Veröffentlicht am 07.10.2022 um 15:49 Uhr

Projektbeschreibung

Auf einem 3.100 Quadratmeter großen Grundstück setzen Oliver und Lisa Zwirner ein ganzes Maßnahmenbündel zum Artenschutz, insbesondere zum Schutz der Wildbienen um. Das „Hybridprojekt“, wie der Naturgärtner es nennt, besteht aus zwei wesentlichen Teilen, die Hand in Hand gehen: Die Erfahrungen aus dem praktischen Bestandteil mit Pflanzaktionen, dem Anlegen von Biotopelementen und vielem mehr teilt das Ehepaar über die eigene Garten-Website (www.naturgarten-langenau), einen gleichnamigen Blog sowie über Instagram und diverse Gartenforen mit anderen Interessierten.

In ihrem Garten hat das Ehepaar im Lauf der Jahre unzählige Projekte angepackt und vielerlei Biotopelemente realisiert, so zum Beispiel:

  • Trockenmauern aus lokalem Kalkstein (u.a. als Kräuterschnecke)
  • 3 Kleinteiche
  • 2 Brennnessel-Ecken
  • Wildbienen-Nisthilfen am Haus
  • Vogel-Nisthilfen an Haus, Garage und im Garten (ca. 25 Nistplätze)
  • 2  große Insektenwände (v.a. Wildbienen und Wespenarten)
  • Fledermauskasten an der Garage
  • Baumscheibenbepflanzung mit v.a. Nachtkerzen
  • Retentionsbecken zur Regenwasserversickerung (mit offenen Steilwänden als wechselfeuchtes Biotop, ca. 100 qm)
  • Kalkstein-Findlinge mit Trockenmauerelementen und z.T. Brombeerüberwachsen
  • Hornissenkasten
  • 2 Magerwiesen mit Wilde Möhre, Karde, Natternkopf, Wegwarte, … (u.a. regionale Variante des Schmetterlings- und Wildbienensaums von Rieger-Hofmann)
  • großer permanenter Reisighaufen
  • mehrere große Totholzbereiche
  • 2 Igelkuppeln
  • große Kräuterschnecke
  • extensive, vielfältige Streuobstwiese 

„In unserem Naturgarten lassen wir jedes Jahr mehr als 30% der Flächen im Wechsel als Altgrasstreifen ungemäht stehen. Der Rest wird größtenteils in Staffelmahd, also schonend per Hand- oder Motorsense in mehreren Zyklen gemäht. Nur bei einem sehr kleinen Teil ums Haus kommt auch mal ein Rasenmäher zu Einsatz, allerdings so selten wie möglich“, erläutert Oliver Zwirner. 

Oliver Zwirner bei der Staffelmahd

Und weil den Naturgärtnern der Insektenschutz ein besonderes Anliegen ist, sind in ihrem grünen Reich unzählige Unterschlupf-, Überwinterungs- und Nistmöglichkeiten zu finden. „Wir haben zwei große Nistwände mit etwa 10.000 Niströhren und etliche Nisthilfen am Haus. Für bodennistende oder totholznistende Wildbienenarten haben wir Bewuchs freie Steilhänge am wechselfeuchten Biotop, mehrere Trockenmauern und etwa zehn Tonnen Totholz. Dazu kommt die unbehandelte Verschalung unseres Holzhauses, unter der sich Wespen und Wildbienen tummeln. Auch Lehm steht den Bienen reichlich zur Verfügung. Der Staudenrückschnitt erfolgt bei uns außerdem fast ausschließlich im Frühjahr, sodass abgestorbene Pflanzen als Winterquartier dienen können.“ 

 

Im Rahmen der Insektenschutz-Challenge des Projekts „Tausende Gärten – Tausende Arten“ (TGTA) hat sich Familie Zwirner vom 16. Juli bis 15. September 2022 an der Erfassung des Insektenvorkommens beteiligt ."Auf Basis der INSA Erhebungsmethodik haben wir binnen acht Wochen ganze 185 Insektenarten in unserem Naturgarten erfasst. Natürlich ist das nur ein kleiner Ausschnitt der Realität, denn viele in unserem Naturgarten vorkommenden Arten konnten wir überhaupt nicht sehen– man denke nur an die ganzen nachtaktiven Tiere", so Oliver Zwirner. 

Neben der Gartenarbeit widmen sich der Wirtschaftingenieur und die Steinmetzin der Wissensvermittlung. Ihre Erfahrungen und Erkenntnisse teilen sie sowohl im Netz als auch analog in Gesprächen, im Austausch bei Veranstaltungen oder bei Führungen durch ihren Garten. „Erfolge sind für uns Nachahmer und die Ansiedlung neuer Tiere im Garten. So haben sich bei uns neben einer ordentlichen Eidechsenpopulation auch die Blaue Holzbiene, die Natternkopf-Mauerbiene, die Luzerne-Blattschneiderbiene, die Gartenwollbiene, die Wald-Schenkelbiene, die Schwarzbürstige Blattschneiderbiene, die Gemeine Goldwespe und die Hornisse angesiedelt“, erzählt der Naturgärtner mit Begeisterung. 

Zauneidechse

Was Oliver und Lisa Zwirner in zehn Jahren aus einem gewöhnlichen, geradezu langweiligen Grundstück geschaffen haben, ist beeindruckend. Dieser Überzeugung ist nicht nur die #beebetter-Jury. Im Rahmen der Kampagne „Tausende Gärten – Tausende Arten“ 2020 bis 2025 des Bundesprogramms Biologische Vielfalt wurde der Naturgarten mit 105 von 120 Punkten als "Grüne Oase" prämiert. Beim bundesweiten Wettbewerb „Wir tun was für Bienen“ im Rahmen der Initiative „Deutschland summt!wurde er 2021 von der Expertenjury mit dem 2. Platz und 2022 mit dem 1. Platz in der Kategorie „Bestehende Naturgärten“ ausgezeichnet. 

Nisthilfen

Hintergrund

„Meine Frau und ich wollten schon als Kinder einmal der Natur etwas zurückgeben. Seit wir 2012 mit der Gestaltung unseres Naturgartens begonnen haben, ist zunehmend die Idee gereift, das gewonnene Wissen auch mit anderen zu teilen und gemachte Erfahrungen weiterzugeben. So ist 2021 unsere Website entstanden, dann der Blog und unsere Aktivitäten in diversen Foren.“ 

Spaß im Naturgarten

Weitere Pläne & Ziele

Auf künftig wollen sich Oliver und Lisa Zwirner ihrem Naturgarten und verschiedenen Projekten widmen. Auf der langen Liste an Ideen und Vorhaben steht unter anderem der Bau einer Benjeshecke und eines Sandariums. Auch Pflanzaktionen mit einem Augenmerk auf heimische Wildstauden, das Ausprobieren verschiedener Mahdkonzepte und ein Sumpfbeet am Totholzbereich wollen die beiden realisieren, ebenso wie Blogbeiträge, Führungen und Vorträge in lokalen Vereinen.

Gartenschild
Unser Tipp

Naturgarten Langenau

Oliver und Lisa Zwirner teilen ihre Erfahrungen als Naturgärtner gerne, z.B. in Form von regelmäßigen BeiträgenPraxistipps oder Gartenführungen. Besuchen auch Sie den Naturgarten Langenau und machen Sie mit!

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