Besonderheit

Die Männchen der Mai-Langhornbiene zeichnet sich nicht nur durch enorm lange Antennen aus, sondern auch durch ihr auffälliges Verhalten im Frühling: Sie erscheinen meist ab Mitte April bis Anfang Mai und damit bis zu drei Wochen vor den Weibchen. In Erwartung der Weibchen patrouillieren die Männchen im rasanten Flug vor Blütenständen und folgen dabei immer wieder Bahnen, die sie durch Duftmarken festlegen. Außerdem schlafen die Männchen oftmals zu zweit oder in Grüppchen an Blütenstielen oder Pflanzenstängeln. 

Merkmale

Die Mai-Langhornbiene (Eucera nigrescens) ist mit einer Körpergröße von 13 bis 15 Millimeter etwas größer als Honigbienen. Bei den Männchen fällt neben den auffällig langen Antennen auch das gelbe Kopfschild auf. Durch den orange-braunen Pelz und die gedrungene Statur erinnert die Wildbiene des Jahres 2021 manch einen an Pelzbienen. Die langen „Hörner“ sind zudem auch für die Langhornbienen der Gattungen Eucera, Tetralonia und Tetraloniella typisch. Zur genauen Bestimmung sollte man daher Blütenbesuch und Flugzeit beachten. 

Nistweise

Für den Nachwuchs legen die Weibchen der Mai-Langhornbiene unterirdische Hohlräume an. Dafür wählen sie vegetationsfreie, wenig bewachsene Böschungen oder ebene Flächen aus, bevorzugt mit lehmigem oder sandigem Boden. Den Pollenvorrat häufen die Weibchen im hinteren Teil der Brutkammer an. Ist das Nest fertig und der Nachwuchs versorgt, stirbt das Weibchen gegen Mitte Juni. 

Nahrungsquelle

Die Mai-Langhornbiene ist wählerisch und hat besondere Ansprüche an ihre Nahrungspflanzen, denn sie besucht ausschließlich Schmetterlingsblütler. Eine besondere Vorliebe hegt sie für die Zaun-Wicke, deren Blühbeginn in ihre Flugzeit fällt.

Vorkommen

Aufgrund der Blütenvorliebe ist die Zaun-Wicke für das Vorkommen der Mai-Langhornbiene ausschlaggebend. Noch ist die Wildbiene des Jahres 2021 bundesweit betrachtet nicht gefährdet, aber sie wird in einigen Bundesländern in der jeweiligen Roten Liste aufgeführt. In Nordrhein-Westfalen gilt sie als gefährdet, in Sachsen als vom Aussterben bedroht und in Berlin ist die Wildbienenart bereits ausgestorben. Die Perspektiven sind also nicht gut, was eng mit dem mangelnden Angebot blütenreicher Wiesen und Lebensräume zusammenhängt. 

Das rät das Kuratorium „Wildbiene des Jahres“

Das Anlegen blütenreichen Grünlandes, am besten aus dem Saatgut intakter Wiesen der Region, ist zur Förderung der Art ein guter Weg. In der Ackerflur liefern geeignete Blühmischungen mit hohem Anteil hei-mischer Schmetterlingsblütler eine Verbesserung des Nahrungsangebotes. Zum Schutz der Bodennester sollten die Flächen dort unbedingt mehrjährig bestehen. Zudem ist der Bestandsschutz der noch verbliebenen Wiesen und deren schonende Bewirtschaftung mit einem ersten Schnitt nicht vor Anfang Juni das Gebot der Stunde.

Auch Gärten und öffentliche Grünflächen in den Siedlungen bieten viele Möglichkeiten, Lebensräume für Eucera nigrescens zu schaffen. Es kommt auf das Angebot passender Nahrungspflanzen und offener Boden-stellen zur Nestanlage an.

Der Mai-Langhornbiene kann also auch in unserem unmittelbaren Wohnumfeld wirksam geholfen werden! 

Hintergrund

Das Kuratorium „Wildbiene des Jahres“ wählt seit 2013 jährlich eine besonders interessante Wildbienenart aus, um an ihrem Beispiel die spannende Welt dieser Tiere bekannter zu machen. Zugleich soll die Wildbiene des Jahres dazu ermuntern, „in die Natur“ zu gehen und das Tier in seinem Lebensraum aufzusuchen. Damit wirkt die Initiative auch im Sinne einer Wissenschaft für alle (Citizen Science) und bringt mehr Klarheit über das aktuelle Vorkommen der Wildbiene des Jahres.

Das Kuratorium „Wildbiene des Jahres“ ist beim Arbeitskreis Wildbienen-Kataster angesiedelt, einer Sektion des Entomologischen Vereins Stuttgart 1869 e.V.

Der NABU Baden-Württemberg unterstützt die Initiative „Wildbiene des Jahres“.

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