Das Projekt - kurz & knackig

Weilheim ist ein Stadtteil von Hechingen im Zollernalbkreis zwischen Tübingen und Balingen in Baden-Württemberg. Damit sowohl der Ortskern als auch die Umgebung in Zukunft im wahrsten Sinne des Wortes erblühen, hat der Ortschaftsrat Ende 2019 beschlossen, Kommunalflächen umzugestalten und Blühflächen festzulegen. Durch gemeinschaftliche Pflanzaktionen haben die Weilheimer bereits eine rund 6000 m² in blühende Areale verwandelt, die einer Vielfalt an Insektenarten und heimischen Wildtieren als Rückzugsort und Lebensraum dienen. 

"Es summt und brummt - ein Dorf denkt um – alle Anwohner und Anwohnerinnen sind aufgerufen mitzuwirken und sich je nach Interesse an den einzelnen Projekten zu beteiligen“, sagt Ortsvorsteher Gerd Eberwein.

Beweggründe

Hechingen-Weilheim ist ein landwirtschaftlich geprägter Ort und soll es auch bleiben. "Deshalb sind wir verpflichtet, unsere Kulturlandschaft zu pflegen, naturnahen Lebensraum zu schaffen und zu erhalten – auch für künftige Generationen“, so der engagierte Initiator. Nicht nur die Wacholderheiden, Streuobstwiesen und Blühstreifen der ansässigen Landwirte müssten biologische Vielfalt entstehen lassen, sondern auch kommunale Flächen. „Dabei sollen mindestens 50% der Pflanzung aus heimischen Arten bestehen, um den Wildbienen unserer Region genügend Nahrung zu bieten.“

"Schon immer lag mir der Erhalt der Artenvielfalt am Herzen. Nach meiner Wahl zum Ortsvorsteher im Jahr 2019 war dies eine der ersten Ideen, die ich in den Ortschaftsrat eingebracht habe."

Projektbeschreibung

Pflanzaktionen

Um Blühflächen zu erhalten, hat die Dorfgemeinschaft mehrere Pflanzaktionen organisiert - ganz nach dem Motto "Weilheimer für Weilheim". Im Zuge dessen wurden bereits einige innerörtliche kommunale Grün- und Brachflächen erfolgreich umgestaltet. „Mit dem Projekt „Weilheimer Artenvielfalt“ begannen wir im Herbst 2019, mit der Entscheidung des damals neu gewählten Ortschaftsrates, kommunale Flächen zum Lebensraum für biologische Vielfalt festzulegen“, erzählt Gerd Eberwein. Seither wurde eine Verkehrsinsel im Dorf mit rund 250 Stauden und 250 Blumenzwiebeln bepflanzt. Im Rahmen des Projektes "Artenvielfalt auf öffentlichen Grünflächen im Zollernalbkreis" hat dieses Projekt sogar einen Anerkennungspreis in Höhe von 1000 Euro gewonnen. Auch eine Grünfläche von 70 m² am Kapellenberg wurde mit etwa 500 Stauden versehen und zuletzt sind noch 400 Blumenzwiebeln hinzugekommen. Die bisherige Rasenfläche in der Dorfmitte mit ca. 500 m² haben die Weilheimer zudem in eine natürliche Blühwiese umgewandelt und noch dazu eine Sandsteintrockenmauer errichtet, die Insekten sowie Reptilien als Nistplatz und Lebensraum dienen soll. Auch die Streuobstwiesen des Dorfes pflegen 55 freiwillige Helferinnen und Helfern gemeinschaftlich.

„Fachlich unterstützt werden wir von Herrn Zehnder, dem Obst- und Gartenfachberater des Zollernalbkreises, sowie seinen Kollegen im Landratsamt. Die Baumfachwarte des Zollernalbkreises standen uns bei der Pflege der Streuobstwiesen zu Seite und der ortsansässige Imker Werner Stauß unterstützt das Projekt mit seinem Fachwissen“, so Gerd Eberwein.

Naturnahe Lebensräume & Nistplätze

Aus dem Schnittgut der Streuobstwiesen sind Totholzhaufen entstanden. Zusätzlich stehen für den Bienen-Nachwuchs bewuchsfreie Böschungen und Trockenwiesen im FFH-Schutzgebiet der Weilheimer Gemarkung sowie die beim Kinderprojekt gebauten Nisthilfen zur Verfügung. „Wir sind außerdem dabei, im Ort eine Blühfläche mit einer Trockenmauer in terrassenförmiger Steinstruktur mit geeigneter Bepflanzung und Steinriegel für Reptilien zu erstellen.“

Aufklärungsarbeit & Mitmach-Aktionen

Um die Weilheimer über die Bedeutung der natürlichen Vielfalt und die Rolle von Bienen und anderen Insekten zu informieren, wurden Infoflyer zusammen mit Wildblumensamen des Nabu Baden-Württemberg an sämtliche Haushalte vor Ort verteilt. Auch die Weilheimer Kinder haben selbst gestaltete Faltblätter und Saatgut erhalten. Außerdem wurden sie animiert, zusammen mit Eltern oder Großeltern eigene Insektenhäuser zu bauen und eine Blumenwiese aus bunt bemalten Holzblumen zu gestalten. Zur Aufklärungsarbeit der Kinder im Grundschulalter zum Thema „Frühblüher für Wildbienen“ gehörte auch die Pflanzung von 300 Blumenzwiebeln. „Mit dem Ökomobil des Regierungspräsidiums konnten wir den kleinen Weilheimerinnen dieses Jahr zudem ein Ferienprogramm zum Thema Artenvielfalt ermöglichen.“

Biodiversitäts- & Streuobstlehrpfad

„Wir werden Mitte November 2021 mit der Erstellung des Lehrpfades beginnen und diesen voraussichtlich im Oktober 2022 feierlich einweihen“, so Gerd Eberwein. In sieben Workshops haben die Einwohner Weilheims mit dem Ortschaftsrat, mit Fachleuten aus dem Umwelt- und Landwirtschaftsamt des Zollernalbkreises sowie mit fachlich versierten Mitgliedern des örtlichen NABU das Konzept des Biodiversitätspfades erarbeitet.

Der Erhalt und der Schutz von Biotopen und alten Streuobstwiesen sowie die Pflege von Neuanlagen sind ein wichtiger Bestandteil Weilheims geworden. So sollen als Begleitmaßnahmen zum Biodiversitätspfad blühende Altgrasstreifen angelegt und Obstbäume gepflanzt werden. Die Geschichte, die Streuobstwiesen, die Natur, und damit auch die Tierwelt, sollen von mehreren Seiten erfahr- und erlebbar gemacht werden. Dazu sind Rätsel-, Erklär- oder Mitmachstationen eingeplant.

Der geplante Rundweg wird voraussichtlich fast 9 km lang sein und den Besucher an besonderen Plätzen, landschaftlichen Schönheiten sowie eindrucksvollen Bauten vorbeiführen, nicht zu vergessen: der Blick in eine Schaubrennerei und der Weg zur Mosterei. Erdacht und geplant ist der Rundweg insbesondere für Familien mit Kinders ab Grundschulalter.

Weitere Pläne & Ziele

„Unser Ziel war uns ist es Lebensraum sowie Nahrung in Hülle und Fülle für Bienen, Wildbienen und Insekten schaffen. Damit wollen wir zugleich grundlegende Naturerfahrungen ermöglichen, einen Naturbezug aufbauen und Wissensvermittlung erlebbar machen“, so der frischgebackene #beebetter-Preisträger. Mit den Maßnahmen sollen die naturschutzfachlichen Qualitäten Weilheims erhalten und optimiert werden.

Zu den geplanten Maßnahmen zählt die regelmäßige Pflege der Streuobstwiesen und die Anlage weiterer Blühwiesen. Außerdem gehen die Pläne für die den Streuobst- und Biodiversitätslehrpfad in die nächste Runde. Dabei sind auch mehrere Stationen für Honigbienen, Wildbienen und Insekten angedacht. So wie zum Beispiel eine Kräuterspirale aus Naturstein, ein mehrstufiges Insektenhaus, eine Nistmöglichkeit für im Boden nistende Arten oder eine Fachwerk-Lehmwand.

Das Preisgeld in Höhe von 10.000 Euro soll in die Umsetzung des Weilheimer Lehrpfads fließen um die Anlage samt Schautafeln, interaktiven Elementen und diversen Anschauungsobjekten rund um die heimische Flora und Fauna zu ermöglichen.

Als Amazon-Partner verdienen wir an qualifizierten Verkäufen