1. Was kann man tun, um Wildbienen im eigenen Garten einen geeigneten Lebensraum zu bieten? 

Man muss nicht gleich den ganzen Garten umgestalten. Fangen Sie doch einfach an, indem Sie bei Neupflanzungen nur noch bienenfreundliche Arten pflanzen. Der nächste einfache Schritt ist, den Garten nicht zu gut aufzuräumen, abgestorbene Pflanzenreste auch mal liegen zu lassen. Sie glauben nicht, wie viele Insekten sich dort tummeln und auch überwintern. Eine blühende Wiese anzulegen ist der nächste Schritt. 10 qm von der Rasenfläche für die Insekten abzuzweigen, geht in vielen Gärten. Ist nicht aufwendig, sieht viel schöner aus als Rasen und macht viel weniger Arbeit! Und schließlich freuen sich Insekten und andere Tiere im Garten über Steinhaufen, Trockenmauern, Reisig- und Laubhaufen, die liegen bleiben. 

2. Braucht man einen großen Landgarten, um Wildbienen willkommen zu heißen, oder kann man die Nützlinge auch als Balkon- und Kübelgärtner anlocken? 

Selbst auf dem Balkon lässt sich etwas für Wildbienen tun. Einfach erstmal einen Topf oder einen Balkonkasten nur mit bienenfreundlichen Arten wie Vanilleblume, Männertreu, Fächerblume oder Kräutern wie Thymian, Lavendel und Rosmarin bepflanzen. Natürlich hilft auch ein Bienenhaus oder Insektenhotel – aber Nahrung ist noch wichtiger als die Nisthilfen. 

3. Welche Wildbienenarten trifft man in unseren Gärten besonders häufig an? Wovon hängt es ab, welche Wildbienen sich ansiedeln? 

Häufig ist bei uns beispielsweise die Rote Mauerbiene. Sie ist nicht wählerisch, was die Pflanzenart angeht, von der sie Pollen und Nektar sammelt. Das Vorkommen vieler Arten ist jedoch eng an das Vorhandensein der passenden Pflanzen gekoppelt. Die Mohnbiene beispielsweise braucht, wie man sich schon denkt, den roten Klatschmohn. Damit kleidet sie ihre Niströhre im Boden aus. Daher braucht sie auch offenen Boden, in dem sie graben kann. Das gibt es nicht überall. 

4. Welchen Nutzen zieht man als Gärtner daraus, möglichst viele Insekten, insbesondere Wildbienen, in Beeten und Rabatten zu Gast zu haben? 

Im Nutzgarten macht es sich besonders bemerkbar. Es gibt viele Pflanzenarten, die auf die Bestäubung von Insekten angewiesen sind. Beispielsweise Tomaten, Erdbeeren und Stachelbeeren. Sie tragen mehr und größere Früchte, wenn sie von Insekten bestäubt wurden. Andere Insekten, wie Florfliegen oder Schwebfliegen, ernähren sich als erwachsene Tiere von Blütenpollen und Nektar. Ihre Larven aber sind große Blattlausräuber und sorgen für natürlichen Pflanzenschutz im ganzen Garten. 

5. Was halten Sie von dem Trend, Vorgärten nicht mit blühenden Stauden sondern mit Kies und Steinen zu gestalten? 

Die Frage ist nicht ernst gemeint, oder? Natürlich nichts. Gar nichts. Wenn es wenigstens so geschaffen wäre, dass die Insekten zwischen den Steinen leben könnten. Aber meist ist der Boden mit einem Gewebe abgedeckt und damit überhaupt kein Lebensraum mehr. Schottergärten sollten verboten werden, denn sie sind biologisch tot, tragen zur Erwärmung im Siedlungsraum bei und damit auch zur Klimaveränderung.

6. Können Sie einen Gegentrend zum naturnahen Gärtnern und ein wachsendes Interesse am Schutz von Insekten wahrnehmen? 

Ja, der Trend ist definitiv da. Es wird nicht nur viel darüber geschrieben, sondern die Menschen kaufen verstärkt Samen für Blühwiesen. Und es gibt mehr Wissen über das Thema. Die Kommunen achten stärker drauf, wann die Straßenränder gemäht werden, wir bekommen viel mehr Anfragen zum Thema Insekten und Blumenwiesen. Das ist sehr schön. 

7. Warum ist naturnahes oder biologisches Gärtnern förderlich für die Vielfalt von Flora und Fauna?

Diese Art des Gärtnerns orientiert sich nicht nur an der Optik des Gartens, sondern am Lebensraum Garten. Ich versuche, in einem naturnahen Garten möglichst vielen heimische Pflanzen und Tiere anzusiedeln. Das bedeutet automatisch mehr Vielfalt als nur Rasen, Rosen und Koniferen. In einem solchen Garten muss ich viel weniger eingreifen, denn viele Pflanzenschutzthemen regulieren sich von selbst. Weil genügend Nützlinge da sind, die die Blattläuse dezimieren. In meinen Augen gibt es keine Alternative zu dieser Form des Gärtnerns. 

8. Was sind die Grundlagen oder Grundprinzipien des biologischen Gärtnerns? 

Darüber werden Bücher geschrieben! Ich versuche, mich kurz zu fassen. Es beginnt mit dem Boden und seiner Pflege. Jeden Boden kann ich verbessern. Wenn ich regelmäßig Kompost oder Bodenverbesserer zuführe, aktiviere ich das Bodenleben. Der Boden wird krümeliger, enthält mehr Mikroorganismen und kann Pflanzen dadurch gut vor Schaderregern aus dem Boden schützen.  

Der Boden sollte auch immer bedeckt sein. Mit Mulchkompost, angetrocknetem Rasenschnitt o.ä. Das mindert die Verdunstung, ich muss weniger gießen und die Regenwürmer haben auch etwas zu fressen. Nackter Boden ist ein No-Go im Biogarten. 

Dann baue ich nur Pflanzen an, die auf dem Standort gut gedeihen. Ein Rhododendron im schweren Tonboden funktioniert nicht, im feuchten, humusreichen Boden aber schon. Bei der Ernährung der Pflanzen achte ich auf organische Düngung, weil ich damit automatisch etwas für den Boden tue. Darüber hinaus gibt es viele Anbau-Prinzipien, wie die Mischkultur oder die Anwendung von Stärkungsmitteln wie Brennnesselbrühe, die mehr helfen, als vielen Menschen bewusst ist. 

9. Sie arbeiten bei Neudorff, einem Unternehmen, dem das Zusammenwirken von Garten, Natur und Umwelt am Herzen liegt. Bekommen Sie viele Zuschriften und Anfragen bezüglich Wildbienen? Was sind besonders häufig gestellte Fragen? 

Ja, die Anfragen haben deutlich zugenommen. Viele Fragen beziehen sie auf die Anlage von Blumenwiesen. Ob ich den Samen direkt auf den Rasen werfen kann – nein, bitte nicht, der Rasen muss vorher entfernt werden. Oder wie aufwendig die Pflege ist – viel weniger Arbeit als Rasen. Nur einmal im Jahr mähen, und im Frühjahr bei Bedarf einmal Unkraut jäten, das reicht schon. Natürlich gibt es auch Fragen zur Gefährlichkeit von Wildbienen – nein, sie können mit ihrem Stachel die menschliche Haut nicht durchdringen. 

10. Zum Sortiment gehört unter anderem auch die Samen-Mischung “Bienengarten”. Was macht diese Zusammenstellung besonders wertvoll für Wildbienen?  

Da gibt es mehrere Punkte, denn die Zusammensetzung der Samen-Mischung berücksichtigt verschiedene Faktoren: 

  • Sie enthält mehrjährige Arten, so dass ich jahrelang Freude daran habe 

  • Die Arten kommen mit allen Bodenarten zurecht 

  • Sie blühen von April bis zum Oktober 

  • Die Pflanzen bieten viel Pollen und viel Nektar 

  • Es sind viele Rosetten bildende Arten dabei, die schnell den Boden bedecken und dadurch Unkraut unterdrücken 

  • Die Samen stammen aus heimischer Saatgutvermehrung 

  • Die Pflanzenhöhe der Arten ist gestaffelt, es gibt hohe und auch niedrigere Arten. Dadurch fällt die Wiese beim Gewitterschauer nicht um. Und sie bietet auch versteckt lebenden Insekten einen Lebensraum. 

#beebetter-Jury

Sabine Klingelhöfer

Was Sabine Klingelhöfer in ihrem eigenen Garten für Wildbienen tut, warum ihr der Bienenschutz am Herzen liegt und was sie sich von der Initiative #beebetter erwartet, lesen Sie in ihrer Vorstellung als Mitglied der #beebetter-Jury.