Der Inhalt kurz und knapp

In einem entlegenen mazedonischen Dorf steigt Hatidze, eine etwa 50-jährige Frau, täglich einen Berghang hinauf. Sie macht sich auf den Weg zu ihren zwischen den Felsspalten lebenden Bienenvölkern. Ohne Schutz für Gesicht Hände entnimmt sie sanft die Honigwaben und singt dabei ein uraltes Lied. Zurück auf ihrem Bauernhof kümmert sich Hatidze um ihre handgemachten Bienenkörbe und ihre bettlägerige Mutter. Gelegentlich fährt sie in die Hauptstadt, um ihren Honig und die Körbe zu verkaufen. Eines Tages lässt sich eine Nomadenfamilie auf dem Nachbargrundstück nieder und in Hatidzes beschauliches Bienenkönigreich ziehen schallende Motoren, sieben kreischende Kinder und 150 Kühe ein. 

Doch Hatidze freut sich über die neue Gesellschaft und lässt weder sich stören noch in ihrer bewährten Imkerei oder ihrer Zuneigung zu den Tieren beeinflussen. Doch bald trifft Hussein, das Oberhaupt der zugezogenen Familie, Entscheidungen, die Hatidzes Lebensweise für immer zerstören könnten. 

Die Produzenten Tamara Kotevska und Ljubomir Stefanov im Interview

Wie entstand die Idee zum Film „Land des Honigs“?

Ljubomir Stefanov: "Es ist nicht unser erster Film mit einem Umweltthema. Tamara und ich beendeten gerade unser vorheriges Projekt „Lake of Apples“, ebenfalls eine Umweltdokumentation, aber doch sehr anders als „Land des Honigs“. Damals wurden wir für ein mazedonisches Naturschutzprojekt beauftragt, das von der Schweizer Agentur für Entwicklung und Zusammenarbeit finanziert wurde. Wir sollten einen kurzen Dokumentarfilm über ein Gebiet am unteren Abschnitt des Flusses Bregalnica produzieren. Es ist ein längst verlassener Ort mit mehreren unbewohnten Dörfern. Wir begannen dort mit unserer Recherche und trafen bald auf Hatidze. Zusammen mit ihrer Mutter ist sie eine der letzten Bewohnerinnen des Dorfes Bekirlija. Sofort war klar, dass sie unsere Geschichte sein würde."

Welchen persönlichen Bezug haben Sie zum Film?

Ljubomir Stefanov: " Wir sind zwei Autoren. Jeder von uns hat seine eigenen Ansichten. Ich kann nur für mich sprechen. Ich habe viele Erfahrungen mit Umweltthemen, fast 20 Jahre lang. Nicht nur mit Dokumentationen, sondern auch mit anderen Formen der Kommunikation über Umweltthemen, und wie sich diese lösen lassen. Aber die Arbeit an diesem Projekt war eine andere Erfahrung als alles, was ich zuvor gemacht habe. Über eines der größten Umweltprobleme zu sprechen, mit denen wir heute konfrontiert sind - die Überbeanspruchung natürlicher Ressourcen - durch eine persönliche Lebensgeschichte einer Person, ist eine andere Herangehensweise an die Themen, über die wir hier sprechen. Natürlich kann die Natur nicht durch einen Dokumentarfilm dargestellt werden. Auch der Dokumentarfilm kann die Welt nicht verändern. Umweltthemen oder „Umweltideen“ sind heutzutage sehr im Trend. Manchmal fühle ich mich unwohl, wenn ich gebeten werde, darüber zu sprechen. All die Proteste, Gretas, Bewegungen, Dokumentationen... es ist alles umsonst. Die Probleme können nicht gelöst werden. Es ist klar, dass es immer schlimmer werden wird. Es ist nur ein Film, eine echte Geschichte, die irgendwo zu einem bestimmten Zeitpunkt passiert ist. Obwohl einige Umweltprobleme angesprochen werden, ist die Lösung dieser Probleme nicht der Zweck des Films"

Während des Drehens, konnten Sie viele Eindrücke gewinnen. Welcher Moment hat Sie besonders bewegt?

Tamara Kotevska: "Etwa 100 Drehtage über einen Zeitraum von drei Jahren gemeinsam zu verbringen, ist eine lange Zeit. Man hat genug Zeit, um eine Beziehung zu den Protagonisten aufzubauen. Es ist ein Sache des Vertrauens, aber es gibt auch Erwartungen, die nicht immer klar sind. Für mich persönlich war der schwerste emotionale Moment, den Tod von Nazife, Hatidzes Mutter, zu drehen."

Wie definieren Sie selbst die Message des Films?

Tamara Kotevska: "Die Hauptbotschaft des Films ist die faire Nutzung der Natur. Nimm was du brauchst, aber überlasse auch genug demjenigen, der dir gibt. Teilen! Wir haben in der ersten Filmwoche die Szene gedreht, in der Hatidze mit den Bienen spricht und zu ihnen sagt: „Eine Hälfte für mich und eine Hälfte für dich“. Es war klar, dass das unser Ausgangspunkt ist. Die gleichmäßige Aufteilung der Ressourcen zwischen Nutzern (Menschen) und Anbietern (Natur) ist eines der Millenniumsziele der UNO, um die Ernährungssicherheit zu gewährleisten. Aber für mich ist das Wichtigste, dass der Film zeigt (es ist keine direkte Botschaft), wie die Gier auf einer sehr grundlegenden Ebene funktioniert. Gier ist die Ursache aller Umweltprobleme."

Waren die Bienen die größte Herausforderung am Set?

Ljubomir Stefanov: "Nun, da es im Film nicht nur um die Bienen geht, waren sie eigentlich nicht die Herausforderung. Wir trugen während der Dreharbeiten nicht einmal einen Schutz. Unsere größte Herausforderung waren der Aufbau und die Pflege der Beziehung zu Hatidzes und Sams Familie. Wir waren vier Personen (zwei Regisseure und zwei Kameramänner) und der Vertrauensaufbau und die Beziehung zu den Protagonisten war ein komplexer und individueller Prozess. Bei Sam war zum Beispiel am Anfang jeder Auftritt wie ein erstes Kennenlernen. Auch die Entscheidung, nicht in kritische Situationen einzugreifen, wie z.B. beim Ertrinken eines kleinen Mädchens oder wenn eine Biene das Baby sticht, war sehr heikel. Vor allem aus ethischer Sicht."

Sie haben drei Preise beim „Sundance“ Filmfestival gewonnen, haben Sie mit diesem Erfolg gerechnet?

Tamara Kotevska: "Wir haben es nicht erwartet. Es war eine große Überraschung für uns alle. Wir verbrachten drei Jahre mit Dreharbeiten, und eines davon im Schnitt, völlig isoliert. Sundance ist jetzt fast ein Jahr her. Auf das, was mit uns geschieht, waren wir nicht vorbereitet. Aber wir bestreiten den Weg."

Warum sollte man sich Ihren Film ansehen?

Ljubomir Stefanov: "Diese Frage lässt sich schwer beantworten. Film kann Unterhaltung und  Kinoerlebnis sein, was bedeutet, dass er einfach ein Kunstwerk ist. Ich glaube, dass “Land des Honigs” letzteres ist. Und es gibt keine Antwort, warum wir Kunst konsumieren."

 

Auf einen Blick

Land des Honigs

Ein Film von Tamara Kotevska und Ljubomir Stefanov 

Mit Hatidze Muratova und vielen Bienen

Ab dem 21. November 2019 läuft der Film in ausgewählten Kinos. Auf der Homepage zum Film findet man alle Kinos in der Nähe. 

Mazedonien 2019, Länge: 85 Min.

Kinokarten zu gewinnen

Wir verlosen 2 x 2 Freikarten für Filmvorstellung in ganz Deutschland. Bis zum 9. Dezember 2019 mitmachen und mit etwas Glück gewinnen! Um an der Verlosung teilzunehmen, brauchen Sie nur das Teilnahmeformular unten auszufüllen. Alternativ können Sie uns eine Postkarte mit dem Stichwort "Land des Honigs" an folgende Adresse schicken:

Burda Senator Verlag GmbH
Hubert-Burda-Platz 1
77652 Offenburg