Veröffentlicht am 31.08.2022 um 15:03 Uhr

Was hat sich seit der #beebetter-Auszeichnung bei Ihrem Projekt alles getan, wie ist es Ihnen seither ergangen?

Für die Auszeichnung mit dem #beebetter-Award erhielt ich viel Lob, Anerkennung und mediale Aufmerksamkeit. Seither habe ich ein neues Projekt gestartet und im Frühjahr 2022 neue Blühwiesen angesät. Ich wollte eine große Oase der Natur auf über 50.000 m² schaffen. Obwohl sich im Herbst und Frühjahr 2021/22 nur wenig neue Blühpaten finden ließen, konnte ich das Projekt mit Hilfe des Preisgeldes umsetzen. Außerdem habe ich ein „Schaufenster in die Natur“ angefertigt und aufgestellt. Es soll dazu animieren, stehen zu bleiben, inne zu halten und die Natur auf sich wirken zu lassen. Ein paar Minuten Zeit nehmen, um zu sehen und zu hören, wie die Natur sich entwickelt und summt und brummt. 

Schaufenster in die Natur

Des Weiteren durfte ich in diesem Jahr insgesamt sieben Schulklassen mit über 130 Schülern und Schülerinnen und den dazugehörigen Lehrerkräften auf meiner Blühwiese begrüßen. Im Rahmen des Projekts „Schule fürs Leben“ führen einige Schulen in der Region Projektwochen durch und besuchen landwirtschaftliche Betriebe. Dafür habe ich mich mit meinem Projekt beworben und dabei ein großes Echo erhalten. Die kleinen und großen Besucher waren begeistert von dem Projekt und haben schon angefragt, ob sie im nächsten Jahr wiederkommen dürfen. So konnte ich auch die Schüler und deren Lehrer von dem Thema Artenvielfalt und Biodiversität begeistern. Auch der örtliche Kindergarten war zu Gast auf der Blühwiese. Die Kinder sowie deren Erzieherinnen waren ebenfalls hin und weg von dem Projekt, bei dem der Kindergarten übrigens eine Patenschaft übernommen hat. Auch sie haben bereits angefragt, ob sie nochmal kommen können. 

Wie oder wofür haben Sie das Preisgeld verwendet?

Das Preisgeld habe ich vor allem für das „Schaufenster in die Natur“ genutzt und für die Anlage von neuen Blühwiesen. Dabei experimentierte ich mit verschiedenartigem, autochthonem also gebietseigenem Saatgut. Außerdem brauchte ich für die Betreuung der Schulklassen einiges an Equipment, für das die finanziellen Mittel eingesetzt wurden. 

Biene im Anflug

An welchen neuen Ideen, Vorhaben und Plänen arbeiten Sie zurzeit?

Auch im nächsten Jahr möchte ich meine Bienenprojekte, wenn möglich, weiter ausbauen. In diesem Jahr habe ich gesehen, dass es nicht nur wichtig ist, selbst etwas zu tun, sondern auch andere für den Schutz von Insekten zu begeistern. Auch daran werde ich in nächsten Jahr weiter arbeiten. 

Konnten Sie weitere Mitstreiter für Ihr Projekt gewinnen?

Einige neue Blühpaten konnte ich zwar gewinnen, aber der Fokus liegt in der Gesellschaft zurzeit nicht beim Artenschutz und der Biodiversität, sondern bei der Gas- und Energieknappheit. Deshalb sparen die Menschen und sind nicht mehr so leicht davon zu überzeugen, Blühpatenschaften einzugehen. Mein Projekt war erst einmal auf drei Jahre angelegt und die meisten der Verträge mit den Paten laufen Ende 2022 aus. Natürlich möchte ich weitermachen. Es bleibt spannend, ob meine Blühpaten trotz der vielen aktuellen Probleme in der Welt weiterhin dabei bleiben. Das wäre wunderbar, damit die Flächen auch weiterhin „ein Feld voller Leben“ bleiben können, wie es die örtliche Presse in einem Artikel formuliert hat. Zu den #beebetter-Gewinnern 2021 der anderen Kategorien habe ich Kontakte aufgebaut. Es ist sehr interessant, zu verfolgen, wie von ihnen neue Ideen umgesetzt werden. 

Die #beebetter-Preisträger:innen 2021 Ulrike Will, Tobias Hase, Gerd Eberwein, #beebetter-Schirmherrin und Bundesministerin Julia Klöckner, die Preisträger Florian Wester und Franz Lehner

Glauben Sie, dass das Thema Bienensterben wegen der Entwicklungen in diesem Jahr in den Hintergrund gerückt ist?

Ich persönlich glaube, und das habe ich auch bei meinem Projekt erfahren, dass das Thema durch die schlimmen Ereignisse in der Welt (Krieg, Klimakrise, Dürre in Europa) tatsächlich etwas hintenangestellt wird. Auch in den Medien ist es nicht mehr präsent. Nächstes Jahr, wenn viele Menschen ihre Nebenkosten bezahlen müssen, wird sich das sicherlich noch verstärken, denn bei knappen finanziellen Mitteln wird zuerst dort gespart, wo es erstmal nicht als essentiell und wichtig erscheint. 

Was würden Sie sich im Namen der Bienen wünschen? 

Viele Menschen deuten immer nur auf die anderen, nach dem Motto: Die sind Schuld, die müssen was machen! Und da liegt das größte Problem begraben. Denn jeder kann etwas tun! Muss man tausende Kilometer mit dem Flugzeug in den Urlaub fliegen? Oder jede Strecke mit dem Auto zurücklegen? Sind Schottergärten vor den Häusern wirklich schön? Solche Fragen gäbe es noch viele…

Es ist bequem, nichts zu unternehmen. Leider sind wir zu einem Volk geworden, das vor allem weiß, wie es nicht geht. Wir möchten einen schönen Rasen und einen aufgeräumten Garten, aber dem Insektensterben müsste „man“ Einhalt gebieten. Atomkraft geht gar nicht, aber ein Windrad vor der eigenen Haustür auch nicht. Klimaschutz ist enorm wichtig, aber meine Urlaubsreise nach Ägypten muss auf jeden Fall sein. Auch diese Aufzählung könnte man noch beliebig fortsetzen. Umdenken beginnt bei jedem selbst!

Franz Lehner mitten in der Blühwiese

Im Namen der Bienen, aber auch im Namen der Umwelt und des Klimas würde ich mir wünschen, dass jeder bei sich selbst anfängt, nachhaltiger zu leben, anstatt auf die anderen zu zeigen.

Unser Tipp

Gewinner der Kategorie „Landwirtschaft“ 2021

Bei Landwirt Franz Lehner aus Niederbayern sind Blühwiesen für Wildbienen und Wildtiere fester Bestandteil der Betriebsflächen. Durch Blühpatenschaften ermöglicht er es, dass auch Menschen ohne eigenes Land etwas für die Artenvielfalt tun können. Dafür erhält er den #beebetter-Award 2021 in der Kategorie "Landwirtschaft".

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