Bestäubung

Wildbienen sind fleißig, friedfertig und für Mensch und Natur unverzichtbar. So unscheinbar die kleinen Verwandten unserer Honigbiene sind, so wichtig sind sie für uns Menschen. Denn Wildbienen sind unverzichtbar für die Bestäubung unzähliger Kultur- und Wildpflanzen und damit auch für unser Obst und Gemüse im Garten. Hierbei sind die wilden Verwandten der Honigbiene meist effizienter als ihre Honig produzierenden Artgenossen. In Europa sind 150 verschiedene Nutzpflanzen und etwa 80 Prozent der Wildpflanzen abhängig von der Bestäubung durch Insekten. Einen großen Teil davon leisten die bei uns vorkommenden Wildbienenarten, zu denen übrigens auch die Hummeln zählen. Ohne ihre Bestäubungsarbeit würde die jährliche Ernte viel geringer ausfallen.

Lebensweise

Die Lebensweisen der Wildbienen sind sehr unterschiedlich. Im Gegensatz zur Honigbiene sind die meisten Einzelgänger und bilden keine Staaten. Je nach Art bauen die Weibchen einzelne Nester in Hohlräume von Pflanzenstängeln, in abgestorbenem Holz oder im Erdboden. Sogar leere Schneckenhäuser werden von manchen Mauerbienenarten genutzt. Koloniebrüter wie die Sand- und Seidenbienen bauen ihre Erdnester dicht nebeneinander. Im Garten werden außer natürlichen Nisthilfen auch von uns bereitgestellte Kinderstuben angenommen, etwa Schilfröhren, Sandflächen oder Holzblöcke. Im Allgemeinen können Wildbienen eine maximale Flugstrecke von 1,2 Kilometern zurücklegen, einige sogar nur rund 300 Meter.

Erstaunlich ist die Lebensweise der sogenannten Kuckucksbienen: Filzbienen oder Wespenbienen legen Eier in die Nester anderer Wildbienenarten. Ihre Larven töten Eier oder Larven der Wirtsbienen ab und ernähren sich von deren Pollen- und Nektarvorrat. Wenige Arten wie Hummeln oder Furchenbienen bilden einjährige Staaten mit Arbeiterinnen, Männchen und einer Königin. Die im Sommer schlüpfenden Jungköniginnen überwintern und bilden im nächsten Jahr neue Staaten.

Aussehen

Das Aussehen der Wildbienen ist noch unterschiedlicher als ihre Lebensformen: Neben nur zwei Millimeter großen Arten erreichen etwa Hummelköniginnen Größen von über zwei Zentimetern. Sie sind auch meist die ersten Blütenbesucher, welche man bereits im zeitigen Frühjahr sichten kann. Während manche Wildbienen sich mit flaumigem Pelz schmücken, sind andere auffällig gefärbt oder ahmen Fliegen beziehungsweise Wespen nach, welche übrigens nicht zu den Bienenarten zählen. Gemeinsam ist allen die emsige Suche nach eiweißreichem Pollen, mit dem sie ihre Nachkommen versorgen.

Nistplätze und Nachwuchs

Als Wildbienennester eignen sich beispielsweise Erdplätze, Pflanzenstängel, Steilwände, morsches Holz oder andere Hohlräume. Für den Abschluss am Ende der Brutröhre und die Trennwände zwischen den einzelnen Kammern benötigen die Weibchen je nach Art Materialien wie Lehm, Sand, Harz oder zerkaute Blattstückchen. Die Mohn-Mauerbiene ist auf Mohnblütenblätter spezialisiert.

Da eine Niströhre aus mehreren Brutkammern besteht, in denen jeweils nur ein Ei gelegt wird, müssen Wildbienenweibchen beim Anlegen einer einzigen Brutröhre je nach Art häufig mehrere Kilometer zurücklegen. Erwachsene Wildbienen leben meist nur vier bis acht Wochen im Jahr. Die Weibchen kommen normalerweise nie in Kontakt mit ihren Nachkommen, da sie in der Regel nach der Eiablage sterben und die jungen Wildbienen meist im Larvenstadium überwintern und erst im nächsten Jahr schlüpfen.

Unser Tipp

Natürlichkeit für mehr Wildbienen im Garten

Naturnahe Gärten und Lebensräume, in denen sie nicht nur geeignete Nistplätze, sondern auch ein ausreichend großes und vielfältiges Nahrungsangebot vorfinden, helfen, die zunehmend gefährdeten und ernsthaft bedrohten Wildbienenarten zu erhalten.