Veröffentlicht am 12.09.2022 um 16:08 Uhr

Wie ist es dem Bienenprojekt der Kita Villa Kunterbunt nach dem #beebetter-Award ergangen?

Wir haben 2021 an zwei Wettbewerben der Initiativen #beebetter und Deutschland summt teilgenommen und beide Male den ersten Platz gewonnen. Das hat natürlich ein großes Echo in unserer Region verursacht, insbesondere aber auch in unseren eigenen Reihen. Wir haben zuallererst all unseren Sponsoren gedankt und zwei große Banner mit einem großen Dankeschön an der Vorderfront unserer Kita angebracht. 

Die Kita Villa Kunterbunt sagt "danke"

Nach der Verleihung der #beebetter-Awards 2021 im November hat sich das Jahr schnell dem Ende zugeneigt, sodass die vielen Draußen-Aktionen vorerst eine Ende fanden. Zu diesen Aktionen zählten zum Beispiel die gemeinschaftliche Herstellung von Kompostsammlern, das Anlegen eines Staudenbeets und eine Frühblüher-Pflanzaktion im Spätherbst. Außerdem hat unser Imker mit den Kids Kerzen aus eigenem Bienenwachs hergestellt. Um Weihnachten herum hat die Lokalzeitung unter dem Titel "Begeisterte Bienenpartner gesucht" dann noch einmal einen großen Überblick über unser Bienenprojekt herausgebracht. 

 

Im Frühjahr und im Frühling 2022 haben die Schulanwärter unter unseren Kindern gemeinsam Bohnen und Ringelblumen gepflanzt. Das blühende Ergebnis ihrer Arbeit konnten sie vor ihrem Wechsel in die Schule noch bewundern.

Kinder bewundern das Ergebnis ihrer Pflanzarbeit

Im Mai haben wir einen Kita-Bienen-Lauf für die Aurelia Stiftung veranstaltet. Eltern, Kita-Kinder, Geschwister und die Kita-Teammitglieder sind für die Bienen gelaufen und haben das eingenommene Startgeld den Bienenakteuren von Aurelia zukommen lassen. Dieser Bienenlauf wurde im Wochenblatt mit einem großen Artikel auf der Titelseite angekündigt und im Juni sogar nochmals als Event erwähnt. 

Von April bis Juni 2022 haben sich die Wackelzähne, das sind unsere Schulanwärter und Schulanwärterinnen, Gedanken gemacht, wie man noch mehr für Bienen tun könnte. Laut Kindermund lautete der Plan schließlich: "In unserer Stadt gibt es doch einen Chef. Der heißt Bürgermeister und ist ein Meister. Der kann auch bestimmen. Zu dem müssen wir gehen. Den müssen wir fragen, ob er uns helfen kann.“ Gesagt getan, haben sich die Kinder unterschiedlichen Aufgaben gewidmet.

  • Ein Brief an den Bürgermeister wurde verfasst, mit der Bitte um Mithilfe für die Bienen.
  • Brief ins Bürger-Büro bringen.
  • Marode oder öde Stadtflächen wurden auf Spaziergängen fotografiert.
  • Die stadtnahen Verkehrsinseln wurden besucht, untersucht und fotografiert.
  • Ein Bürgerweg neben der Kita wurde fotografiert, weil seine Randflächen mit Kieselsteinen belegt waren. Auf diese Fotos haben die Kids gemalte Blumen und Bienen geklebt.
  • Eine städtische Ausgleichfläche, die öde vor sich hinwucherte, wurde begangen, untersucht und fotografiert.
  • Eine Petition wurde mit den Vorschülern besprochen, als die Idee aufkam, auch noch andere Leute zu finden, die uns helfen könnten. Sie entwickelten und kreierten (jeder für sich) eine Art Unterschriftenliste. Die nahmen die Kinder mit nach Hause, um Verwandte, Nachbarn, Freunde und Bekannte auf die prekäre Situation der Bienen aufmerksam zu machen und sie per Unterschrift als Bienenhelfer zu gewinnen. 
  • Des Weiteren gab es ein Gespräch darüber, was man tun könnte, wenn der Bürgermeister seine Hilfe zwar anbietet, aber letztlich vielleicht doch nichts unternimmt. Kindermund: „Da kann man einen Vertrag machen. Da muss dann jeder unterschreiben, dass er das, was er gesagt hat, auch tut.“ Somit wurde erst einmal solch ein Vertrag geschrieben und gemalt.
  • Gesammelter Samen von Löwenzahnblumen wurde an Wald- und Wiesenrändern ausgesät.
  • Selbsthergestellte Samenkugeln wurden als künftiges Bienenfutter auf Spaziergängen ausgelegt.
  • Es entstanden kleine bebilderte, beschriftete und bemalte Mappen, gefüllt mit Unterschriftenlisten und Pflanzvorschlägen für marode Stadtflächen sowie einen vorbereiteten „Vertrag“. 

Der Stadtbürgermeister, der erste Beigeordnete und die Verbandsgemeindebürgermeisterin empfingen die jungen Bienenhelfer schließlich mit frisch gebackenen Brezeln und allerlei Getränken im Rathaus. Es gab eine „richtige“ Bürgersitzung, in der die Kinder all ihre Wünsche, Bedenken und Anmerkungen kundtun konnten. Zu guter Letzt haben die Beteiligten der Kita und der Stadt den vorbereiteten Vertrag unterschrieben. 

Vertrag mit dem Bürgermeister

Was hat sich seit der Auszeichnung durch #beebetter verändert?  

Wir sind vor allem stadtbekannt geworden, sprich Bürgermeister und Beigeordnete haben uns den Namen „Bienen-Kita“ verliehen und wir haben somit ein Alleinstellungsmerkmal erhalten.

Wie schon erwähnt, haben wir im Herbst 2021 eine große Frühblüher-Aktion für die (Wild-)Bienen initiiert. Dafür haben wir auch einen Flyer mit einer Auswahl an Bienenpflanzen erstellt. Dieser sollte dazu dienen, Eltern und Stadtbewohner darüber aufzuklären, warum diese Frühblüher so wichtig sind und warum die wilden Arten von Tulpen, Krokussen und Narzissen mit ungefüllten Blüten die bessere Wahl für Bienen darstellen. Dazu gab es eine kleine Tüte mit Blumenzwiebeln. 

Außerdem sind wir über den Förderverein mit unserem Bienen-Anliegen nun stets auf allen Stadtmärkten und Feierlichkeiten vertreten. 

Sag JA! zur Biene

Wofür haben Sie das Preisgeld verwendet?

Das Preisgeld war leider sehr schnell ausgegeben, da wir schon im Herbst die Bioland-Gärtnerei in unserer Nähe beauftragt hatten, ein drei mal zwölf Meter großes Gartenstück mit mehrjährigen, winterharten, bienenfreundlichen Stauden zu füllen. Zudem haben wir einen Apfelbaum und einen Faulbaum für den Kita-Garten gekauft. Mit dem restlichen Geld haben wir torffreie Pflanzerde besorgt. 

Ein Apfelbaum für den Kita-Garten

Welche Pläne gibt es zurzeit für das Kita-Bienenprojekt?

Zuallererst sei zu sagen, dass die Bienen-Arbeit, also das Engagement rund ums Pflanzen, Aufklärung betreiben, Mitstreiter finden, Politiker ansprechen, neue große Aktionen anlaufen lassen etc. neben unserem eigentlichen Beruf hier in der Kita kaum möglich ist. Unmengen privater Stunden sind in unser Projekt eingeflossen. Zudem muss der angelegte Bienengarten samt Schaugarten und großem Staudenbeet gepflegt, gewässert und bearbeitet werden. Wegen der großen Hitze fand das im Sommer ganz früh morgens oder ganz spät abends statt, also ohne Kids.
Um ehrlich zu sein, war mir und uns nicht bewusst, wieviel Zeit allein der  Bienengarten braucht. Trotzdem wird es weitergehen!

Das Kitajahr endet und beginnt immer im Sommer. Schulanwärter gehen und mit ihnen auch einige sehr engagierte Eltern. Doch neue Schulanwärter und deren Eltern werden wieder bienenfreundlich „geschult“. Wir blicken zuversichtlich voraus und wollen die Eltern künftig noch mehr in unsere Bienen-Arbeit einbinden. Viele Pflanzen sind gesetzt und das Bienengarten-Buffet angerichtet – jetzt muss alles nur noch kräftig heranwachsen. 

Unsere Ideen gehen dahin, dass wir unsere Bienen-Pflicht immer mehr und immer bodenständiger vermitteln wollen, sowohl in unserer Stadt als auch in der Umgebung. Wir wollen uns mit den drei anderen städtischen Kitas vernetzen. Das braucht Zeit. Unser Anfangstempo hat bis hierhergeführt – nun muss erst einmal einiges in Ruhe wachsen. Wir werden die Kinder und Eltern weiterhin auf die prekäre Situation der Bienen hinweisen und miteinander aktiv bleiben.

 Bürgermeisteraktion mit den Kita-Kids auf dem Wochenmarkt

Konnten Sie durch #beebetter Kontakte mit anderen Bienenhelfern knüpfen?

Nein, dafür fehlt uns im Moment einfach Zeit und vor allem jemand, der sich neben der eigentlichen Kita-Arbeit dafür Zeit nimmt. Unser hauptsächliches Projektziel ist erst einmal unsere Stadt. Hier müssen wir noch viel Überzeugungsarbeit leisten und über die Kinder einen gesunden Naturgeist demonstrieren. Die Initiative #beebetter ist insofern ein gewisses „Aushängeschild“ für uns, weil die Initiatoren deutschlandweit agieren und bekannt sind.

Wir haben hier vor Ort Kontakt mit dem NABU aufgenommen und Unterstützung angefragt. Der erste Vorsitzende war sehr beeindruckt von dem, was wir über die Welt der Bienen wissen und wie rasant unser Kampf für die Bienen an Fahrt aufgenommen hat. "Das hätte eigentlich NABU tun müssen", so die Worte des Vorsitzenden. Er bedankte sich für unser Engagement und wies darauf hin, dass es zur Zeit keinen Bienenkundigen im hiesigen NABU-Verein gäbe. Aber wir bleiben dran und in Kontakt.

Glauben Sie, dass das Insektensterben in diesem Jahr an Aufmerksamkeit gewonnen hat?

Ich denke, es gibt viele Initiativen und viele naturbewusste Akteure und Projekte in Deutschland. Das Insektensterben ist sicherlich weit bekannt. Die, die naturbewusst leben und genauer hinschauen, werden auch weiterhin aktiv bleiben. Es braucht immer Vorreiter für Veränderungen, Vorbilder und Menschen, die verbindlich diesen Zielen entgegengehen. Wir selber haben erlebt, wie rasant eine Stimme nach draußen getragen werden kann. Burda und #beebetter haben uns gehört, verstanden und unterstützt. Dafür sind wir sehr dankbar, weil es zeigt, dass wir nicht alleine sind. Es gibt immer irgendwo Unterstützung und Hilfe und vor allem Lösungen. Gemeinsam packen wir weiterhin an! 

Was würden Sie sich im Namen der Bienen wünschen?

Mehr Bewusstsein für das große Ganze! Soll heißen: Regelkreisläufe beachten, bedenken und in entsprechendes Handeln um- und einsetzen. Der Einzelne kann sicherlich viel für Bienen tun und sollte das auch. Die politischen Schaltstellen können und könnten jedoch viel größere Wirkungskreise bedienen. Ohne die kleinen fleißigen Bienen geht schließlich gar nichts.

Unser Tipp

Gewinner der Kategorie „Jugend & Bildung“ 2021

Was als kleines Bienenprojekt für die Kita-Kinder der Villa Kunterbunt in Kirchheimbolanden begann, hat sich schnell zu einer großen Aktion mit vielen begeisterten Unterstützern entwickelt. Für das mitreißende Engagement erhält das Projekt „Sag Ja! zur Biene!“ den #beebetter-Award 2021 in der Kategorie „Jugend & Bildung“.

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