Aus der Zeitschrift MEIN SCHÖNER LANDGARTEN August/September 2020/ Text: Antje Sommerkamp

Imposanten Blütenbestäuber & friedfertige Nützlinge

Meistens hört man sie, bevor man sie sieht: Das tiefe Brummen ist schon von Weitem zu vernehmen und sucht man dann nach der Geräuschquelle, ist der Flugkünstler nicht zu übersehen. Flügel und Körper der Holzbiene schillern in der Sonne blauschwarz, was ihr auch den Namen Blauschwarze Holzbiene eingebracht hat. Erstaunlich, wie schnell das große, etwas schwerfällig aussehende Insekt in der Luft manövriert und in rasantem Tempo über die Blumenwiese saust!

Die Holzbiene ist ein typischer Gewinner der Klimaerwärmung in Mitteleuropa. Vor einiger Zeit bei uns noch fast gänzlich unbekannt, nutzt sie die milderen Temperaturen, um sich allmählich in ganz Deutschland auszubreiten. Mittlerweile ist sie im Süden des Landes genauso zu Hause wie in Berlin oder Thüringen. Die größte der bei uns lebenden Wildbienenarten ist streng geschützt und absolut friedfertig. Sie kann mit ihren knapp drei Zentimetern zwar durchaus Respekt einflößen und die weiblichen Tiere besitzen auch einen Stachel, doch den Menschen gegenüber verhält sie sich nicht im Geringsten aggressiv. So kann man sie völlig unbehelligt aus nächster Nähe beim Blütenbesuch beobachten. Holzbienen lieben vor allem Schmetterlings-, Korb- und Lippenblütler, darunter Salbei, Flockenblume, Rot-Klee, Goldnessel sowie Natternkopf und auch der Blauregen ist äußerst beliebt.

Holzbienen sind friedfertig und lassen sich gut beobachten. Wenn sie ein Beinchen heben, ist das allerdings kein Gruß, sondern vielmehr ein Stopp-Zeichen, also ein Anzeichen dafür, dass man der Biene zu nahe kommt und sie sich bedroht fühlt. 

Lebensraum für Holzbienen schaffen

Lebensraum finden Holzbienen in sonnigen Gärten, Biotopen und Parks. Voraussetzung sind blütenreiche Beete oder Wiesen sowie genügend liegen gebliebenes Totholz wie abgestorbene Baumstämme und starke Äste. Auch Streuobstwiesen bieten den friedfertigen Insekten ein Zuhause und können die heutzutage oftmals zu aufgeräumten Areale in der freien Landschaft zumindest teilweise ersetzen.

Von den drei im deutschsprachigen Raum vorkommenden Arten ist bei uns vor allem die Blauschwarze/Große Holzbiene (Xylocopa violacea) zu Hause, in Österreich und der Schweiz kommen zusätzlich vermehrt sowohl die sehr ähnliche Östliche Holzbiene (X. valga) als auch die Kleine Holzbiene (X. iris) vor. Vom wissenschaftlichen Namen Xylocopa (xyl = Holz) lässt sich auf ihre Lebensweise schließen: Alle nagen ihre Nistplätze in Holz.

Alle Holzbienenarten nagen ihre Nistplätze in trockenes Holz

Möchten wir die faszinierenden Insekten fördern, bieten wir ihnen im Garten neben einem reichen Blütenbuffet auch sonnige Bereiche mit Totholz wie abgestorbene Baumstämme oder starke Äste an. Letztere befestigt man schräg an Bäumen bzw. legt sie auf trockenem Boden aus, gegebenenfalls eine Steinplatte unterlegen. Das Holz wird gerne als Kinderstube angenommen. Im Sommer schlüpft die neue Holzbienen-Generation. Anders als die meisten Wildbienen-Arten überwintern sie als erwachsene Insekten – sowohl die Weibchen als auch die Männchen – in Mauerspalten und anderen geschützten Verstecken. Ab April, bei mildem Winter auch früher, paaren sie sich. Dann suchen die Weibchen nach abgestorbenem Holz für ihre Nistkammern sowie nach nektar- und pollenreichen Pflanzen für sich und als Nahrungsvorrat für den Nachwuchs. Holzbienen sind Einzelgänger; sie bilden keine Staaten und legen keine Honigvorräte an. Trotzdem sind sie sehr nützlich, sorgen sie doch mit ihrer Bestäubung für den Fortbestand unserer Pflanzenarten. Und: Sie bereichern mit ihrer imposanten Erscheinung unsere Gartentage!

Wie ihr Name bereits vermuten lässt, braucht es Holz, damit sich Holzbienen im Garten wohl fühlen und ansiedeln.

Holzbienen fliegen auf Holz

Baumstämme für Morschholz-Bewohner

Einige Wildbienen-Arten richten ihre Kinderstuben in abgestorbenen alten Baumstämmen ein. Diese sogenannten Morschholz-Bewohner nisten in trockenem, verwittertem, aber noch festem Holz. Dazu gehören zum Beispiel die Holzbiene, die Wald-Pelzbiene und die Schwarzbürstige Blattschneiderbiene. Holzbienen nagen mit ihren kräftigen Mundwerkzeugen lange Gänge ins Holz. Dabei sammelt sich davor oft ein kleiner Haufen Sägemehl an. Im Gegensatz zu anderen Wildbienen verschließen Holzbienen vorne die Gänge nicht.

Totholz im Garten anbieten

Neben Baumstämmen werden dicke abgestorbene Äste, zum Beispiel von alten Obstbäumen, besiedelt. Ideal ist es, wenn das Holz gerade so weich ist, dass man es mit dem Fingernagel abschaben kann. Der beste Platz ist sonnig auf trockenem Untergrund.

Gut zu wissen!

Altes Fachwerk: Holzbienen unterscheiden beim Bau ihrer Kinderstuben nicht zwischen nicht mehr gebrauchtem Totholz und Balken im Fachwerk bzw. ähnlichen Bauholz. Bei unbehandeltem Holz kann das Insekt mitunter zum Problem werden. Ein Anstrich mit Lasur oder Lack verhindert jedoch die Besiedlung. Als Ausgleich sollte man in der Nähe abgestorbene Stämme und Äste anbieten.

Nachkommen

Ihre Kinderstuben bauen Holzbienen ab Ende April nach der Paarung. Das emsige Nagen am Holz ist oftmals nicht zu überhören. Die Brutgänge bestehen aus mehreren hintereinanderliegenden, durch Wände getrennten Kammern. In jede Brutkammer kommt ein Ei und eine Portion Pollenbrei als spätere Nahrung für die Larven. Diese entwickeln sich innerhalb von sechs bis acht Wochen.

Während ihres Blütenbesuchs verringern die verhältnismäßig großen Wildbienen durch Flügelschlagen ihr Gewicht.

Blütenangebot

Holzbienen sind in ihrer Pflanzenauswahl nicht ausgesprochen wählerisch, bevorzugen aber Korb-, Schmetterlings- oder Lippenblütler. Sie besuchen viele verschiedene Blüten, bei denen sie Pollen sammeln und mit ihrem langen Rüssel Nektar saugen.
Ein Bienen-Buffet für viele unserer bedrohten Wildbienen-Arten, zu denen auch die Holzbiene zählt, besteht aus ungefüllten nektar- und pollenreichen Blüten, dazu zählen z.B. 
Roter Scheinsonnenhut, Kugeldistel und Große Knorpelmöhre. Beliebt sind bei der Holzbiene auch Blauregen, Flockenblume und Platterbse sowie Natternkopf, der gilt als Lieblingspflanze vieler Wildbienenarten gilt. Auch die Holzbiene fliegt auf die trockenheits- und sonnenliebende Wildstaude, die ab Mai ihre Blüten zeigt. Wie viele Wildbienen lieben Holzbienen zudem Rot-Klee, der im Naturgarten in der Blumenwiese wächst. Auch Woll-Ziest, Goldnessel und Eisenhut sind bei Wildbienen begehrt.

Unsere Empfehlung

Mein schöner Landgarten

Den Artikel über die Holzbiene von unserer Garten- und Wildbienenexpertin Antje Sommerkamp sowie viele weitere Gartentipps, Dekoideen und Anregungen für den Naturgarten finden Sie in der Zeitschrift Mein schöner Landgarten (August/September 2020).