Veröffentlicht am 07.10.2022 um 15:52 Uhr

Projektbeschreibung

Auf Anregung von Pfarrerin Maria Eichenberg und Gemeindekirchenrätin Katja Kleinau hat die Kirchengemeinde Ritzleben im Altmarkkreis Salzwedel in Sachsen-Anhalt vor zwei Jahren beschlossen, das regelmäßige maschinelle Kurzmähen der Flächen rings um die Dorfkirche sein zu lassen. Stattdessen sollte das 1.000 Quadratmeter große Kirchengelände nur noch ein- bis zweimal im Jahr von Hand und per Sense gemäht werden, sodass sich eine natürliche Blühwiese entwickeln und der Friedhof aufblühenden konnte. Die Natur hat die Rasenfläche schnell zurückerobert. Wo lange Zeit nur grüne Grasfläche war, gedeihen inzwischen allerlei Wildblumen. Ein Meer aus Margeriten, Klee, Schafgabe, Wiesen-Witwenblume, Wiesen-Ferkelkraut, Mauerpfeffer sowie Gräsern erfreut nicht nur die Kirchen- und Friedhofsbesucher, auch die Wildbienen fliegen darauf. 

Im Sommer 2021 nahm eine weitere Idee von Maria Eichenberg Gestalt an, die das Projekt „lebendiger Friedhof Ritzleben“ zusätzlich bereichern sollte: unter Einbindung der Dorfgemeinsaft, unter der Anleitung der Wildbienenexpertin Josephine Kulow vom Naturerbeverein Vissum e.V. errichteten die Dorfkinder und einige Anwohner ein Wildbienenhaus. Es setzt sich aus verschiedenen Materialien und unterschiedlichen Elementen zusammen, sodass eine Vielzahl an Bienenarten darin Kinderstuben für ihren Nachwuchs einrichten kann.

In der Nähe des neuen Wildbienenhauses wird im Herbst 2022 eine Wildrosenhecke gepflanzt und die Wildblumenwiese gemeinschaftlich mit Zwiebelblumen bestückt. Ein weiterer Teil des Projektes ist eine Schautafel mit einigen bebilderten Hintergrundinfos zur Historie des Ortes, der Kirche und des Friedhofes. Außerdem erläutert sie das Projekt „lebendiger Friedhof Ritzleben“. 

Wildbienenhaus auf dem "lebendigen Friedhof"

Hintergrund

„Die Idee zum Projekt „lebendiger Friedhof Ritzleben“ entstand in Zusammenarbeit mit unserer Pastorin“, erzählt Katja Kleinau. „Es gibt allerdings eine Vorgeschichte. Und zwar erinnere ich mich an blühenden Wiesenflächen auf unserem Friedhof in meiner Kindheit. Ich mochte den Friedhof als Ort, als eine Art Oase. Nachdem ich mit meinen Kindern aufs Dorf zurückgezogen bin, gefiel mir der kurz gemähten Rasen gar nicht. Alles sah so trist und „tot“ aus. Aus meiner Sicht war es eine Verschwendung von Fläche, die naturbelassen viel schöner und nützlicher ist. Ich wollte, dass meine Kinder den Friedhof auch als einen schönen Ort wahrnehmen. Nach mehreren Jahren der Überzeugungsarbeit blüht unser Friedhof nun wieder mit vielen unterschiedlichen Wildblumen und Gräsern.“

Im vergangenen Jahr schlug die Pastorin vor, ein Wildbienenhaus zu errichten, um den Kindern die Schönheit und die Bedeutung der Natur und der Schöpfung näherzubringen. Beim gemeinschaftlichen Bau des Wildbienenhauses sollten sie mehr über die Artenvielfalt der Wildbienen erfahren und auf ihre unterschiedlichen Nistmöglichkeiten und Bedürfnisse eingehen können. „Obwohl wir auf dem Land leben, wissen viele Kinder heute nicht mehr viel über Tiere, Pflanzen und Natur. Wir möchten ihre Wahrnehmung dafür wieder schärfen und sie für die Vielfalt in der Natur sensibilisieren.“

Nicht zuletzt erhofft sich Katja Kleinau, dass die Idee Schule macht und als Pilotprojekt für andere Friedhöfe dienen kann. „Andere Gemeinden sollen sich von unserem lebendigen Friedhof inspirieren lassen“, so die Gemeindekirchenrätin. 

Wildbienenhaus aus verschiedenen Materialien und Elementen

Weitere Pläne & Ziele

Um einen Nachahmungseffekt zu erzielen, wollen die Bienenhelfer im Rahmen ihrer Möglichkeiten Öffentlichkeitsarbeit betreiben – über eigene Websites, Presse und an Veranstaltungstagen wie dem Tag des Friedhofs, an dem Besucher allerlei Aktionen auf dem Kirchengelände erwarten. „Abhängig von den Fördermitteln, Spenden und finanzieller Unterstützung möchten wir speziell für Wildbienen noch ein paar Sträucher einsetzen. Auch eine Kräuterinsel in der Nähe des Bienenhauses wäre schön. Außerdem planen wir, ein Wasserbecken aufzustellen und einen Totholzhaufen zu errichten. Ein Lesesteinhaufen ist ebenfalls denkbar, um weiteren Tierarten eine kleine Oase zu bieten. Eine Bank in der Nähe des Bienenhauses könnte zum Verweilen und Beobachten des bunten Treibens auf dem Friedhof einlade“, sagt Katja Kleinau.

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