Der Bienennutzgarten - das steckt dahinter

Auf der Seite bienennutzgarten.de sticht, neben Infos zum Leben verschiedener Wildbienen und Überlegungen zu den Ursachen des Insektensterbens, eines ganz besonders hervor: Ein Pflanzenfinder, der auf wildbienenfreundliche Pflanzen spezialisiert ist und hilft, passende Begrünung für Garten, Balkon oder Terrasse zu finden. Im Moment gibt er Auskunft über 219 Pflanzen, soll aber noch erweitert werden. Die Pflanzen können nach verschiedenen Attributen gefiltert werde, auf diese Weise kann man gezielt Gewächse für den gewünschten Standort und gewisse Gegebenheiten finden. Stichworte sind z.B. Standort, Wasseranspruch, Bodenbeschaffenheit, Pflanzenkategorie, Verwendung und viele mehr. 

Maßnahmen für den Bienenschutz

Der Pflanzenfinder ist entstanden, weil Familie Hampe vor zwei Jahren selbst einen Garten angelegt hat und dafür bienenfreundliche Pflanzen verwenden wollte, um sie, wo immer es möglich war, zu integrieren. Das reicht von Hecken, Spritzschutzstreifen am Haus und dem Spielhügel bis zur Meerschweinchenwiese. "Wir lassen aber, was meiner Meinung nach das wichtigste ist, auch viel Wildwuchs, wie z.B. Taubnesseln, Disteln usw. zu", erzählt Martin Hampe. "Im Grunde darf bei uns momentan überall wachsen, "was will". Da der Garten erst vor zwei Jahren angelegt wurde, sieht man gerade bei Büschen, Bäumen und Hecke natürlich noch nicht so viel. Aber er ist ja auch für die Zukunft angelegt."

"Weil wir zwei Kinder (2 und 6 Jahre) haben, ist es aber natürlich auch wichtig, dass die beiden Bereiche zum Spielen haben. Ein kompletter Naturgarten ist also (noch) nicht möglich. So kam es zur Verbindung von Bienen- und Nutzgarten, was letztendlich zum Namen "bienennutzgarten.de" geführt hat." Martin Hampe ist es wichtig zu zeigen, dass (Wild)bienenschutz im Garten auch mit Kindern funktioniert, da Wildbienen sehr friedfertig sind. "Meine Kinder leben mit den Bienen und wurden bis jetzt nicht gestochen. Auf dem Spielhügel ist zum Beispiel ca. 0,5 m von der Rutsche entfernt, ein Hummelnest und keiner, weder Kinder noch Hummeln, fühlt sich gestört."

Spielhügel mit Nachtviole und Klatschmohn (das Hummelnest ist ca. 0,5 m hinter der Rutsche)

Seine Erfahrungen, Recherche und Erkenntnisse bündelt der engagierte Hobbygärtner auf der Seite bienennutzgarten.de. Im Grunde soll aber vor allem eins verdeutlicht werden: Um effektiven Wildbienenschutz zu betreiben, ist Vielfalt im Hinblick auf Pflanzen und Lebensraum das Allerwichtigste. Vor allem weil einzelne Wildbienenarten auf bestimmte Pflanzen und Lebensräume spezialisiert sind und diese nur durch eine vielfältige sowie eine gezielte Auswahl an Pflanzen gefördert werden können. Alle Informationen, die es auf der Seite zu Wildbienen gibt, laufen im Endeffekt auf dieses große Ziel hinaus. Dass sich im Garten von Familie Hampe nicht nur Wildbienen sondern auch zahlreiche andere Tiere wohlfühlen ist ein wunderbarer Nebeneffekt. Schon bei einem kurzen Streifzug mit der Kamera lassen sich allerlei Insekten entdecken. 

"Das Insektensterben habe ich auf der Homepage thematisiert, damit die Menschen verstehen, warum Gärten für den Schutz von Wildbienen bzw. Insekten im Allgemeinen so wichtig sind. Gerade bei uns im Thüringer Becken, wo es eine hohe landwirtschaftliche Nutzung gibt, stehen auf Feld und Flur ab dem Hochsommer kaum noch Nektar- und Pollenquellen zur Verfügung. In dieser Zeit rücken Privatgärten, Balkone und Terassen noch mehr in den Fokus als ohnehin schon."

Unterstützung

"Über das Thema finanzielle Unterstützung habe ich mir noch keine großen Gedanken gemacht. Es gibt auf der Seite Affiliate-Links, über die ich Einnahmen generieren kann. Diese dienen zunächst dem Unterhalt der Seite, den ich aus eigener Tasche bezahle. Mir schwirrt im Kopf auch noch die Idee eines online-Games rum. Ob sich das realisieren lässt, wird die Zeit zeigen", so Martin Hampe.

Zum Thema Austauch und Tipps gab es bereits Anfragen. Zum Beispiel rufen Firmen an, um sich zu erkundigen, wie sie ihr Firmengelände wildbienenfreundlicher gestalten können. Oder Martin Hampe wird selbst auf Pflanzen hingewiesen, die er noch nicht kannte. "Zum Beispiel steht in unserem Garten jetzt zu Testzwecken die Silpie, auf die mich ein Herr Müller aufmerksam gemacht hat, der sich mit dieser Pflanze intensiv beschäftigt hat." Darüber gab es auch einen Beitrag bei Facebook und Instagram. Auf diesen Kanälen läuft zudem eine Kooperation mit einem befreundeten Naturfotografen, bei der auf verschiedene Pflanzen hingewiesen wird. Zusammenarbeit und Austausch ist auf vielen Wegen möglich und führt bestenfalls zu neuen Bienenprojekten. "In der Schule meiner Tochter soll im Rahmen des Schulgartenunterrichtes im nächsten Jahr ein Wildbienengarten etabliert werden, dort werde ich aktiv mitwirken."

Martin Hampe in seinem Bienennutzgarten

Im Gespräch mit Martin Hampe

Was war Ihnen wichtig bei der Erstellung Ihrer Homepage, was war das Ziel?

Ich habe im Grunde das Hilfsmittel erstellt, dass ich mir bei der Gestaltung unseres eigenen Gartens vor ca. 3 Jahren gewünscht hätte. Wir haben viele Abende mit Recherchen verbracht, welche Pflanzen überhaupt geeignet sind, um dann festzustellen, dass viele Angebote im Netz eher auf Honigbienen ausgerichtet sind und die Wildbienen zu kurz kommen. Zudem fehlten meistens die Informationen zu verschiedenen Eigenschaften (Boden, Standort usw.) von Pflanzen und diese waren, wenn überhaupt, nur auf unübersichtlichen Listen dargestellt. Es war mein Anliegen, dass alles zu vereinen und allen anderen Bürgerinnen und Bürgern kostenfrei zur Verfügung zu stellen.

Seit wann beschäftigen Sie sich mit dem Thema Bienen- und Insektenschutz? Wie sind Sie darauf aufmerksam geworden?

Eigentlich erst seit drei Jahren. Wir sind zu diesem Zeitpunkt mit dem Bau unseres Einfamilienhauses fertig gewesen und hatten das erste Mal die Freiheit, einen Garten nach unseren Vorstellungen zu gestalten. Die Gartengestaltung sollte Vogel- und Insektenschutz vereinen. Ich bin darauf aufmerksam geworden, da ich die Probleme jeden Tag live mitbekomme. Wenn man ohne Smartphone durch die Landschaft läuft, beobachtet man so einiges, wofür die meisten Leute heutzutage keinen Blick mehr haben.

Seit wann beschäftigen Sie sich mit bienenfreundlichen Pflanzen?

Durch die vielen Berichte in den Medien, die auf das Bienensterben hinwiesen, hat sich unsere Gartenplanung in Richtung bienenfreundliche Pflanzen entwickelt. Ich habe sehr viel recherchiert und wenn man sich genauer mit dem Thema beschäftigt, kommt man zur Erkenntnis, dass eben nicht vorrangig die Honigbienen schützenswert sind, sondern Wildbienen. Die Zahl der Honigbienenvölker ist ja seit einigen Jahren zunehmend.

Wie haben Sie sich darüber informiert?

Natürlich im Internet und über Fachliteratur. Außerdem habe ich, auf Empfehlung des Thüringer Entomologenverbandes, Kontakt zum Wildbienenexperten Frank Creutzburg aufgenommen. Das Gespräch mit ihm hat mir das Feld der Wildbienen erstmals richtig begreiflich gemacht.

Kann man Ihren Bienennutzgarten besuchen?

Meine Frau reißt mir den Kopf ab, wenn ich Besucher in unseren Garten lasse. Nein, im Ernst, leider ist das schwierig. Wir arbeiten beide in Vollzeit und haben zwei Kinder. Der Vater meiner Frau hat einen Nebenerwerb mit aktuell 100 Schafen (bedeutet Koppel bauen, Heu machen etc.) und ich habe Großeltern (beide über 80 Jahre) die noch Gemüseanbau im 3000 m² Garten und auf dem Feld betreiben. Dazu gibt es auch noch Schafe, Hühner, Kaninchen usw. Und da ich der einzige Enkel bin, habe ich auch dort nebenbei genug zu tun. Die Zeit ist also rar gesät.

Welche Maßnahmen für Wildbienen setzen Sie in Ihrem Garten noch um? 

Ich habe Nisthilfen (Nistgänge in Holz) zur Verfügung gestellt, die in verschiedensten Durchmessern gut belegt sind. Wir haben aktuell zwei Hummelnester, über die ich mich ganz besonders freue, denn Hummeln haben es mir irgendwie angetan. Zudem konnte ich auf dem Spielhügel viele erdnistende Bienen beobachten. Es dürfte also eine erhebliche Anzahl an Arten sein, die sich bei uns wohl fühlt. Mir geht es allerdings nicht um die genauen Arten, denn ich freue mich über alles, was an mir vorüberfliegt oder kriecht. Wir hatten dieses Jahr sehr viele heimische Marienkäfer, wir bekommen regelmäßig Besuch von Hornissen, es brüten Schwalben, Spatzen an unserem Haus und es gibt Heupferde, Wanzen, Spinnen und viele mehr. Man sollte bei der ganzen Öffentlichkeitsarbeit für Bienen das große Ganze nicht aus den Augen verlieren.

Haben Sie einen Rat für andere Bienen-Schützer?

Viele Bekannte sagen immer, dass man als Einzelner doch eh nicht viel machen kann und dass die Politik da doch etwas unternehmen müsse. Wenn ich mir unseren Garten anschaue, sehe ich das Gegenteil. Auch kleine Beiträge können eine Menge bewirken. Und wenn wir auf die Politik hoffen sollen, dann können wir meiner Ansicht nach lange warten.

Unser Tipp
Logo Bienennutzgarten

Pflanzenfinder

Logo Bienennutzgarten

Sind Sie auf der Suche nach bienenfreundlichen Pflanzen für Garten oder Balkon? Dann empfehlen wir Ihnen, den Pflanzenfinder von Martin Hampe zu Rate zu ziehen. Aktuell gibt dieser Auskunft über 219 Pflanzen, soll aber noch weiter ausgebaut werden. Dank Filterfunktion kann die Suche verfeinert werden, z.B. nach Standort, Wasseranspruch, Bodenbeschaffenheit, Pflanzenkategorie oder Verwendung. Der Pflanzenfinder soll ein Hilfsmittel sein, um Laien bei der Suche nach (wild-)bienenfreundlichen Pflanzen zu unterstützen. Probieren Sie es aus!