Aus der Zeitschrift MEIN SCHÖNER LANDGARTEN Februar/März 2020/ Text: Antje Sommerkamp

Für uns beginnt das Wildbienenjahr, wenn wir an einem sonnigen Februartag die ersten fleißigen Pollen- und Nektarsammler an Weidenkätzchen oder Elfen-Krokussen fliegen sehen. Neben den bekannten Honigbienen entdeckt man bei genauem Hinsehen auch die je nach Art kleineren und oft unscheinbarer aussehenden Wildbienen. Nicht zu übersehen sind die großen Hummelköniginnen, die ebenfalls zu den Wildbienen zählen, und sich – gerade aus der Winterstarre erwacht – an den ersten Blüten stärken, um dann ein Nest für ihren neuen Hummelstaat zu suchen. Die meisten Wildbienenarten dagegen sind Einzelgänger und leben nicht in Staaten. Sie überdauern den Winter und die darauffolgende Zeit oft nicht als erwachsenes Fluginsekt, sondern als Larve (Vorpuppe) in ihren Brutkammern, etwa in sandigem Boden oder Hohlräumen. Vom Zeitpunkt der Eiablage bis zur Entwicklung der jungen Bienen ist, bis sie schlüpfen, oftmals fast ein Jahr vergangen – etwa so, als würden wir nach der Geburt erst einmal 70 Jahre in einem geschlossenen Raum verbringen, bis endlich der richtige Zeitpunkt gekommen ist, ans Tageslicht zu gehen. Wann eine Biene ihre Brutzelle verlässt, ist je nach Art genau festgelegt. Früh dran sind beispielsweise die Gehörnte Mauerbiene und die Rostrote Mauerbiene, die Frühlings-Pelzbiene, einige Sandbienen-Arten und Holzbienen. Jetzt heißt es, genügend Nahrung in Form von Pollen und Nektar zu sammeln, sich zu paaren und für Nachwuchs zu sorgen. Viel Zeit bleibt ihnen dafür nicht: Die Lebenszeit als Fluginsekt währt bei vielen Arten nur wenige Wochen.

Fest umklammertes Pärchen der Gehörnten Mauerbiene

Die Nahrungssuche gestaltet sich nicht immer einfach. Denn etwa ein Drittel aller Wildbienenarten ist auf eine bestimmte Pflanzenfamilie oder sogar Pflanzenart spezialisiert, die genau zum Schlüpfzeitraum blüht. Damit gehen die Bienen dem Konkurrenzdruck durch andere Blütenbesucher aus dem Weg und die Blüten profitieren von einer effizienteren Bestäubung. Doch ist diese Pflanze in dem begrenzten Flugradius der Wildbienen nicht vorhanden, verhungern sowohl die Bienen als auch der Nachwuchs, der für seine Entwicklung stets einen Pollenvorrat in der Brutkammer braucht. Andere Arten sind beim Blütenbesuch weniger wählerisch, doch benötigen auch sie intakte, pestizidfreie Lebensräume mit Pollen- und Nektarspendern sowie Nistmöglichkeiten.

Im Laufe des Frühlings und Sommers schlüpfen immer neue Wildbienenarten, sodass wir viele Wochen lang unterschiedliche Insekten beobachten können. Manche langlebigen Tiere treffen noch auf den eigenen fliegenden Nachwuchs, je nach Art gibt es auch mehrere Generationen im Jahr. Im August schlüpft die Efeu-Seidenbiene, eine der letzten Wildbienen des Jahres. Sie paart sich, legt Eier und fliegt gemeinsam mit den Hummeln noch bis in den Herbst hinein.

Für uns geht das Wildbienen-Jahr damit zu Ende, für die nächste Wildbienen-Generation des kommenden Jahres fängt es jedoch erst an: Als voll entwickelte Larve warten viele Arten auf ihren nächstjährigen Schlüpfzeitpunkt. Manche, wie die Schwarze Keulhornbiene, überwintern als voll entwickelte Jungbiene, oft in Gruppen von bis zu 30 Insekten in selbst ausgehöhlten Stängeln von Königskerze, Holunder, Brombeere oder Distel. Daher lässt man trockene Pflanzenstängel über den Winter stehen, denn oft sind sie gefüllt mit überwinternden Wildbienen. Auch Nisthilfen sollte man nicht nach drinnen holen oder reinigen, denn darin steht die neue Generation oft schon in den Startlöchern.

Ein Wildbienen-Leben ist kurz, aber spannend!

Kaum geschlüpft, heißt es für die ersten Wildbienen des Jahres ihren Fortbestand zu sichern. In diesen Wochen kann man vermehrt fest umklammerte Pärchen, zum Beispiel Gehörte Mauerbienen, entdecken.

Nach Nistplätzen suchen dann die weiblichen Tiere, wie hier die Frühlings-Seidenbiene. Sie baut ihre Brutkammern in sandige Erde. Nebenbei wird fleißig Pollen und Nektar gesammelt, für sich selbst und als Vorratspäckchen, das mit jeweils einem Ei in die Brutkammern gelegt wird, als Nahrung für die heranwachsenden Larven. Wildbienen erleben selten, wie ihr Nachwuchs schlüpft, denn ihr Leben als Fluginsekt währt meist nur einige Wochen.

In Pflanzenstängeln, im Boden oder in Hohlräumen haben die meist voll entwickelten Larven als Vorpuppe (Ruhelarve) eine fast einjährige Wartezeit vor sich. Der Zeitpunkt, an dem sie schlüpfen, ist je nach Art streng festgelegt.

Wenn die ersten Wildbienen im Frühjahr nach dem langen Winter endlich aus ihren Brutkammern schlüpfen, brauchen sie rasch ergiebige Pollen- und Nektarquellen. Neben sonnenliebenden Frühblühern lockt das Lungenkraut Wildbienen an.Im späten Frühling schlüpfen zahlreiche Wildbienen-Arten und bereichern unsere Gärten, wenn diese naturnah gestaltet sind und keine Pestizide zum Einsatz kommen. Lauch-Arten stehen bei vielen Blütenbesuchern hoch im Kurs, wie hier der Zierlauch mit Akelei.

Zierlauch und Akelei

Im Frühsommer stehen die Blumenwiesen in voller Blüte. Auch im Garten können wir sie auf nährstoffarmem durchlässigem Boden aussäen. Achten Sie auf die richtigen Pflanzenarten, nicht alle Mischungen „für Bienen“ sind für Wildbienen optimal.

Der Spätsommer erfreut uns in den Beeten mit den schönsten Blütenfarben und auch Pollen- und Nektarsammler kommen auf ihre Kosten. Die Kugeldistel lockt Wild- und Honigbienen sowie Schmetterlinge an.

Blumenwiese in voller Blüte

Wildbienen vom Frühling bis zum Spätsommer

Im Frühling sind die frühen Wildbienen auf die richtigen Blüten angewiesen. Schlüsselblume und Schachbrettblume stehen auf der Skala der besten Pollen- und Nektarspender zwar nicht ganz oben, werden aber, vor allem wenn sonst noch wenig blüht, gerne von zeitig fliegenden Arten wie der Gehörnten Mauerbiene, Zweifarbigen Sandbiene, Frühlings-Pelzbiene sowie den ersten Hummeln besucht.

Unser Tipp

Frühstarter unter den Wildbienen

Einige Wildbienenarten, wie Hummeln, Mauerbienen und Sandbienen, sind hart im Nehmen und bereits früh im Jahr unterwegs - selbst bei Temperaturen, bei denen Honigbienen kein Beinchen vor den Stock setzen würden. Welche Wildbienenarten ab Februar, März und April umher fliegen, erfahren Sie hier.

Februar

Wildbienen sind auch bei Temperaturen unter 10 Grad unterwegs und bereits im Februar an frühen Blüten zu sehen. Die Gehörnte Mauerbiene schlüpft als erste im Jahr und baut bereits neue Brutkammern, etwa in bereitgestellte Nisthilfen im Garten. Nun stärken sich auch Hummelköniginnen wie die Dunkle Erdhummel an den Frühlingsblüten, um bald darauf einen neuen Staat zu gründen. Zu den besten Pollenspendern zählen jetzt Huflattich, Winterling, Hirtentäschelkraut, Botanischer Krokus, Schneeglöckchen sowie früh blühende Sträucher wie Haselnuss und Salweide.

März

In diesen Wochen schlüpfen jede Menge Wildbienenarten, darunter die Frühlings-Pelzbiene, die man an ihrem rasanten Flug und dunklen Summen erkennen kann. Sie nistet gerne in Mauerritzen. Unüberhörbar ist auch die Schwarze Holzbiene, die im milderen Klima vor allem in Süddeutschland häufig zu sehen ist. In abgestorbenem, trockenem Holz legt sie einzelne Brutkammern an. Angeflogen werden jetzt Lerchensporn, Pestwurz, Märzenbecher, Blausternchen, Lungenkraut, Wild-Tulpe, Botanische Narzisse, Kornelkirsche oder Schlehe.

April

Die Wildbienen im April fliegen auf Frühlingsblüher wie Spitz-Ahorn, Obstbäume, Löwenzahn oder Traubenhyazinthe. Die Buckel-Blutbiene ist eine sogenannte Kuckucksbiene, die ihre Eier in die fertigen Nester ihrer Wirtsbienen, den Furchenbienen, legt. Die Larven fressen den Pollenvorrat ihres unfreiwilligen Gastgebers auf. Die Weibchen der selten gewordenen Sechsbindigen Furchenbiene leben länger als andere Arten und treffen sogar auf den eigenen Nachwuchs, der im Hochsommer schlüpft. Nur die jungen Weibchen überwintern.

Mai

Im Mai erblühen viele Wildblumen wie Wiesen-Glockenblume, Klee, Klatsch-Mohn, Lerchensporn, Lichtnelke, Flockenblume und auch Brombeere, Hecken-Rose und Weißdorn. Viele Wildbienen wie die Schwarze Keulhornbiene lieben blühende Magerwiesen. Die häufige Art nagt Brutkammern in die markhaltigen Stängel von Brombeere, Holunder, Distel oder Königskerze. Bei der Rainfarn-Maskenbiene verrät der Name ihre Lieblingspflanze. Mit Rainfarn locken Sie auch andere Wildbienenarten in den Garten, die auf diese Pflanze spezialisiert sind.

Juni

Bei vielen Wildbienenarten schlüpft jetzt die erste Generation des Jahres, bei manchen bereits die zweite. Nun ist die Zeit der Frühsommerblüher wie Kugeldistel, Moschus-Malve, Natternkopf, Wegwarte, Ringelblume, Kornblume, Thymian, Schafgarbe und Bart-Nelke – Wildbienen-Magneten, die oft wochenlang blühen. Die Garten-Wollbiene baut ihre Brutzellen mit Pflanzenwolle, die sie z. B. auf den pelzigen Blättern vom Woll-Ziest sammelt. Die Gewöhnliche Löcherbiene nimmt durch Wippen des Hinterleibs Pollen auf. Sie ist auf Korbblütler spezialisiert.

Juli

Wer Blut-Weiderich im Garten hat und in wärmeren Regionen Deutschlands wohnt, kann im Juli mit etwas Glück die Blutweiderich-Langhornbiene beobachten. In der Natur ist sie auf Feuchtwiesen zu Hause. Ihre Brutgänge gräbt sie in lockeren Sandboden. Ebenfalls eine bodennistende Art ist die Filzbindige Seidenbiene. Sie bevorzugt sonnige Sandflächen und ist auf Korbblütler angewiesen. Damit immer etwas blüht, füllen Sie im Garten Blühlücken etwa mit Indianernessel, Mannstreu, Stockrose, Sonnenhut, Alant und Karde.

August

Die Ackerhummel kann man besonders lange beobachten: Die Hummelkönigin ist schon im März unterwegs, die Arbeiterinnen fliegen bis November. Der Hummelstaat wird oft in Mäusegängen, Vogelnistkästen oder im Komposthaufen gegründet. Die Efeu-Seidenbiene gehört zu den späten Arten. Sie schlüpft im August und fliegt noch im Oktober. Die relativ große Wildbiene (14 mm) sammelt ausschließlich an Efeublüten Pollen und Nektar. Über Engelwurz, Bartblume, Fetthenne, Herbst-Aster und Besenheide freuen sich andere späte Blütenbesucher.

Unser Tipp

Mein schöner Landgarten

Dieser Artikel ist das Werk der Garten- und Wildbienenexpertin Antje Sommerkamp. Weitere Artikel über Wildbienen sowie viele Gartentipps, Dekoideen und Anregungen für den Naturgarten finden Sie in der Zeitschrift Mein schöner Landgarten.

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