Das Volksbegehren in Bayern und alle anderen Rettungsaktionen für Bienen sind extrem erfolgreich. Erstaunt Sie das?

Insektenschutz geht uns alle an, das Thema ist angekommen in der Mitte der Gesellschaft - gut so. Denn wenn es Insekten und Bienen schlecht geht, geht es der Landwirtschaft, geht es der Umwelt, geht es uns allen schlecht. Doch ist es deutlich zu kurz gesprungen, mit dem Finger ausschließlich auf unsere Bäuerinnen und Bauern zu zeigen - das ist nicht fair. Wir müssen ebenso über weitere Faktoren sprechen. Über Lichtverschmutzung etwa, die Versieglung von immer mehr Boden oder die Gestaltung öffentlicher Flächen. Denn auch das hat einen großen Einfuß auf die Insekten. Glaubwürdig ist, das ganze Bild und auch sich selbst in den Blick und in die Verantwortung zu nehmen, nicht nur einen Ausschnitt. 

Womit lösen die Bienen, die ja eigentlich nicht dem Schema eines niedlichen Tieres entsprechen, so viel Sympathie aus?

Lange vor der Herstellung von Zucker gab es Honig, oder denken Sie an das Kerzenwachs - Menschen waren und sind dringend auf Bienen angewiesen. Den sprichwörtlichen Bienenfleiß und  entsprechende Kinderbücher kennt fast jeder. Bienen sind Sympathieträger, positive Projektionsflächen. Sie sind zwar klein, haben aber riesengroße Wirkung. Würde man alle Produkte, die es ohne sie nicht gäbe aus den Regalen nehmen, es würde gähnende Leere herrschen in unseren Supermärkten - kein Getreide, kein Obst, kein Gemüse. Etwa 80 Prozent der Nutzpflanzenarten sind mehr oder weniger direkt auf die Bestäubung durch Bienen angewiesen, der volkswirtschaftliche Nutzen für Deutschland wird auf rund zwei Milliarden Euro pro Jahr geschätzt. Bienen sind systemrelevant. Wichtig ist aber auch, dass wir unterscheiden zwischen der Honig- und der Wildbiene. Sie sind in unterschiedlichem Zustand.

Sie setzen sich als Schirmherrin für #beebetter ein, sind aber gleichzeitig die Ministerin für alle Bauern, die den Forderungen teilweise kritisch gegenüberstehen. Ein Konflikt für Sie?

Im Gegenteil - gerade auch die Landwirtschaft ist doch angewiesen auf die Bestäubungsleistung der Bienen, sie sichert Ernten. Auf europäischer Ebene habe ich mich deshalb im vergangenen Jahr erfolgreich für ein Verbot dreier bienenschädlicher Neonikotinoide im Freiland eingesetzt. Denn bei Kontakt verlieren die Bienen ihre Orientierung, finden nicht mehr sicher in den Stock zurück. Die wissenschaftliche Bewertung ist für mich hier ausschlaggebend. Die Landwirtschaft leistet ihren Beitrag, wenn es um den Schutz und Erhalt der biologischen Vielfalt geht - sie tut das. Im Privaten können wir das auch - viele Vorgärten mit Stein und Kies sind das Gegenteil von bienenfreundlich. Gartenbaubetriebe beraten da gerne.

Was kann der einzelne tun, um seinen Beitrag zum Überleben der Bienen zu leisten?  

Artenvielfalt braucht bunte Blumenbeete, keine grauen Steingärten. Denn wo nichts blüht, gibt es für die Bienen nichts zu sammeln. Vor der eignen Haustür oder auf dem Balkon kann jeder seinen Beitrag leisten und Bienen-Buffets sähen. Mein Ministerium hat bereits 2014 die Initiative „Bienen füttern“ gestartet, um Verbraucherinnen und Verbraucher zu informieren und zu sensibilisieren. Auf der Website der Initiative und in unserem Pflanzenlexikon stellen wir Pflanzen vor, die besonders bienenfreundlich sind. Jeder Quadratmeter, jede gepflanzte Blume zählt. 

Mögen Sie Honig und wie essen Sie ihn gern?
Im Müsli oder auf dem Brot - am besten schmeckt Honig, wenn er direkt vom Imker kommt. Im vergangenen Sommer habe ich Bienenstöcke im Hofgarten des Ministeriums aufstellen lassen - die neuen Mitarbeiter sind sehr fleißig (lacht). Übrigens: Deutschland ist Weltmeister beim Honigverzehr: Jeder von uns isst pro Jahr rund ein Kilogramm.  

Dieser Ausschnitt stammt aus einem Interview, das Katrin Sachse, stellv. Chefredakteurin BUNTE, mit Julia Klöckner im Frühjahr 2019 geführt hat.

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