Kurz und knapp

Der BUND Niedersachsen führt gemeinsam mit vier Partnerfriedhöfen Maßnahmen zur Steigerung der Biodiversität auf urbanen Friedhöfen durch. Auf den Friedhöfen werden die Lebensbedingungen für Insekten verbessert, indem heimische und standortgerechte Pflanzen verwendet werden. Mit Exkursionen, Schulungen, Bestimmungskursen und Infomaterial führt der BUND Interessierte in die spannende Welt der Wildbienen.

Beweggründe & Beschreibung

Friedhöfe sind Räume für Trauer, Erinnerung und Besinnung. Doch auch als Rückzugsort für Pflanzen und Tiere in der Stadt spielen sie eine große Rolle. Die oft parkähnlichen Anlagen zeichnen sich durch ein Mosaik unterschiedlicher Lebensräume aus. Neben Hecken, Staudenbeeten und Bäumen verfügen sie oft über ungenutzte Flächen, welche als Rasen angelegt werden. Eine akkurat gepflegte Grünfläche bietet Insekten – wie den Wildbienen – keine Nahrung oder Nistmöglichkeit. Auch auf Gräbern und Rabatten werden häufig Zierpflanzen verwendet, die ebenfalls kaum Mehrwert für die heimische Tierwelt haben.

Im Zuge des Projektes "Ökologische Nische Friedhof" werden von September 2017 bis September 2020 auf vier großen „Vorzeige“-Friedhöfen in Niedersachsen Maßnahmen durchgeführt. Das Projekt umfasst die Bestandserfassung von Wildbienen, Planung und beispielhafte Umsetzung von praktischen Maßnahmen zur ökologischen Aufwertung von Friedhofsflächen und verbessert so langfristig die sekundären Lebensräume im urbanen Raum. Durch öffentlichkeitswirksame Maßnahmen (Schulungen, Seminare und Veranstaltungen), sollen die Besucher und Beteiligten für das Thema Wildbienen und biologische Vielfalt sensibilisiert werden. Nach Projektende wird eine umfangreiche Broschüre zur Verfügung stehen, die weiteren interessierten Friedhöfen und Nutzern die Umsetzung von Artenschutzmaßnahmen detailliert beschreibt.

Auf dem Stadtfriedhof Stöcken wurde im Dezember 2018 eine Streuobstwiese mit alten Kultursorten angelegt. Die Pflanzung erfolgte gemeinsam mit der Inklusionsklasse der benachbarten Gesamtschule. Seit März 2018 liegen die Ergebnisse der biologischen Erfassung auf den Friedhöfen vor. Je Friedhof konnten zwischen 54 und 85 Wildbienenarten nachgewiesen werden. Auch seltene und stark gefährdete Arten wurden entdeckt. In Absprache mit der Friedhofsleitung werden für jeden Friedhof Identifikationsarten ernannt, die sinnbildlich für die biologische Vielfalt stehen sollen. Auf Infotafeln werden Friedhofsbesucher über Maßnahmen und Artenvielfalt informiert.

Ein besonderer Schwerpunkt des Projektes liegt in Veranstaltungen zur Weiterbildung der Mitarbeiter*Innen der Friedhöfe im Bereich Biologische Vielfalt und zur Förderung ehrenamtlich und privater Wildbieneninteressierter. Bei den Auftaktveranstaltungen im April 2018 nahmen etwa 200 Personen teil und konnten bei den ersten Maßnahmenumsetzungen mit anpacken. Bislang fanden 10 Exkursionen zu Wildbienen auf Friedhöfen statt, bei denen im Schnitt zwischen 25 und 50 Teilnehmer*Innen dabei sind. Für die Mitarbeiter*Innen der Friedhöfe wurden im Februar und März zwei Schulungen zum Thema „Bienenweiden auf Friedhöfen“ (Stauden und Gehölze für Wildbienen, Anlage blütenreicher Wildblumenwiesen) in Braunschweig und Göttingen angeboten. An den offenen Veranstaltungen nahmen zudem Vertreter*Innen weiterer Kommunen sowie ehrenamtliche Naturschützer teil. Im März 2019 wurden vier Bestimmungskurse „Wildbienen spielerisch kennenlernen“ für jeweils 20 Personen angeboten. Aufgrund der hohen Nachfrage werden bis Projektende noch 8 weitere Kurse folgen.

Der im Projekt erstellte Flyer „Blühende Friedhöfe“ soll Friedhofsgärtner*Innen und private Nutzungsberechtigte ermutigen bei der Anlage und Pflege von Gräbern verstärkt auf heimische Wildstauden zu setzen. Die umgesetzten Mustergrabkonzepte zum Download findet man auf der Homepage des BUND Niedersachsen.

Aktueller Stand

Bislang wurden auf den vier Friedhöfen zusammen 2000 m² artenarme Scherrasen in extensive Blühflächen umgewandelt. Hierbei wird ausschließlich zertifiziertes, regionales Saatgut verwendet. Diese Flächen werden sich in den Folgejahren zu blütenreichen Wiesen entwickeln mit einer ein- bis zweischürigen Mahd.

Auf allen Friedhöfen sind jeweils vier Mustergrabanlagen angelegt worden, auf denen ausschließlich heimische, wildbienenfreundliche Wildstauden gepflanzt wurden. Insgesamt zwölf unterschiedliche Konzepte laden zum Nachahmen ein. Besonders berücksichtigt werden Pflanzen mit besonderer Bedeutung für spezialisierte (oligolektische) Wildbienen.

Das Projekt „Ökologische Nische Friedhof“ lebt von einem starken Netzwerk und der Einbindung von Experten wie auch von Ehrenamtlichen. Dank großer Resonanz der öffentlichen Medien wurde landesweit vom Projekt berichtet und mehrere Friedhöfe und Gemeinden konnten zu Möglichkeiten der Steigerung der Biodiversität im Stadtgrün beraten werden. Gemeinsam mit dem Haus kirchlicher Dienste wurde im Mai 2019 eine Schulung für kirchliche Friedhöfe angeboten.

Weitere Infos

Ökologische Nische Friedhof

 

Das Projekt "Ökologische Nische Friedhof" ist Preisträger 2018 des "Projekt Nachhaltigkeit" der Regionalen Netzstelle Nachhaltigkeitsstrategien.

Projektname: Ökologische Nische Friedhof

Mitstreiter/Teilnehmer:

Vier Projektfriedhöfe

  • Stadtfriedhof Braunschweig
  • Parkfriedhof Junkerberg
  • Stadtfriedhof Stöcken
  • Waldfriedhof Lüneburg

Homepage: bund-niedersachsen.de

Kontakt: [email protected]