter ausbauen und die geplanten Aktionen, die aufgrund von Corona nicht stattfinden konnten, im kommenden Jahr erneut angehen. 

In ihrem Garten haben sie fast alles „bienenmögliche“ getan, daher werden die #beebetter-Gewinner weiter daran arbeiten, dass Biodiversität und Bienenschutz auch über ihren Gartenzaun hinaus Beachtung und Umsetzung finden.

"Zwei neue Objekte liegen uns besonders am Herzen. Zum einen dürfen wir uns als Verein "Natur im Garten NRW" in Höxter mit einem Stand präsentieren. Dort werden wir die Besucher aufklären. Zum anderen planen wir in Mönchengladbach mit unserem Verein und der Stadt eine große Brachfläche zu rekultivieren und unsere Insekten vor Ort zu unterstützen. Durch diese beiden Maßnahmen versprechen und erhoffen wir uns einen größeren Werbeeffekt mit langfristigem Nachhall, um lokal sowie regional Mitglieder und Unterstützer zu gewinnen", so Ulrike Will.

Unser Tipp

Blick über den Gartenzaun

Weitere Impressionen aus dem „Hortus Noctuarum“ von Ulrike Will und Joachim Wals sowie weiterführende Informationen und zahlreiche Tipps rund ums naturnahe Gärtnern für die Artenvielfalt finden Sie auf Facebook, Youtube und auf Instagram unter @hortusnoctuarum.

Als Amazon-Partner verdienen wir an qualifizierten Verkäufen